Schritte zum Reduzieren früherer Informationen
Frühere Informationen sind ein großes Risiko für Anonymität.
Alte soziale Netzwerke. Alte Blogs. Wiederverwendete Handles. Bilder. Profile. Suchergebnisse. Archive.
Auch wenn in der aktuellen anonymen Aktivität kein echter Name steht, wird der Kreis möglicher Personen kleiner, wenn sie mit früheren Informationen verbunden wird.
Dieser Artikel ordnet die Schritte, um frühere Informationen zu reduzieren.
1. Zuerst eine Bestandsaufnahme machen
Man beginnt nicht sofort mit dem Löschen, sondern macht zuerst eine Bestandsaufnahme.
- Echter Name
- Früherer Nachname
- Handle
- E-Mail-Adresse
- Benutzername
- Telefonnummer
- Schulname
- Arbeitsplatz
- Frühere Aktivitätsnamen
Danach sucht man und prüft, was erscheint.
Allerdings kann auch die Suche selbst Aufzeichnungen hinterlassen. Wenn man über einen Suchdienst sucht, bei dem man mit echtem Namen angemeldet ist, über den Alltagsbrowser, über ein Arbeits- oder Schulnetzwerk oder über ein verwaltetes Gerät, werden Suchbegriffe und aufgerufene Seiten zu einem weiteren Log. Bei einer Bestandsaufnahme, die mit anonymer Aktivität zu tun hat, denkt man auch daran, die Rechercheumgebung zu trennen.
Gefundene Informationen ordnet man nach URL und Inhalt.
Bei der Bestandsaufnahme folgt man nicht nur Suchergebnissen, sondern auch den "Einstiegen, die man früher genutzt hat". Dazu gehören früher genutzte soziale Netzwerke, Blogs, Foren, Videoseiten, Spiele, Fan- oder Indie-Aktivitäten, Veranstaltungsteilnahmen, Schul- und Arbeitsplatzprofile, Vortragsmaterialien, PDFs und Bildveröffentlichungsdienste. Namen, Bilder, E-Mail-Adressen oder Handles können an Orten zurückbleiben, die man selbst vergessen hat.
In dieser Phase ist wichtig, nicht sofort zu löschen. Wenn man übereilt löscht, weiß man später nicht mehr, wo was stand. Zuerst notiert man URL, Informationsart, Veröffentlichungsbereich, ob man selbst bearbeiten kann und ob eine Verbindung zur aktuellen anonymen Aktivität besteht.
| Zu notierender Punkt | Grund |
|---|---|
| URL | Um das Ziel später prüfen zu können |
| Angezeigte Information | Um echten Namen, Bilder, Arbeitsplatz, Kontaktdaten und Ähnliches zu trennen |
| Veröffentlichungsbereich | Um zu trennen, ob alle es sehen können oder Anmeldung nötig ist |
| Bearbeitungsrecht | Um zu beurteilen, ob man es selbst korrigieren kann oder eine Anfrage nötig ist |
| Verbindung zur Gegenwart | Um zu sehen, ob es anonyme Aktivität beeinflusst |
2. Prioritäten setzen
Alles auf einmal zu löschen ist schwierig.
Man setzt Prioritäten.
| Priorität | Information | Grund |
|---|---|---|
| Hoch | Adresse, Telefonnummer, Gesichtsfoto, Arbeitsplatz | Führt direkt zu Identifizierung |
| Hoch | Verbindung zwischen echtem Namen und anonymem Namen | Verbindet anonyme Aktivität mit der Person |
| Mittel | Alte Profile, Bilder | Werden zu Korrelationsmaterial |
| Mittel | Frühere Beiträge oder Blogs | Schreibstil und Erfahrungen bleiben zurück |
| Niedrig | Allgemeine Aktivitätshistorie | Je nach Situation beurteilen |
Man beginnt mit den Dingen mit hohem Risiko.
Priorität entscheidet man nicht danach, ob etwas peinlich ist, sondern danach, ob es aktuelle Anonymität bricht. Ein alter Beitrag kann peinlich sein, aber fast nichts mit Identifizierung zu tun haben. Umgekehrt kann eine unauffällige Profilseite mit Telefonnummer oder Zugehörigkeit gefährlicher sein.
Besonders hohe Priorität haben Informationen, die direkt mit aktueller anonymer Aktivität verbunden sind. Vorsicht ist nötig, wenn Themen, Fachgebiet, Region, Bilder, Schreibstil oder Handle, die man auf einem anonymen Konto nutzen will, auch in früheren Informationen vorkommen. Wenn echter Name und anonymer Name auf derselben Seite stehen, wird das zu einem sehr starken Verbindungspunkt.
3. Selbst bearbeitbare Dinge korrigieren
Soziale Netzwerke, Blogs und Profile, bei denen man selbst einloggen kann, korrigiert man zuerst.
Manchmal ist Korrigieren besser als Löschen. Denn plötzlich alles zu löschen kann auffallen.
Adressen, Telefonnummern, Gesichtsfotos und Verbindungen zwischen echtem Namen und anonymem Namen sollten jedoch früh reduziert werden.
Nach der Korrektur prüft man, ob sie in Suchergebnissen oder Archiven zurückgeblieben sind.
Beim Korrigieren unterscheidet man zwischen Löschen, Auf privat stellen und Umschreiben. Bei gefährlichen personenbezogenen Daten haben Löschen oder das Umstellen auf privat Vorrang. Wenn man dagegen plötzlich alle Beiträge löscht, kann das eher so wirken, als werde "etwas verborgen". Deshalb kann es bei Informationen mit geringem Risiko auch eine Möglichkeit sein, sie leise zu ordnen: Formulierungen unschärfer machen, alte Kontaktadressen entfernen oder nur das Profil korrigieren.
| Maßnahme | Geeignete Informationen | Hinweis |
|---|---|---|
| Löschen | Adresse, Telefonnummer, Gesichtsfoto, Verbindung zwischen echtem Namen und anonymem Namen | Vor dem Löschen URL und Inhalt notieren |
| Auf privat stellen | Alte soziale Netzwerke, Blogs, Werkseiten | Kann in Suchergebnissen oder Archiven zurückbleiben |
| Umschreiben | Alte Profile, Selbstvorstellungen, Kontaktdaten | Manche Dienste behalten Änderungsverläufe |
| Belassen und Betrieb ändern | Nicht löschbare Artikel, Drittseiten | Überschneidung auf Seite der aktuellen anonymen Aktivität vermeiden |
4. Administratoren anfragen
Bei Seiten, die man nicht selbst korrigieren kann, fragt man die Seitenverwaltung an.
In der Anfrage macht man betroffene URL, zu löschende Information und Grund klar.
Es kann sein, dass einer Löschung nicht zugestimmt wird. In diesem Fall passt man die aktuelle anonyme Aktivität so an, dass sie sich nicht mit dieser Information verbindet.
In einer Anfrage macht man Ziel und Wunsch klarer, statt emotional zu erklären. Man teilt mit: "In diesem Teil dieser Seite stehen personenbezogene Daten, deshalb möchte ich, dass sie gelöscht oder nicht öffentlich gemacht werden." Wichtig ist auch, der Gegenseite keine unnötigen personenbezogenen Daten zu geben. Auch wenn eine Identitätsbestätigung nötig ist, sendet man nicht mehr Informationen als notwendig.
Wenn man Administratoren kontaktiert, bleibt dieser Kontakt selbst als Aufzeichnung zurück. Je nach Risiko des Inhalts überlegt man, ob man eine Klarnamen-E-Mail-Adresse oder eine von anonymer Aktivität getrennte Kontaktadresse nutzt.
5. Archive und Suchergebnisse ansehen
Auch wenn die Originalseite gelöscht wird, kann sie in Suchergebnissen oder Archiven zurückbleiben.
Man prüft, ob alte Seiten in einem Archiv wie der zurückgeblieben sind.
Die Wayback Machine ist ein Webarchiv, das vom Internet Archive bereitgestellt wird. Damit kann man prüfen, ob frühere Zustände von Webseiten gespeichert wurden.
URL : https://web.archive.org/
Allerdings kann auch das Nachschlagen von URLs oder Suchbegriffen in Archivdiensten Aufzeichnungen hinterlassen. Wenn man hochriskante URLs im Zustand einer Klarnamen-Anmeldung, im Alltagsbrowser, im Arbeits- oder Schulnetzwerk oder auf einem verwalteten Gerät prüft, kann dieses Anschauen oder Suchen zu einem weiteren Hinweis werden. Zuerst entscheidet man, welchen Bereich von URLs und Suchbegriffen man offenlegen kann.
Zurückgebliebene Informationen ordnet man getrennt danach, was gelöscht werden kann und was bleibt.
Die Aktualisierung von Suchergebnissen braucht Zeit. Auch wenn die Originalseite korrigiert wurde, können alte Informationen im Titel oder Beschreibungstext von Suchergebnissen zurückbleiben. Archive, Caches, Weiterveröffentlichungen und Screenshots liegen jeweils an anderen Orten, daher verschwinden sie nicht, nur weil die Originalseite gelöscht wurde.
Das Ziel hier ist nicht, von vollständiger Auslöschung auszugehen. Löschen, was gelöscht werden kann. Notieren, was nicht gelöscht werden kann. Verhindern, dass verbleibende Informationen und aktuelle anonyme Aktivität sich überschneiden. Diese drei Aufgaben trennt man und geht sie getrennt an.
6. Künftige Posting-Regeln ändern
Auch wenn man frühere Informationen reduziert, bringt es nichts, wenn man künftig dieselben Informationen wieder preisgibt.
- Nicht denselben Handle verwenden
- Nicht dasselbe Bild verwenden
- Nicht dieselben persönlichen Erfahrungen wiederholen
- Region oder Arbeitsplatz nicht detailliert preisgeben
- Schreibstil auf Klarnamenseite und anonymer Seite nicht annähern
- Muster der Posting-Zeiten überprüfen
Der Umgang mit früheren Informationen ist nicht nur Löscharbeit. Er umfasst auch Änderungen im künftigen Betrieb.
Wenn frühere Informationen zurückbleiben, legt man auf der Seite der anonymen Aktivität "Material fest, das nicht verwendet werden darf". Früher verwendete Handles, Bilder, Redewendungen, Profiltexte, detaillierte Beschreibungen des Fachgebiets und regionale Themen werden zu Verbindungspunkten. Auf der anonymen Seite passt man nicht nur Namen an, sondern auch die Granularität der Themen und die Posting-Zeiten.
Auch regelmäßiges erneutes Prüfen ist nötig. Neue Suchergebnisse können erscheinen. Alte Seiten können von jemandem weiterveröffentlicht werden. Durch Änderungen an Dienstspezifikationen kann sich die Sichtbarkeit früher nicht öffentlicher Informationen ändern. Der Umgang mit früheren Informationen ist keine einmalige Arbeit, sondern eine Arbeit, die man vor und nach anonymer Aktivität überprüft.
Zusammenfassung
Um frühere Informationen zu reduzieren, braucht es Bestandsaufnahme, Priorisierung, Korrektur, Löschanfragen, Prüfung von Suchergebnissen, Archivprüfung und Änderungen im künftigen Betrieb.
Es ist schwierig, alle Informationen vollständig zu löschen. Gerade deshalb ist es wichtig zu verstehen, was bleibt, und zu verhindern, dass es sich mit aktueller anonymer Aktivität verbindet.
Der Umgang mit früheren Informationen ist keine einmalige Arbeit. Er muss regelmäßig überprüft werden.
Verwandte Werkzeuge
Wayback Machine
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URL : https://web.archive.org/
Google Search removal tools
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OSINT Framework
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Google Lens
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URL : https://lens.google/
ExifTool
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URL : https://exiftool.org/
MAT2
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