Wie man Anonymität in einer Überwachungsgesellschaft schützt
Das Wort Überwachungsgesellschaft kann übertrieben klingen.
Alltägliche Kommunikation, Suche, soziale Medien, Standortinformationen, Zahlungen, Kameras, Zugriffslogs und Cloud-Verläufe hinterlassen jedoch bereits viele Aufzeichnungen.
Anonymität zu schützen bedeutet nicht, vollständig aus der Gesellschaft zu verschwinden.
Es bedeutet zu verstehen, in welcher Situation wem was sichtbar ist, und unnötige Korrelationen zu verringern.
Überwachung geschieht nicht nur an einem Ort
Überwachung und Aufzeichnung entstehen nicht nur durch ein einziges riesiges System.
Websites, Apps, Kommunikationsanbieter, Cloud, soziale Medien, Arbeitsplatz, Schule, Geschäfte und öffentliche Räume. Jeder dieser Orte besitzt getrennt Informationen.
| Ort | Zurückbleibende Informationen |
|---|---|
| Website | IP-Adresse, s, Anmeldestatus, Zugriffszeit |
| Soziale Medien | Beiträge, Antworten, Bilder, Beziehungen, Leseverlauf |
| Cloud | Eigentümer, Freigabeverlauf, Bearbeitungsverlauf, Zugriffslogs |
| Kommunikationsweg | Ziel der Verbindung, Datenvolumen, Timing |
| Realer Raum | Überwachungskameras, Verkehr, Zutritt, Zahlungen |
Bei Anonymität achtet man darauf, dass diese mehreren Aufzeichnungen miteinander verbunden werden können.
Öffentliche und private Aufzeichnungen überlagern sich
Das Wort Überwachungsgesellschaft bezeichnet nicht nur den Staat.
Kommunikationsanbieter, soziale Medien, Werbeunternehmen, Apps, Zahlungsanbieter, Cloud, Schulen, Arbeitsplätze und Geschäfte besitzen ebenfalls Aufzeichnungen. Auch wenn öffentliche Aufzeichnungen und Aufzeichnungen privater Dienste nicht direkt verbunden sind, können sie über Zeit, Ort, Konto, Gerät und Verhaltensmuster abgeglichen werden.
| Art der Aufzeichnung | Beispiele |
|---|---|
| Öffentliche und halböffentliche Aufzeichnungen | Zutritt, Verkehr, Überwachungskameras, Verwaltungsverfahren |
| Kommunikationsaufzeichnungen | Verbindungszeit, IP, Datenvolumen, Vertragsinformationen |
| Dienstaufzeichnungen | Beiträge in sozialen Medien, Login, Suche, Cloud-Verlauf |
| Zahlungsaufzeichnungen | Geschäft, Uhrzeit, Betrag, Mitgliedsinformationen |
| Geräteaufzeichnungen | Standortinformationen, Benachrichtigungen, Fotos, App-Verlauf |
Bei Anonymität versteht man, dass es nicht nur einen einzigen Besitzer von Aufzeichnungen geben muss.
Fragmente, die an mehreren Orten zurückbleiben, können später als dieselbe Handlung betrachtet werden.
Das Bedrohungsmodell realistisch festlegen
Wenn man in einer Überwachungsgesellschaft über Anonymität nachdenkt, geht man nicht davon aus, sich vor allen Gegenübern vollständig zu verbergen.
Der Dienst, mit dem man sich verbindet, Arbeitgeber, Schule, Kommunikationsanbieter, Betreiber sozialer Medien, Gegner und staatliche Stellen unterscheiden sich darin, was sie sehen können und welche Fähigkeiten sie haben.
| Gegenüber | Möglicherweise sichtbare Dinge |
|---|---|
| Webdienst | Konto, IP, Cookies, Beiträge, Login-Verlauf |
| Arbeitgeber oder Schule | Verwaltete Geräte, Netzwerk, Zutritt, Konten |
| Kommunikationsanbieter | Ziel der Verbindung, Datenvolumen, Zeit, Vertragsinformationen |
| Betreiber sozialer Medien | Beiträge, DM, Geräte, Meldeverlauf, Korrelationen |
| Gegner | Öffentliche Beiträge, Fotos, frühere Informationen, Verhaltensmuster |
Wenn feststeht, vor wem man was schützt, werden die nötigen Maßnahmen sichtbar.
Anonymität wird aufgebaut, indem man die Fähigkeiten des Gegenübers annimmt.
Anonymität bedeutet nicht, Aufzeichnungen auf null zu setzen
Im heutigen Internet ist es nicht realistisch, Aufzeichnungen vollständig auf null zu setzen.
Wichtig ist, dass Aufzeichnungen nicht leicht miteinander verbunden werden können.
| Denkweise | Bedeutung |
|---|---|
| Aufzeichnungen verstehen | Wissen, wo was zurückbleibt |
| Korrelationen verringern | Klarnamenaktivität und anonyme Aktivität nicht verbinden |
| Veröffentlichungsmenge verringern | Unnötige Fotos, Orte und Zeiten nicht herausgeben |
| Umgebungen trennen | Geräte, Browser und Konten nicht vermischen |
| Auch nach der Veröffentlichung steuern | Durch Antworten und Teilen keine Informationen hinzufügen |
Anonymität ist Urteilsfähigkeit darüber, wie man sich in einer Welt mit Aufzeichnungen bewegt.
Technik und Verhalten sind beide nötig
, , Verschlüsselung, Metadatenentfernung und Umgebungstrennung sind hilfreich.
Wenn die betroffene Person sich jedoch in ein Klarnamenkonto einloggt, ein Gesichtsfoto postet oder denselben Text wiederverwendet, kann Technik allein nicht schützen.
| Was Technik leisten kann | Was Verhalten entscheidet |
|---|---|
| Den Kommunikationsweg verändern | Mit welchem Konto man sich einloggt |
| Den Kommunikationsinhalt schützen | Was man postet |
| Dateiinformationen verringern | Welche Materialien man teilt |
| Browserumgebungen trennen | Ob man Lebensinformationen vermischt |
Anonymität in der Überwachungsgesellschaft ist eine Kombination aus Technik und Verhalten.
Nur eine Seite allein wird schwach.
KI senkt die Kosten der Korrelation
Durch KI und automatische Analyse sinken die Kosten der Korrelation.
Texte, Bilder, Posting-Zeiten, Themen, Gesichter und Ortsmerkmale, die früher Menschen manuell verglichen, lassen sich leichter in großer Menge verarbeiten. Gerade deshalb wird die Anhäufung kleiner Hinweise problematischer als früher.
| Informationen, die mit KI leichter verarbeitet werden | Auswirkung auf Anonymität |
|---|---|
| Text | Schreibstil, Wortschatz und Fachgebiet werden korreliert |
| Bild | Gesichter, Hintergründe, Gegenstände und Orte werden betrachtet |
| Zeit | Posting-Zyklen und Lebensrhythmus werden sichtbar |
| Netzwerk | Beziehungen zwischen Konten werden sichtbar |
| Standort | Bewegungs- und Aufenthaltsmuster werden sichtbar |
Bei Anonymität im KI-Zeitalter ist es sicherer, nicht davon auszugehen, dass Menschen es nicht bemerken würden.
Man verringert Korrelationsmaterial so, dass es auch bei maschinischer Erfassung nicht problematisch wird.
Vor der Aufzeichnung verringern
Wichtiger als nach der Veröffentlichung zu löschen ist, Informationen von Anfang an nicht herauszugeben.
Keine Fotos aufnehmen, nicht vom Ort selbst posten, nicht mit Klarnamenkonto suchen, unnötige Cloud-Freigaben vermeiden, Standortinformationen nicht unnötigen Apps geben. Solche vorherigen Entscheidungen sind stärkere Maßnahmen als späteres Löschen.
| Was vorher verringert wird | Grund |
|---|---|
| Gesichtsfotos | Einstiegspunkte für Bildersuche und Gesichtsabgleich verringern |
| Standortinformationen | Gewohnte Orte und Teilnahme vor Ort nicht sichtbar machen |
| Klarnamenlogin | Anonyme Aktivität und Klarnamennutzung nicht vermischen |
| Cloud-Freigabe | Eigentümer und Leseverlauf nicht zurücklassen |
| Echtzeitposting | Aktuellen Standort und Verhalten nicht verbinden |
Aufgezeichnete Informationen später vollständig zu löschen ist schwierig.
Deshalb wird die Entscheidung vor der Aufzeichnung wichtig.
Festlegen, was geschützt wird
Man kann nicht vor allen Gegenübern alles verbergen.
Deshalb legt man fest, vor wem man was schützt.
| Schutzziel | Beispiel |
|---|---|
| Verbindungsquelle | Die IP für Websites und Kommunikationswege schwerer sichtbar machen |
| Identität | Klarnamenkonto und anonyme Aktivität nicht verbinden |
| Gewohnte Orte | Durch Fotos und Beiträge Orte nicht zu stark offenlegen |
| Beteiligte | Familie, Mitstreitende und Quellen nicht hineinziehen |
| Frühere Informationen | Verbindung zu alten Konten und Suchergebnissen verringern |
Wenn das Schutzziel unklar ist, bleiben auch die Maßnahmen unklar.
Nicht das vollständige Verschwinden zum Ziel machen
Wenn man in einer Überwachungsgesellschaft über Anonymität nachdenkt, ist es unrealistisch, vollständige Nichtaufzeichnung zum Ziel zu machen.
Wichtig ist, das Schutzziel festzulegen, Verbindungen zwischen Informationen zu verringern und Vertrauensstellen zu wählen.
| Realistisches Ziel | Bedeutung |
|---|---|
| Klarnamen und Aktivität trennen | Konten, Geräte und Beitragsinhalte nicht vermischen |
| Gewohnte Orte nicht zu stark offenlegen | Fotos, Zeiten und Orte anpassen |
| Beteiligte schützen | Familie, Mitstreitende und Quellen nicht hineinziehen |
| Logs beachten | Informationen betrachten, die bei Diensten und Kommunikationswegen zurückbleiben |
| Auch nach der Veröffentlichung erneut prüfen | Durch Antworten und weitere Beiträge keine Informationen hinzufügen |
Anonymität bedeutet nicht, aus der Gesellschaft zu verschwinden.
Sie ist eine Praxis, die in einer Gesellschaft mit Aufzeichnungen unnötige Verbindungen verringert.
Auch Menschen im Umfeld schützen
Anonymität in der Überwachungsgesellschaft ist nicht nur das Problem der eigenen Person.
Menschen auf Fotos, Personen in Kontakten, Menschen in derselben Gruppe, Familie und Kollegen am Arbeitsplatz werden ebenfalls zu Korrelationszielen. Die eigenen Beiträge können das Verhalten oder die Position von Menschen im Umfeld sichtbar machen.
Anonymität zu schützen bedeutet nicht nur, sich selbst weniger sichtbar zu machen, sondern auch Menschen im Umfeld nicht unbedacht in Aufzeichnungen hineinzuziehen.
Zusammenfassung
Anonymität in der Überwachungsgesellschaft bedeutet nicht, Aufzeichnungen vollständig zu löschen.
Auf Websites, in sozialen Medien, in der Cloud, auf Kommunikationswegen und im realen Raum bleiben jeweils Aufzeichnungen zurück.
Wichtig ist, dass diese Aufzeichnungen nicht leicht miteinander verbunden werden können.
Nicht nur Technik, sondern auch Beitragsinhalte, Kontentrennung, Umgebungstrennung und Verhalten nach der Veröffentlichung sind nötig.
Anonymität ist eine Praxis, um sich selbst und Menschen im Umfeld in einer Gesellschaft mit Aufzeichnungen zu schützen.