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Aktivisten

Umfeldinformationen in Fotos und Videos

Fotos und Videos von Aktivitäten haben starke Kommunikationskraft.

Sie können Atmosphäre vor Ort, Anzahl der Menschen, Schilder, Forderungen, Sicherheitslage und Teilnehmende vermitteln.

Gleichzeitig zeigen Fotos und Videos aber Teilnehmende, Veranstaltungsorte, Bewegungswege, Umgebungseinrichtungen und fotografierende Personen. Auch wenn man keine Gesichter zeigen will, können aus Spiegelungen, Hintergrund, Ton, Kleidung, Gegenständen und Posting-Zeit Personen oder Gruppen vermutet werden.

Bei Aktivitätsdokumentation ist alles, was sichtbar ist, Information.

Gesicht und Kleidung

Vor Ort sind nicht nur Gesichter, sondern auch Kleidung Hinweise.

Dieselbe Kleidung, Tasche, Schuhe, Mütze, Abzeichen oder Plakat können mit anderen Fotos oder früheren Posts abgeglichen werden.

Was sichtbar istRisiko
GesichtTeilnehmende Person wird identifiziert
KleidungWird mit anderen Fotos oder Überwachungsvideos abgeglichen
Tasche und GegenständeWerden zu persönlichen Merkmalen
PlakatZugehörigkeit oder Position wird vermutet
Namensschild oder ArmbindeRolle oder Gruppenname wird sichtbar

Auch wenn ein Gesicht unkenntlich gemacht wird, kann auffällige Kleidung jemanden erkennen lassen.

Vor Ort erscheint dieselbe Person in mehreren Fotos und Videos. Selbst wenn das Gesicht verborgen ist, kann die Person als dieselbe verfolgt werden, wenn Kleidung, Schuhe, Tasche, Körpergröße, Gang, Gegenstände und die Art, ein Plakat zu halten, übereinstimmen. Auch ein Abgleich mit Fotos von anderen Tagen, Berichterstattung, Überwachungskameras oder Social-Media-Posts ist möglich.

Außerdem muss man nicht nur auf Teilnehmende selbst achten, sondern auch auf Menschen in der Umgebung. Wenn Gesichter zufällig erfasster Passanten, Unterstützender, Minderjähriger, Quellen, Mitarbeitender, Sicherheitskräfte oder Gegenseiten erscheinen, entsteht eine von ihnen nicht beabsichtigte Exponierung. Wer Aktivitätssicherheit bedenkt, prüft nicht nur "darf ich selbst zu sehen sein?", sondern auch "darf ich andere zeigen?"

Hintergrund und Ort

Im Hintergrund stehen Ortsinformationen.

Bahnhofsnamen, Geschäftsnamen, Straßenschilder, Gebäude, Schilder, Treffpunkte, Eingänge von Veranstaltungsorten, Geschäfte in der Umgebung. Diese zeigen Aktivitätsort und Bewegungsweg.

HintergrundWas erkennbar wird
Bahnhofsname oder LinieTreffpunkt oder Bewegungsweg
Geschäfte oder SchilderKonkrete Region
GebäudeaußenansichtVeranstaltungsort oder Aufnahmeposition
StraßenschildKreuzung oder Bewegungsrichtung
Eingang oder EmpfangVeranstaltungsbetrieb oder Teilnehmendenfluss

Wenn man den Ort verbergen will, prüft man vor dem Posten den gesamten Hintergrund.

Der Hintergrund kann nicht nur den Aktivitätsort zeigen, sondern auch Treffpunkt und Bewegungsweg nach der Auflösung. Fotos vor dem Veranstaltungsort, Videos auf dem Weg zum Bahnhof, das Cafe vor dem Treffen, der Besprechungsort oder die Umgebung nahe einer Unterkunft zeigen Bewegungsabläufe von Teilnehmenden.

Besonders gefährlich sind Echtzeit-Posts. Wenn der Ort veröffentlicht wird, während noch Menschen vor Ort sind, kann das zu Störung, Verfolgung, Belästigung und Identifizierung führen. Auch wenn Fotos als Aktivitätsbericht veröffentlicht werden, sind Entscheidungen nötig: Posting-Zeit verzögern, Hintergrund mit Ortsbezug beschneiden, erst veröffentlichen, nachdem Teilnehmende sich entfernt haben.

Spiegelungen und Ton

Spiegelungen werden oft übersehen.

Fenster, Autos, Metall, Smartphone-Bildschirme und Glastüren spiegeln fotografierende Personen und Menschen in der Umgebung. In Videos ist auch Ton eine starke Information.

InformationRisiko
FensterspiegelungFotografierende Person und Teilnehmende in der Umgebung erscheinen
AutospiegelungGesicht, Kleidung und Position werden sichtbar
Smartphone-BildschirmBenachrichtigungen, Kontonamen und Uhrzeit erscheinen
HintergrundtonBahnhofsnamen, Rufe, Veranstaltungsnamen sind hörbar
GesprächNamen oder Rollen kommen vor

Bei Videos übersieht man gefährliche Informationen, wenn man nicht anhält und Frame für Frame prüft.

In Videos gibt es Hinweise nicht nur im Bild, sondern auch im Ton. Echte Namen, interne Spitznamen in Gruppen, Treffpunkte, Bahnhofsnamen, Schulnamen, Arbeitsplatznamen, Gespräche mit Sicherheitskräften oder das nächste Ziel können enthalten sein. Auch leise Stimmen können hörbar werden, wenn man die Lautstärke erhöht.

Bei Smartphone-Aufnahmen können außerdem Benachrichtigungstöne, Anruftöne, Hinweise zur Bildschirmaufnahme, App-Namen, Uhrzeit und Akkuanzeige hineingeraten. Auch in kurzen Videos können bei Frame-für-Frame-Prüfung Kontonamen oder Benachrichtigungen sichtbar werden. Vor dem Veröffentlichen von Aktivitätsvideos prüft man Bild, Ton, Spiegelungen und Bildschirmränder getrennt.

Vor dem Posten bearbeiten

Bearbeitung betrifft nicht nur Gesichter, sondern das Ganze.

Wenn nötig, verbirgt man Gesichter, beschneidet Hintergründe, entfernt ortserkennbare Schrift, prüft Ton oder verzögert die Posting-Zeit.

MaßnahmeWirkung
Gesichter verbergenVerringert direkte Identifizierung von Teilnehmenden
Hintergrund beschneidenVerringert Ortshinweise
Auffällige Kleidung vermeidenSchwächt Abgleich mit anderen Fotos
Ton prüfenExponierung von Namen und Orten bemerken und bei Bedarf Löschen oder Ersetzen entscheiden
Post verzögernVerringert Exponierung des aktuellen Standorts

Man prüft nicht nur das bearbeitete Bild, sondern auch, ob das Original in Cloud oder geteilten Ordnern zurückbleibt.

Beim Bearbeiten entscheidet man, was die Bearbeitung schützen soll. Je nachdem, ob Gesichter von Teilnehmenden, der Ort, die fotografierende Person oder die Posting-Zeit geschützt werden sollen, ändern sich die nötigen Schritte. Nur Gesichter zu verwischen ist unzureichend, wenn der Hintergrund den Ort zeigt. Den Hintergrund zu beschneiden ist unzureichend, wenn im Ton ein Bahnhof genannt wird.

Nach der Bearbeitung prüft man aus der Perspektive einer anderen Person. Man überlegt, ob jemand mit Ortskenntnis, Aktivitätskenntnis oder Kenntnis der Teilnehmenden Informationen erkennen kann. Je selbstverständlicher eine Umgebung für einen selbst ist, desto leichter übersieht man sie als Hinweis.

Zustimmung der Teilnehmenden und Veröffentlichungsbereich

Fotos und Videos von Aktivitäten haben Kommunikationskraft, betreffen aber zugleich direkt die Sicherheit der Teilnehmenden. Deshalb bedenkt man vor der Veröffentlichung Zustimmung der Teilnehmenden und Veröffentlichungsbereich.

Darf ein Gruppenfoto veröffentlicht werden? Reicht es, Gesichter zu verbergen? Müssen auch Kleidung und Gegenstände verborgen werden? Darf es an Medien oder Unterstützungsorganisationen weitergegeben werden? Sollte es statt über Social Media nur begrenzt geteilt werden?

Zustimmung bedeutet nicht: "Die Person war dort, also darf veröffentlicht werden." Je nach teilnehmender Person unterscheiden sich Umstände rund um Arbeitsplatz, Schule, Familie, Aufenthaltsstatus, politische Position und frühere Schäden. Was für eine Person kleine Exponierung ist, kann für eine andere ein ernstes Risiko sein.

VeröffentlichungsbereichGeeignete SituationHinweis
Öffentliche soziale NetzwerkeWenn die Aktivität breit bekannt gemacht werden sollExponierung von Teilnehmenden, Ort und Zeit ist groß
Begrenzte FreigabeWenn Dokumentation nur unter Beteiligten geteilt wirdAuf Weiterverbreitung durch Empfänger achten
Weitergabe an Medien oder UnterstützungsorganisationenWenn als Beweis oder Dokumentation nötigOriginaldaten und bearbeitete Version getrennt behandeln
Nichtöffentliche AufbewahrungWenn Sicherheitsprüfung oder Beweissicherung Zweck istSpeicherort und Zugriffsrechte verwalten

Auch Reaktionen auf Probleme nach der Veröffentlichung legt man vorher fest. Wenn nicht entschieden ist, wer Löschung beurteilt, wer das Originalbild hält, wie Empfänger kontaktiert werden und ob Reposts gestoppt werden, verzögert sich die Reaktion. Aktivitätsfotos sind Kommunikationsmaterial und zugleich Sicherheitsinformation über Teilnehmende.

Auch der Umgang mit Originaldaten ist wichtig. Selbst wenn eine bearbeitete Version veröffentlicht wurde, können Originalbilder mit Gesichtern oder Standortinformationen aus geteilten Ordnern oder der Cloud lecken. Man entscheidet, wer auf Originaldaten zugreifen darf, wann sie gelöscht werden und wo sie bleiben, wenn sie als Beweissicherung aufbewahrt werden.

Zusammenfassung

Fotos und Videos von Aktivitäten enthalten Gesichter, Kleidung, Gegenstände, Hintergrund, Spiegelungen, Ton und Posting-Zeit.

Auch wenn Gesichter verborgen sind, können Kleidung oder Hintergrund Teilnehmende oder Orte sichtbar machen.

Bei Videos prüft man auch Hintergrundton, Gespräche, Spiegelungen und Benachrichtigungen.

Vor Aktivitätsberichten prüft man Zustimmung der Teilnehmenden, Ortsexponierung und Posting-Zeitpunkt.

Fotos und Videos haben eine starke Kraft, den Ort zu vermitteln, und genau diese Kraft kann Mitstreiter gefährden.

Verwandte Werkzeuge

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