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Aktivisten

Digitaler Check vor Protesten und zivilgesellschaftlichem Engagement

Vor der Teilnahme an Protesten oder zivilgesellschaftlichem Engagement braucht es auch digitale Vorbereitung.

Smartphone, soziale Netzwerke, Fotos, Standortdaten, Kontaktwege, Bildschirmbenachrichtigungen, geteilte Dateien. Was man zum Ort mitnimmt, wird zugleich Teil der Aufzeichnungen rund um diesen Ort.

Dieser Check soll vor der Teilnahme an zivilgesellschaftlicher Aktivität oder gesellschaftlicher Äußerung die Sichtbarkeit der eigenen Person und des Umfelds verringern. In Situationen mit rechtlichem Risiko sollte man nicht allein nach einem Artikel entscheiden, sondern auch Beratung durch vertrauenswürdige Unterstützungsstellen oder Fachleute erwägen.

Schon wenige Minuten Prüfung vor der Aktivität können spätere Risiken verringern.

Smartphone prüfen

Das Smartphone ist das zentrale Werkzeug für Kontakt, Aufnahmen, Karten und Beiträge.

Gleichzeitig ist es ein Gerät voller Benachrichtigungen, Fotos, Kontakte, Standortinformationen und Anmeldestatus.

PrüfpunktGrund
BildschirmsperreAuf Verlust und Mitlesen vorbereitet sein
BenachrichtigungsanzeigeNamen und DMs nicht auf dem Sperrbildschirm zeigen
FotosynchronisierungVor-Ort-Fotos nicht in die persönliche Cloud laden lassen
StandortdatenUnnötigen Apps keinen Standort geben
AnmeldestatusPersönliche Konten und Aktivität nicht vermischen

Man prüft das vor der Abreise, statt am Ort hektisch Einstellungen zu ändern.

Mitgenommene Informationen reduzieren

Das Gerät, das man an den Ort mitnimmt, enthält viele personenbezogene Informationen.

Fotos, Kontakte, Klarnamen-Social-Media, berufliche E-Mails, Familienchats, Cloud-Apps, Zahlungs-Apps. Durch Verlust, Kontrolle, Mitlesen oder Screenshots können Informationen sichtbar werden.

Was reduzierenGrund
Unnötige FotosGesicht, Familie und gewohnte Orte schützen
BenachrichtigungenNamen und DMs nicht auf dem Sperrbildschirm zeigen
Klarnamen-LoginsNicht mit Aktivitätskonten vermischen
KontaktsynchronisierungTeilnehmende und Bekannte nicht hineinziehen
Unnötige Cloud-AppsAutomatische Synchronisierung von Vor-Ort-Fotos vermeiden

Nur Notwendiges mitzunehmen ist eine der grundlegendsten digitalen Schutzmaßnahmen.

Standortdaten und automatische Synchronisierung prüfen

Bei Protesten und zivilgesellschaftlicher Aktivität werden Standortdaten und automatische Synchronisierung zu großen Risiken.

Ein Foto wird beim Aufnehmen sofort in die Cloud geladen, eine Karten-App speichert den Bewegungsverlauf, eine Social-Media-App erfasst Standortdaten, ein Messenger teilt weiter den aktuellen Standort. Solche Einstellungen hinterlassen die Tatsache, dass man vor Ort war.

PrüfpunktGrund
Standortdaten in FotosAufnahmeort bleibt erhalten
Cloud-FotosynchronisierungVor-Ort-Fotos werden im persönlichen Konto gespeichert
KartenverlaufBewegungswege und Aufenthaltsorte bleiben
StandortfreigabeMitstreitende oder Familie sehen den aktuellen Ort
Standortberechtigung sozialer NetzwerkeOrt kann mit Beitrag oder Log zusammenhängen

Die Einstellungen werden vor der Abreise geprüft.

Wer sie erst vor Ort ändert, übersieht unter Stress leichter etwas.

Linie für Social-Media-Beiträge festlegen

Vor Ort möchte man leicht sofort posten.

Echtzeitbeiträge zeigen jedoch aktuellen Standort, Teilnehmende und Bewegungswege.

PrüfpunktGrund
Ob in Echtzeit gepostet wirdSichtbarkeit des aktuellen Orts beurteilen
Ob Gesichter gezeigt werdenEinwilligung der Teilnehmenden prüfen
Ob Ortsnamen genannt werdenVeranstaltungsort und Bewegungswege schützen
Nicht vom persönlichen Konto postenKlarnamenleben und Aktivität nicht vermischen
Wer Antworten übernimmtPersönliche Reaktionen bei Eskalation vermeiden

Auch die Entscheidung, nicht zu posten, ist Teil der Sicherheit einer Aktivität.

Regeln für Fotos und Videos

Vor dem Fotografieren wird festgelegt, was aufgenommen werden darf.

Man achtet darauf, dass Gesichter von Teilnehmenden, Treffpunkte, Eingänge, umliegende Einrichtungen, Fahrzeuge, Passantinnen und Passanten sowie Kinder nicht sichtbar werden.

PrüfpunktGrund
GesichterIdentität von Teilnehmenden wird sichtbar
Kleidung und GegenständeAbgleich mit anderen Aufnahmen wird möglich
Schilder im HintergrundOrt wird identifizierbar
ReflexionenAufnehmende Person oder Umfeld spiegelt sich
TonNamen, Bahnhöfe oder Veranstaltungsorte gelangen hinein

Videos enthalten besonders viele Informationen und werden vor Veröffentlichung immer noch einmal angesehen.

Kontaktwege und Freigabelinks

Vor Ort gibt es viel Kommunikation.

Wenn Gruppenchats, Einladungslinks, geteilte Dateien oder Standortfreigaben genutzt werden, wird der Umfang vorher festgelegt.

PrüfpunktGrund
Teilnehmende der GruppeNur notwendige Personen sollen drin sein
EinladungslinksFolgen, wenn sie nach außen gelangen
StandortfreigabeAktueller Ort und Bewegungswege werden sichtbar
Geteilte DateienEigentümername und Bearbeitungsverlauf bleiben
NotfallkontaktVertrauenswürdigen Weg vorher festlegen

Wenn vor Ort ständig neue Gruppen und Links entstehen, lassen sie sich später nicht mehr verwalten.

Aufnahmerolle vor Ort festlegen

Wenn alle frei fotografieren, geraten Teilnehmende und Menschen im Umfeld leichter ins Bild.

Man legt eine Person oder Rolle für Aufnahmen fest und schafft einen Ablauf zur Prüfung vor Veröffentlichung. Auch wenn andere als die Aufnahmerolle Bilder veröffentlichen, werden Gesichter, Hintergrund, Standortdaten und Ton geprüft.

FestzulegenGrund
AufnahmerolleAufnahmekriterien vereinheitlichen
VeröffentlichungsrolleEmotionale Sofortbeiträge vermeiden
PrüfrolleGesichter, Hintergrund, Reflexionen und Ton ansehen
Bereiche ohne AufnahmenKinder, Unterstützende und Eingänge schützen
VeröffentlichungszeitpunktZeitkorrelation mit dem Ort verringern

Fotos sind Aufzeichnungen der Aktivität.

Gleichzeitig machen sie Teilnehmende sichtbar.

Kleidung und Gegenstände werden ebenfalls zu Hinweisen

Auch wenn das Gesicht verdeckt ist, können Kleidung und Gegenstände identifizieren.

Auffällige Kleidung, Taschen, Schuhe, Smartphone-Hüllen, Plakate, Abzeichen und Frisuren können mit anderen Fotos oder Alltagsbeiträgen abgeglichen werden.

HinweisRisiko
Auffällige KleidungWird mit anderen Fotos abgeglichen
Tasche und SchuheVerbindet sich mit Alltagsbeiträgen
Smartphone-HülleStimmt mit Fotos eines persönlichen Kontos überein
PlakatZugehörigkeit oder Rolle wird sichtbar
Frisur und KörperbauAuch ohne Gesicht werden Kandidaten eingegrenzt

Bei der Veröffentlichung von Fotos prüft man nicht nur Gesichter, sondern den ganzen Körper und die Umgebung.

Prüfung nach der Rückkehr

Auch nach der Aktivität ist ein Check nötig.

Fotos, Videos, Beiträge, Freigabelinks, DMs und Gruppenchats werden erneut geprüft.

PrüfpunktGrund
Fotos und VideosPrüfen, ob Gesichter oder Orte sichtbar sind
BeiträgePrüfen, ob Teilnehmende oder Bewegungswege sichtbar werden
FreigabelinksUnnötige Links deaktivieren
DMs und AntwortenPrüfen, ob zusätzliche Informationen ausgegeben wurden
BeweissicherungBei Belästigung oder Drohung Aufzeichnungen sichern

Die Aktivität ist nicht beendet, nur weil man nach Hause zurückgekehrt ist.

Sicherheit wird einschließlich des Umgangs nach der Veröffentlichung gedacht.

Vorgehen bei Problemen festlegen

Bei Protesten und zivilgesellschaftlicher Aktivität können Belästigung, Filmen, Bloßstellung, Falschinformationen und Drohungen auftreten.

Wer in der Situation emotional antwortet, gibt leicht weitere Informationen preis. Vorher wird festgelegt, wer dokumentiert, wer Beratung sucht und wer öffentlich kommuniziert.

ProblemGedanke zur Reaktion
BelästigungScreenshots, URL und Uhrzeit sichern
BloßstellungVerbreitungsumfang prüfen und Löschanfrage oder Beratung erwägen
DrohungSicherheit vor Online-Gegenrede stellen
FalschinformationAntwortrolle festlegen und nicht mehr Informationen als nötig ausgeben
Schaden für TeilnehmendeWillen und Sicherheit der betroffenen Person priorisieren

Bei Gefahr zieht man auch Anwältinnen und Anwälte, Unterstützungsorganisationen oder andere vertrauenswürdige Beratungsstellen in Betracht.

Nicht sofort nach der Rückkehr aufräumen

Direkt nach der Rückkehr ist man müde und urteilt gröber.

Viele Fotos gesammelt veröffentlichen, lange Eindrücke schreiben, auf Gegenrede antworten, Gruppenchats aufräumen. Solche Handlungen können zusätzliche Informationen ausgeben.

Nach der Rückkehr prüft man zuerst die eigene Sicherheit, ob Geräte fehlen und welche Beiträge bereits veröffentlicht wurden.

Fotosortierung und Aktivitätsberichte laufen erst später, in Ruhe, durch den Check vor Veröffentlichung.

Zusammenfassung

Vor Protesten und zivilgesellschaftlicher Aktivität prüft man Smartphone, soziale Netzwerke, Fotos, Videos, Kontaktwege und Freigabelinks.

Besonders Echtzeitbeiträge, Gesichtsfotos, Standortdaten, Benachrichtigungen und Gruppenchats brauchen Aufmerksamkeit.

Aufnahmen und Beiträge vor Ort ziehen nicht nur die eigene Person, sondern auch Mitstreitende und Teilnehmende hinein.

Checks vor der Abreise, vor dem Posten und nach der Rückkehr können unnötige Sichtbarkeit reduzieren.

Verwandte Werkzeuge

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