Smartphone-Mobilfunk und Anonymität: Wichtige Punkte
Die Mobilfunkverbindung eines Smartphones geht über einen anderen Weg ins Internet als Wi-Fi.
Bei heimischem Wi-Fi läuft das Gerät über Router und Festnetzanschluss. Bei Mobilfunk verbindet sich das Smartphone dagegen mit einem Mobilfunkmast und geht über das Netz des Mobilfunkanbieters nach außen.
Wenn man diesen Unterschied nicht versteht, entsteht leicht das Missverständnis: "Ich nutze kein Wi-Fi, also bin ich sicher" oder "Es ist nicht mein Heimanschluss, also bin ich anonym."
Auch bei Smartphone-Mobilfunk können Quell-IP, Kommunikationszeitpunkt, Login-Zustand von Apps, Geräteeinstellungen, Standortinformationen, Fotos sowie Zahlungs- und Bewegungsaufzeichnungen korrelieren.
Dieser Artikel ordnet ein, worauf man für Anonymität achten sollte, wenn man Smartphone-Mobilfunk nutzt.
Der Einstiegspunkt von Mobilfunk ist der Mobilfunkanbieter
Bei Mobilfunk verbindet sich das Smartphone mit einem nahen Mobilfunkmast.
Danach verbindet es sich über das Netz des Mobilfunkanbieters mit Diensten im Internet.
Kommunikationsmethode
Erster Verbindungspartner
Weg nach außen
Heimisches Wi-Fi
Wi-Fi-Access-Point
Router, Festnetzanschluss, ISP
Wi-Fi am Arbeitsplatz oder in der Schule
Access-Point der Organisation
Organisationsnetz, ISP
Mobilfunk
Mobilfunkmast
Netz des Mobilfunkanbieters
Smartphone-Mobilfunk ist ein anderer Weg als der heimische Festnetzanschluss.
Dass es ein anderer Weg ist, bedeutet aber nicht, dass man anonym wird.
Die für Websites sichtbare IP kann sich ändern
Wenn man Mobilfunk nutzt, kann die Quell-IP, die eine Website sieht, anders sein als bei heimischem Wi-Fi.
Das liegt daran, dass sich das Quellnetz ändert.
Bei Mobilfunk werden jedoch oft Verfahren verwendet, bei denen viele Nutzer dieselbe äußere IP teilen. Eine IP allein zeigt nicht unbedingt direkt auf eine einzelne Person.
Keine Informationen, die allgemeine Nutzer frei einsehen können
App-Betreiber
Konto, Geräteinformationen, Bedienverlauf
Login kann stärker sein als IP
Beim Wechsel auf Mobilfunk ändert sich die IP-Sichtbarkeit.
Wenn Cookie oder Login-Zustand gleich bleiben, kann der Dienst den Nutzer trotzdem als denselben behandeln.
App-Logins werden zu starker Korrelation
Auf Smartphones nutzt man häufiger Apps als Browser.
Wenn man in SNS-Apps, Mail, Cloud, Karten, Zahlungs- oder Messenger-Apps eingeloggt ist, wird Verhalten mit Konten verbunden.
App
Was verbunden wird
Hinweis für Anonymität
SNS
Konto, Beiträge, Betrachtung
Anonyme Aktivität nicht mit Klarnamen-Apps mischen
Mail
Klarname, Benachrichtigungen, Kontakte
Auf Screenshots achten
Cloud
Dateieigentuemer, Fotosynchronisierung
Keine anonymen Dateien dort ablegen
Karten
Suchverlauf, Bewegung
Auf Korrelation mit Standortinformationen achten
Zahlung
Personeninformationen, Nutzungsort
Verbindet sich mit realem Verhalten
Auch mit Mobilfunk wird Anonymität schwächer, wenn man anonyme Aktivität ausführt, während man in Klarnamen-Apps eingeloggt bleibt.
Auf Smartphones vermischen sich auch Benachrichtigungen und Freigabemenüs leicht. Prüfe deshalb, ob Klarnameninformationen auf dem Bildschirm erscheinen.
Auf Standortinformationen und Fotos achten
Das Smartphone ist ein Gerät, das stark mit Standortinformationen verbunden ist.
Fotos, Karten, SNS, Wetter, Verkehr, Zahlung und Standortdienste werden im Alltag genutzt.
Information
Was sichtbar wird
Was zu prüfen ist
Standortinformationen in Fotos
Aufnahmeort
und App-Einstellungen prüfen
Fotohintergrund
Geschäfte, Bahnhöfe, Straßen, Landschaft
Auch die sichtbaren Inhalte prüfen
Karten-App
Gesuchte Orte, Bewegung
Nicht mit Klarnamenkonto mischen
Posting-Zeitpunkt
Aufenthalt vor Ort
Nicht direkt nach dem Ereignis posten
Zahlung und Verkehr
Tatsächliche Bewegung
Zeitüberschneidung mit Online-Beitrag
Auch wenn Standortinformationen deaktiviert sind, können Ort aus Hintergrund oder Posting-Zeitpunkt vermutet werden.
Vor dem Posten von Fotos prüft man sowohl Metadaten als auch sichtbaren Inhalt.
Auch Tethering und gemeinsam genutzte Geräte beachten
Smartphone-Mobilfunk kann per Tethering mit PC oder Tablet geteilt werden.
In diesem Fall sieht die Kommunikation von außen zwar so aus, als liefe sie über den Smartphone-Anschluss. Tatsächlich werden aber Browser, Cookies, Dateien und Konten des PCs genutzt.
Nutzung
Was sichtbar wird
Hinweis
Nur Smartphone
Apps und Geräteeinstellungen
Vermischt sich leicht mit Klarnamen-Apps
PC per Tethering
Cookies und Browser des PCs
Nur die Verbindung zu ändern lässt die Umgebung gleich
Geteiltes Gerät
Verlauf oder Logins anderer Personen
Besser nicht verwenden
Auch wenn die Verbindung gewechselt wird, bleibt Korrelation bestehen, wenn Gerät oder Browser gleich bleiben.
Bei Anonymität betrachtet man Netzwerk, Gerät und Konto getrennt.
Mobilfunk ist keine Anonymisierungstechnik
Wenn man Mobilfunk nutzt, kann die Sichtbarkeit anders sein als bei der heimischen IP.
Mobilfunk ist aber keine Anonymisierungstechnik.
Missverständnis
Tatsächlich
Weil es nicht heimisches Wi-Fi ist, bin ich anonym
Für das Ziel sieht es wie Zugriff aus dem Mobilfunknetz aus
Weil die IP geteilt wird, bin ich sicher
Cookie und Login-Zustand identifizieren weiter
Ein Smartphone ist bequem und sicher
Apps, Benachrichtigungen und Standortinformationen vermischen sich leicht
Standortinformationen auszuschalten reicht
Hintergrund, Zeitpunkt und Verhaltensaufzeichnungen bleiben
Mobilfunk ist ein Faktor, der die Sichtbarkeit der Quelle verändert.
Um Anonymität herzustellen, müssen auch Apps, Konten, Fotos, Standortinformationen und Posting-Zeitpunkte verwaltet werden.
Vertragsinformationen und Geräteinformationen sind ein anderes Problem
Zu Smartphone-Mobilfunk gehören Informationen zu Vertrag und Gerät.
Websites können diese Informationen nicht unbedingt direkt sehen. Auf Seiten des Mobilfunkanbieters werden jedoch Informationen behandelt, die für den Netzbetrieb nötig sind, etwa Vertragsanschluss, Verbindungszeitpunkt, Datenmenge und Verbindung mit Mobilfunkmasten. Welche Inhalte wie lange gespeichert werden, hängt von Anbieter, Vertrag, Region und Regelungen ab.
Information
Hauptsächlich betroffener Akteur
Hinweis
Vertragsinformationen
Mobilfunkanbieter
Für allgemeine Websites nicht direkt sichtbar
Verbindungszeitpunkt
Mobilfunkanbieter, Dienstseite
Kann nach Zeit mit anderen Aufzeichnungen abgeglichen werden
Geräteeinstellungen
App, OS, Browser
Benachrichtigungen und Berechtigungen beachten
App-Berechtigungen
App-Betreiber
Standort- und Fotozugriff prüfen
Bei Anonymität unterscheidet man Informationen, die Websites sehen, von Informationen, die Anbieter oder Apps verarbeiten.
Nicht alles ist für denselben Akteur sichtbar, aber mehrere Aufzeichnungen können über Zeitpunkte verbunden werden.
Posten vom Ort des Geschehens erzeugt starke Korrelation
Das Smartphone ist ein bequemes Gerät, mit dem man direkt vor Ort posten kann.
In Situationen, in denen Anonymität nötig ist, wird diese Bequemlichkeit aber zum Risiko. Wenn man in der Nähe von Veranstaltungen, Arbeitsplatz, Schule, Rechercheort, Protestaktion oder Beratungsstelle sofort postet, verbinden sich Zeit und Ort stark.
Handlung
Sichtbare Korrelation
Denkweise für Gegenmaßnahmen
Foto vor Ort posten
Ort, Zeitpunkt, Teilnehmende
Zeit verstreichen lassen und Hintergrund prüfen
Unterwegs posten
Route, gewohnte Orte
Keine Linien- oder Bahnhofsnamen nennen
Direkt nach einer Veranstaltung reagieren
Kreis möglicher Teilnehmender
Posting-Zeitpunkt verschieben
In der Nähe von Arbeitsplatz oder Schule posten
Zugehörigkeit oder gewohnte Orte
Auch entscheiden, nicht von dort zu posten
Bei riskanten Aktivitäten vor Ort kann es wichtig sein, nicht vom Smartphone aus direkt vor Ort zu veröffentlichen.
Wenn der Zweck darin besteht, Beratung zu suchen oder Beweise zu sichern, sollte man statt öffentlicher SNS geeignete Beratungsstellen oder Sicherungsmethoden bedenken.
Beim Smartphone auf Benachrichtigungen und Freigabemenüs achten
Auf Smartphones vermischen sich Benachrichtigungen, Freigabemenüs, zuletzt genutzte Apps, Fotoansichten und Zwischenablage leicht.
Beim Auswählen eines Bildes für einen anonymen Beitrag können Fotos oder Benachrichtigungen eines Klarnamenkontos auf dem Bildschirm erscheinen.
Vor dem Posten schaltet man Benachrichtigungen aus, prüft Screenshots bis an den Rand und achtet darauf, dass das Freigabeziel keine Klarnamen-App ist.
Das Smartphone ist bequem, aber gerade diese Bequemlichkeit führt leicht dazu, Prüfungen zu überspringen.
Zusammenfassung
Bei Smartphone-Mobilfunk verbindet sich das Smartphone mit einem Mobilfunkmast und geht über das Netz des Mobilfunkanbieters ins Internet.
Der Weg unterscheidet sich vom heimischen Wi-Fi, aber dadurch wird man nicht automatisch anonym.
Für Zielseiten sind Quell-IP, Zeitpunkt, Cookie und Login-Zustand sichtbar. Bei App-Betreibern bleiben Konto und Bedienverlauf. Auch Fotos, Standortinformationen, Zahlungen und Bewegungsaufzeichnungen korrelieren.
Wenn man Smartphone-Mobilfunk nutzt, prüft man nicht nur die Verbindung, sondern gemeinsam Gerät, Apps, Login-Zustand, Standortinformationen, Posting-Zeitpunkt und Fotos.
Bei Anonymität ist wichtiger als die Frage "Welche Verbindung nutze ich?", was wo bleibt und womit es verbunden wird.
Verwandte Werkzeuge
Public IP Check
WhatIsMyIP
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