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Hinweisgeber

Veröffentlichungszeiten, die man beim Whistleblowing vermeiden sollte

Beim Whistleblowing ist nicht nur wichtig, was man sendet, sondern auch, wann man es sendet.

Auch bei denselben Materialien kann die Sendezeit den Kreis möglicher Hinweisgeber eingrenzen. Direkt nach einer Besprechung, direkt nach dem Öffnen eines Dokuments, während der Arbeitszeit, direkt nach Dienstschluss, direkt nachdem nur eine bestimmte Abteilung Materialien gesehen hat. Solche Zeitpunkte werden mit internen Organisationsprotokollen und Verhaltensaufzeichnungen verbunden.

Bei Anonymität betrachtet man Inhalt und Zeit nicht getrennt.

Inhalt, Gerät, Kommunikationsweg, Zugriffshistorie und Veröffentlichungszeit werden zusammen betrachtet.

Dieser Artikel ordnet Veröffentlichungszeiten, die man beim Whistleblowing vermeiden sollte, und Denkweisen, um Zeitkorrelation zu verringern.

Direkt nach dem Öffnen eines Dokuments ist gefährlich

Wenn man direkt nach dem Öffnen eines internen Dokuments etwas nach außen sendet, werden Dokumentzugriffsprotokoll und Sendezeit verbunden.

Je nach Organisation wird aufgezeichnet, wer wann ein Dokument geöffnet, heruntergeladen oder gedruckt hat. Wenn direkt danach Informationen nach außen gelangen, wird der Kreis möglicher Hinweisgeber enger.

HandlungKorrelierte Informationen
Senden direkt nach dem Öffnen eines DokumentsZugriffsprotokoll und Sendezeit
Veröffentlichen direkt nach dem DruckenDruckprotokoll und Veröffentlichungszeit
Weiterleiten direkt nach dem HerunterladenDownloadverlauf und externe Übertragung
Veröffentlichen direkt nach Verteilung von BesprechungsmaterialienVerteilerkreis und Veröffentlichungszeit
Teilen direkt nach einem ScreenshotGerätebedienung und Sendezeit

Es ist keine einfache Frage von "ein wenig Zeit verstreichen lassen, dann ist es sicher".

Wichtig ist, so zu denken, dass interne Aufzeichnungen der Organisation und externe Handlungen nicht direkt miteinander verbunden werden.

Zeitverschiebung allein reicht nicht

Es ist gefährlich zu denken, die Veröffentlichung werde sicher, wenn man die Veröffentlichungszeit verschiebt.

Natürlich ist es wichtig, Zeitpunkte direkt nach einer Besprechung oder direkt nach dem Öffnen eines Dokuments zu vermeiden. Auch wenn man die Zeit verschiebt, wird der Kreis möglicher Hinweisgeber jedoch enger, wenn Verteilerkreis, Zugriffshistorie, Textinhalt, Gerät und Kommunikationsweg zurückbleiben.

Hinweise außer der ZeitVerbleibendes Risiko
Verteilerkreis der MaterialienDie Personen, die das Material haben können, sind begrenzt
ZugriffshistorieEs kann erkennbar sein, wer es geöffnet hat
DokumentinhaltInformationen bleiben zurück, die nur wenige kennen
GeräteprotokolleDateioperationen oder Sendevorbereitung bleiben zurück
KommunikationswegKorrelation mit Arbeitsplatz oder Zuhause bleibt zurück

Zeitliche Anpassung ist ein Teil der Gegenmaßnahmen.

Sie stellt Anonymität nicht allein her.

Senden während der Arbeitszeit oder vom Arbeitsplatz vermeiden

Senden während der Arbeitszeit lässt sich leicht mit Protokollen auf Organisationsseite verbinden.

Wenn man das Arbeitsplatznetzwerk, einen Firmen-PC, ein Dienst-Smartphone oder ein Firmen- nutzt, können Kommunikationsziele oder Bedienverläufe zurückbleiben. Wenn vom Arbeitsplatz aus auf einen externen anonymen Veröffentlichungsdienst oder eine Meldestelle einer Redaktion zugegriffen wird, kann schon das selbst auffallen.

ZeitpunktRisiko
Während der ArbeitszeitWird mit Dienstplänen oder Geräteprotokollen verbunden
Nur in PausenLebensmuster und Bewegungsbereich werden sichtbar
Direkt nach DienstschlussWird mit Ein- und Ausgangsaufzeichnungen oder Bewegungsverlauf verbunden
Vom Arbeitsplatz-Wi-Fi ausKommunikationsziel und Zeitpunkt können bei der Verwaltung zurückbleiben
Während der Nutzung des Firmen-VPNAuch externe Kommunikation läuft über die Organisation

Beim Whistleblowing gilt grundsätzlich, die Arbeitsumgebung nicht zu nutzen.

Selbst wenn man die Umgebung ändert, wird jedoch korreliert, wenn die Veröffentlichungszeit stark mit internen Ereignissen der Organisation überlappt.

Direkt nach Besprechungen oder Ankündigungen ist der Kreis klein

Wenn Informationen direkt nach einer bestimmten Besprechung, Ankündigung oder internen Mitteilung nach außen gelangen, werden Teilnehmende oder Lesende zu möglichen Hinweisgebern.

Je weniger Menschen die Materialien kennen, desto stärker wird der Zeitpunkt als Hinweis.

Internes Ereignis der OrganisationWarum der Kreis enger wird
Besprechung mit wenigen PersonenDer Kreis der Teilnehmenden ist begrenzt
Abteilungsinterne AnkündigungDie lesende Abteilung ist begrenzt
Begrenzter E-Mail-VerteilerDie Empfängerliste wird zum Kandidatenkreis
EinzelgesprächEs gibt nur wenige Beteiligte
Direkt nach Audit oder UntersuchungBeteiligte geraten in den Fokus

Auch wenn der Inhalt anonymisiert wird, kann der Kreis möglicher Hinweisgeber durch den Zeitpunkt sichtbar werden.

"Personen, die diese Information zu diesem Zeitpunkt kannten" sind ein sehr starker Hinweis.

Auch der Lebensrhythmus wird betrachtet

Die Veröffentlichungszeit beim Whistleblowing wird nicht nur mit internen Organisationsprotokollen verbunden, sondern auch mit dem Lebensrhythmus.

Immer zur gleichen späten Nacht aktiv sein, nur in Pausen prüfen, nur am Wochenende senden, zu bestimmten Pendelzeiten zugreifen. Solche Muster werden zu Hinweisen auf Arbeitsform und gewohnte Orte.

ZeitmusterWas vermutet wird
Jedes Mal spät nachtsLebensrhythmus oder häusliches Umfeld
Nur in der MittagspauseArbeitszeit oder Arbeitsumgebung
Nur am WochenendeEinschränkungen an Wochentagen oder Berufsart
Zu PendelzeitenBewegungsroute oder gewohnte Orte
Bestimmter WochentagSchicht oder Arbeitszyklus

Nicht nur einmalig, sondern bei mehreren Kontakten werden Zeitmuster stärker.

Wenn fortlaufender Kontakt nötig ist, befolgen Sie das sichere Verfahren der Empfängerseite.

Auch die Zeiten des Verhaltens nach dem Senden betrachten

Beim Whistleblowing wird auch Verhalten nach dem Senden korreliert.

Direkt nach dem Senden Dokumente löschen, zugehörige Ordner aufräumen, sich am Arbeitsplatz unnatürlich verhalten, in sozialen Netzwerken andeuten, mit dem Umfeld sprechen. Wenn diese Handlungen mit der Sendezeit verbunden werden, werden sie zum Risiko.

Verhalten nach dem SendenVorsichtspunkt
Sofort Dokumente löschenEs wird vermutet, was verborgen werden sollte
Zugehörige Materialien erneut suchenSuchverläufe und Zugriffsprotokolle nehmen zu
Meldestelle mehrfach prüfenKommunikationszeiten und Verhaltensmuster bleiben zurück
In sozialen Netzwerken reagierenAnonymer Hinweis und persönliches Verhalten werden verbunden
Mit dem Umfeld sprechenDer Informationsweg weitet sich aus

Legen Sie vor dem Senden fest, wie Sie nach dem Senden prüfen und Kontakt halten.

Bei hohem Risiko Beratung priorisieren

Wenn die Entscheidung über die Veröffentlichungszeit schwierig ist, sollte man nicht allein versuchen, die Zeit anzupassen.

Wenn rechtlicher Schutz, Beweiswert, Risiko von Vergeltung und persönliche Sicherheit betroffen sind, ist wichtiger als die Frage, ob man um einige Stunden verschiebt, an welche Stelle, in welchem Format und in welcher Reihenfolge man sich wendet.

Erwägen Sie je nach Situation eine Anwältin oder einen Anwalt, eine arbeitsrechtliche Beratungsstelle, eine vertrauenswürdige Redaktion, eine Unterstützungsorganisation oder andere passende Beratungsstellen.

Anonymität wird nicht durch kleine Tricks beim Veröffentlichungszeitpunkt geschützt, sondern durch das gesamte Verfahren.

Den zeitlichen Ablauf in sicherer Form ordnen

Vor dem Senden fällt es leichter, übersehene Punkte zu finden, wenn man den zeitlichen Ablauf der eigenen Handlungen in einer selbst kontrollierbaren Form ordnet, ohne Arbeitsgerät oder Cloud zu nutzen. Auch wenn Sie ihn auf Papier schreiben, denken Sie bis zur Aufbewahrung und Entsorgung.

Wann Sie das Dokument gesehen haben, wann Sie es kopiert haben, wann Sie eine Beratungsstelle gesucht haben, wann Sie senden wollen. Wenn man nur im Kopf darüber nachdenkt, übersieht man leicht Stellen, die sich mit internen Organisationsprotokollen überschneiden.

Punkt im zeitlichen AblaufWas zu prüfen ist
Zeitpunkt, zu dem das Material bekannt wurdeOb der Kreis der Wissenden nicht zu klein ist
Zeitpunkt, zu dem das Material geöffnet wurdeOb er mit Zugriffsprotokollen verbunden wird
Zeitpunkt von Kopie oder AufnahmeOb er mit Gerätebedienung oder Ort verbunden wird
Zeitpunkt der Suche nach einer BeratungsstelleOb nicht aus der Arbeitsumgebung gesucht wurde
Geplanter SendezeitpunktOb er nicht mit Besprechung, Arbeit, Bewegung oder Lebensrhythmus überlappt

Ziel des Aufschreibens des zeitlichen Ablaufs ist nicht, eine perfekte Antwort zu finden.

Es geht darum, Punkte zu finden, an denen die Korrelation stark ist.

Wenn eine starke Überschneidung gefunden wird, prüfen Sie das Verfahren vor dem Senden unbedingt erneut.

Zusammenfassung

Beim Whistleblowing wird die Veröffentlichungszeit zu einem Hinweis für die Identitätsvermutung.

Senden direkt nach Dokumentansicht, direkt nach dem Drucken, direkt nach einer Besprechung, während der Arbeitszeit oder direkt nach Dienstschluss lässt sich leicht mit internen Organisationsprotokollen und Verhaltensaufzeichnungen verbinden.

Bei Anonymität betrachtet man Inhalt, Gerät, Kommunikationsweg, Zugriffshistorie und Veröffentlichungszeit als Einheit.

Bei hochriskantem Whistleblowing ist es auch wichtig, nicht allein zu entscheiden, wann gesendet wird, sondern dem Verfahren eines vertrauenswürdigen Kanals oder von Fachleuten zu folgen.

Verwandte Werkzeuge

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