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Text und Inhalt

Wie Text und Sprache Anonymität brechen

Anonymität lässt sich nicht allein durch die Kommunikationsumgebung schützen.

Keinen Klarnamen in den Text schreiben. Kein Gesichtsfoto zeigen. oder verwenden.

Trotzdem kann in Text und Sprache etwas Persönliches zurückbleiben.

Region, Arbeitsplatz, Schule, Fachgebiet, Erfahrungsberichte, Schreibstil, Sprachgewohnheiten, Veröffentlichungszeit. Wenn solche Informationen zusammenfallen, wird die Kandidatenmenge auch ohne Namen enger.

Dieser Artikel ordnet, wie Anonymität durch Text und Sprache schwächer wird.

Text enthält Erfahrungen der Person

Text enthält Erfahrungen der schreibenden Person.

Auch wenn man selbst nur eine Erklärung beabsichtigt, kann sie je nach lesender Person zu einem starken Hinweis werden.

Zum Beispiel solche Informationen:

  • Ereignisse am Arbeitsplatz oder in der Schule
  • Erzählungen über eine bestimmte Region oder Bahnlinie
  • Erfahrungsberichte, die nur wenige kennen
  • Fachgebiete oder interne Begriffe
  • Familienstruktur oder Lebensrhythmus
  • Verlauf, dass dieselbe Geschichte früher geschrieben wurde

Auch wenn Außenstehende es nicht verstehen, können Beteiligte es verstehen.

Für Anonymität reicht "wenn es jemand liest, der mich nicht kennt, ist es in Ordnung" nicht aus. Man muss bedenken: "Wie wirkt es, wenn jemand es liest, der mich kennt?"

Je gewöhnlicher eine Erfahrung für die Person selbst ist, desto stärker kann sie für nahestehende Personen als Hinweis wirken. Wörter, die bei der Arbeit häufig verwendet werden, Schulveranstaltungen, lokale Geschäfte, Familienstruktur, Arbeitsweg, Probleme in einem bestimmten Zeitraum. Auch wenn externe Leser es als allgemeine Geschichte sehen, können Beteiligte denken: "Ist das nicht diese Person?"

Für Anonymität liest man Text nicht nur aus Sicht unbekannter externer Leser, sondern auch aus Sicht von Bekannten, Kollegen, Mitschülern, Familie und Personen, die frühere Konten kennen.

Auch Schreibstil wird zum Hinweis

Nicht nur der Inhalt eines Textes, sondern auch die Art des Schreibens wird zum Hinweis.

Satzenden, Zeichensetzung, Zeilenumbrüche, häufige Formulierungen, Reihenfolge von Themen, Art der Wut, Reihenfolge von Erklärungen. Diese Dinge erzeugen den Eindruck derselben Person.

HinweisWas sichtbar wird
Satzenden und SprachgewohnheitenSchreibgewohnheiten
Zeichensetzung und ZeilenumbrücheSchreibrhythmus
FachbegriffeBeruf oder Zugehörigkeitsbereich
Reihenfolge der ErklärungDenkgewohnheiten
Häufig berührte ThemenInteressen oder Position

Schreibstil allein zeigt nicht zwangsläufig die Person. In Kombination mit früheren Beiträgen, Klarnamenkonten, Veröffentlichungszeit und Inhalt wird er jedoch Material für Korrelation.

Die genaue Denkweise zum Schreibstil wird im Artikel "Warum sich Identität aus dem Schreibstil vermuten lässt" behandelt.

Schreibstil ist für sich genommen ein mehrdeutiger Hinweis. Er wird jedoch stärker, wenn er sich mit demselben Thema, derselben Region, derselben Veröffentlichungszeit oder demselben Bild überlappt. Besonders bei Konten, die wiederholt lange Texte posten, sammeln sich Erklärungsreihenfolge und Wortwahl an.

Den Schreibstil vollständig zu einer anderen Person zu machen, ist nicht leicht. Realistischer ist es, statt künstlich unnatürlichen Stil zu erzwingen, Ausdrücke zu verringern, die nur man selbst verwendet, eigene Sprachgewohnheiten und dieselben Standardformulierungen wie auf der Klarnamenseite.

Themenkombinationen werden gefährlich

Ein einzelnes Thema trifft auf viele Menschen zu.

Wenn sich Themen jedoch kombinieren, wird die Kandidatenmenge schnell enger.

Zum Beispiel kennt sich jemand in einer bestimmten Branche aus. Die Person kennt auch Verkehrsverhältnisse in einer bestimmten Region. Sie reagiert auf bestimmte Schulveranstaltungen. Sie hat im selben Zeitraum dasselbe Problem erlebt.

Wenn sich das überschneidet, werden die Kandidaten weniger.

EinzelinformationKombinierte InformationWas geschieht
IT-BrancheBestimmte Bahnlinie in einer RegionalstadtBeruf und gewohnte Orte rücken näher zusammen
SchulveranstaltungJahrgang oder ClubZugehörigkeitskandidaten werden eingegrenzt
ArbeitsplatzproblemZeitpunkt und RolleBeteiligte lassen sich vermuten
Regionales EreignisVeröffentlichungszeitMöglichkeit, dort gewesen zu sein, entsteht

Für Anonymität schaut man nicht nur auf jede einzelne Information, sondern auf Kombinationen.

Themenkombinationen sind ein zentrales Anonymitätsrisiko. Je stärker Elemente wie "IT-Branche", "Regionalstadt", "bestimmte Bahnlinie", "Kinderbetreuung", "Nachtschichten" und "Arbeitsplatzproblem in einem bestimmten Zeitraum" zusammenfallen, desto weniger Kandidaten bleiben. Auch wenn die Person sie als getrennte Beiträge schreibt, sieht die lesende Seite das gesamte Konto.

Vor dem Posten prüft man den Text neben früheren Beiträgen. Wichtig ist zu sehen, ob dieselbe Region, dieselbe Branche, derselbe Zeitraum oder dieselben Beziehungen wiederholt auftauchen.

Auch bei Audio und Sprechweise aufpassen

Äußerungen sind nicht nur Text.

Audio, Video, Livestreams, Anrufe, Spaces und Interviews enthalten ebenfalls Hinweise.

Die Stimme selbst. Sprechweise. Dialekt. Zögern. Umgebungsgeräusche. Hintergrundgespräche. Benachrichtigungstöne.

Audio kann mehr Informationen enthalten als Text. Personen, die Stimme oder Sprechweise kennen, können auch anonyme Audioaufnahmen bemerken.

Außerdem können Hintergrundgeräusche Ort oder Zeit vermuten lassen.

Audio zeigt Persönliches stärker als Text. Stimmqualität, Dialekt, Sprechtempo, Pausen, Lachen, Zögern und Verwendung von Fachbegriffen sind für Personen, die die sprechende Person kennen, verständlich. Auch wenn die Stimme verändert wird, bleibt die Kandidatenmenge enger, wenn Inhalt oder Hintergrundgeräusche zurückbleiben.

Bei Livestreams und Anrufen achtet man auch auf Umgebungsgeräusche. Bahnhofsansagen, Durchsagen am Arbeitsplatz, Schulglocken, Stimmen von Familienmitgliedern, Benachrichtigungstöne und Tastaturgeräusche zeigen Ort oder Lebensumgebung.

Denkweise beim Verallgemeinern von Text

Text sicherer zu machen bedeutet nicht nur, Eigennamen zu entfernen.

Auch wenn der Firmenname entfernt wird, werden Kandidaten enger, wenn Abteilungsgröße, Rolle, Zeitpunkt und Ereignis detailliert sind. Auch wenn der Ortsname entfernt wird, werden gewohnte Orte sichtbar, wenn Bahnhof, Geschäft, Veranstaltung, Wetter oder Verkehrsinformationen bleiben.

Zweck der Verallgemeinerung ist nicht, den Text bedeutungslos zu machen. Sie soll die für Identifizierung nötige Granularität senken.

  • Eigennamen durch breitere Ausdrücke ersetzen
  • Zeitpunkt gröber machen
  • Personenzahlen und Rollen verallgemeinern
  • Region weiter fassen
  • Erfahrungsberichte vermeiden, die nur man selbst kennt
  • Gleichen Schreibstil wie auf der Klarnamenseite verringern

Wenn man zu stark verallgemeinert, vermittelt der Text nichts mehr. Wichtig ist, die für Leser nötigen Fakten zu lassen und Details zu entfernen, die mit der Person verbinden. Struktur des Problems, die zu vermittelnde Aussage und der für Leser nötige Hintergrund bleiben erhalten. Andererseits passt man Uhrzeiten, Orte, Rollen, Gespräche und eigene Formulierungen an, die nur wenige kennen.

Auch auf Antworten nach der Veröffentlichung achten

Auch wenn der erste Beitrag sorgfältig geschrieben wurde, können Antworten Informationen erhöhen. Beim Beantworten von Fragen steigt die Granularität von Region, Zeitpunkt, Arbeitsplatz, Beteiligten und Erfahrungsberichten. Dasselbe gilt für DMs.

Um Anonymität zu schützen, legt man Regeln nicht nur für den Beitragstext, sondern auch für Antworten und Ergänzungen fest. Man hat Maßstäbe für Fragen, die nicht beantwortet werden, für den Bereich, der verallgemeinert wird, und dafür, wann keine zusätzlichen Unterlagen herausgegeben werden.

Die zu prüfende Granularität festlegen

Beim Prüfen von Text oder Sprache reicht es nicht, nur nach Eigennamen zu suchen. Man betrachtet Region, Zeitpunkt, Personenzahl, Rollen, Beteiligte, Fachbegriffe und Themenkombinationen.

Zu prüfende GranularitätGrund
RegionUm gewohnte Orte oder Zugehörigkeit nicht einzugrenzen
ZeitpunktWeil er mit Ereignissen oder Logs abgeglichen werden kann
Personenzahl und RollenWeil der Kreis der Beteiligten enger wird
FachbegriffeWeil Beruf oder Abteilung sichtbar werden
Sprachgewohnheiten und DialektWeil Person oder Region vermutet werden können

Nicht den Inhalt ausdünnen, sondern die für Identifizierung nötige Feinheit senken.

Was vor dem Posten geprüft wird

Vor der Veröffentlichung von Text oder Sprache prüft man die folgenden Punkte.

  • Ob Klarnamen, Ortsnamen, Arbeitsplatz, Schule oder Zugehörigkeit erscheinen
  • Ob über Ereignisse geschrieben wurde, die nur Beteiligte kennen
  • Ob derselbe Erfahrungsbericht wie in früheren Beiträgen genutzt wurde
  • Ob der Schreibstil einem Klarnamenkonto ähnelt
  • Ob die Veröffentlichungszeit sich zu stark mit dem Lebensrhythmus überschneidet
  • Bei Audio, ob Hintergrundgeräusche oder Dialekt zurückbleiben
  • Ob Identifizierung auch durch Kombination mehrerer kleiner Informationen möglich ist

Für Anonymität betrachtet man Inhalt, Schreibstil, Zeit und Ort zusammen.

Zusammenfassung

In Text und Sprache bleiben Hinweise, die zur Person führen.

Auch ohne Klarnamen wird die Kandidatenmenge durch Region, Arbeitsplatz, Schule, Fachgebiet, Erfahrungsberichte, Schreibstil und Themenkombinationen enger.

Bei Audio und Video werden auch Stimme, Dialekt, Sprechweise und Hintergrundgeräusche zu Hinweisen.

Um Anonymität zu schützen, muss man nicht nur prüfen, was geschrieben wurde, sondern auch, wie es geschrieben wurde, wann es veröffentlicht wurde und wer es beim Lesen verstehen würde.

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