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Verhaltenskorrelation

Was bedeutet Ortskorrelation?

Bei Anonymität sind nicht nur Namen und IP-Adressen ein Problem.

Wo jemand war. Welche Region jemand gut kennt. Welchen Bahnhof jemand nutzt. Mit welcher Schule, welchem Arbeitsplatz, Geschäft oder Ereignis jemand verbunden ist.

Auch solche Ortsinformationen werden zu Material, um die Identität einzugrenzen.

Ortskorrelation bedeutet, aus Hinweisen in Post-Inhalten, Bildern, Zeit, Bewegung und gewohnten Orten den Ort der Person oder beteiligter Personen zu vermuten.

Orte werden aus kleinen Informationen sichtbar

Ortsinformationen sind nicht immer direkt wie eine Adresse niedergeschrieben.

Vielmehr werden sie in vielen Fällen aus kleinen Hinweisen sichtbar.

  • Gespräch über den nächstgelegenen Bahnhof
  • Name eines lokalen Geschäfts
  • Veranstaltungen in Schule oder Arbeitsplatz
  • Pendel- oder Schulwegzeiten
  • Hintergrund eines Fotos
  • Schilder und Verkehrsschilder
  • Reaktionen auf Wetter oder Verkehrsstörungen
  • Dialekt oder regionale Bezeichnungen

Diese Informationen sind einzeln schwach. Wenn sich jedoch mehrere überschneiden, werden Region oder gewohnte Orte eingegrenzt.

HinweisWas sichtbar wird
Bahnhofsname oder LinieGewohnte Orte, Pendel- oder Schulweg
Geschäfts- oder EinrichtungsnameHäufig besuchte Gegend
Schul- oder ArbeitsplatzveranstaltungMögliche Zugehörigkeit
FotohintergrundAufnahmeort
Wetter- oder VerkehrsinformationRegion, in der jemand zu dieser Zeit war
Dialekt oder regionaler AusdruckHerkunftsort oder gewohnte Orte

Bei Anonymität prüft man nicht nur direkte Adressen, sondern auch Informationen, die mit gewohnten Orten verbunden sind.

Bilder sprechen über Orte

Bilder enthalten Ortsinformationen, die der Person selbst nicht bewusst sind.

Schilder im Hintergrund. Gebäude vor dem Fenster. Verkehrsschilder. Schulnamen. Uniformen. Mitarbeiterausweise. Unterlagen auf dem Schreibtisch. Spiegelungen auf dem Bildschirm.

Auch wenn GPS-Metadaten aus einem Foto entfernt wurden, können im Bild selbst Ortshinweise verbleiben.

Besonders vorsichtig muss man mit dem Hintergrund sein. Die postende Person sieht nur das Hauptmotiv. Die recherchierende Seite sieht jedoch den Hintergrund.

Bei Anonymität muss man vor dem Posten eines Bildes vergrößern und Hintergrund, Spiegelungen, Schrift, Gebäude, Fenster und Unterlagen prüfen.

Wichtig ist hier, sich nicht allein durch geprüfte GPS-Metadaten sicher zu fühlen.

Auch wenn die Fotodatei keine Standortinformationen enthält, lässt sich ein Ort vermuten, wenn im Bild Bahnhofsname, Geschäftsname, Gebäudeform, Bergsilhouette, Straßenform, Aushang, Schuluniform oder ein regional begrenztes Produkt zu sehen ist.

Die Seite, die einen Ort untersucht, sucht nicht nur nach einer einzigen entscheidenden Information.

„Dieses Geschäft gibt es nur in dieser Region.“ „Der Himmel zu dieser Uhrzeit passt zum Wetter in dieser Region.“ „Das Gebäude im Hintergrund steht vor diesem Bahnhof.“

So werden kleine Hinweise übereinandergelegt und Kandidaten eingegrenzt.

Vor dem Veröffentlichen eines Bildes prüft man mindestens in der folgenden Reihenfolge.

Zu prüfender BereichGrund für die Prüfung
BildmittePerson, Besitz oder Kleidung können Ortsinformationen enthalten
HintergrundGebäude, Schilder, Schulnamen und Geschäftsnamen können erscheinen
RandbereicheÜbersehene Schrift oder Schilder können verbleiben
SpiegelungenFenster, Spiegel und Bildschirme können die Umgebung spiegeln
DateiinformationenAufnahmezeit oder Standortinformationen können verbleiben

Aus Post-Inhalten werden gewohnte Orte sichtbar

Orte werden nicht nur aus Bildern sichtbar, sondern auch aus Text.

Zum Beispiel werden Posts wie die folgenden zu Hinweisen auf gewohnte Orte.

  • „Der übliche Bahnhof war überfüllt“
  • „Der Supermarkt in der Nähe hat geschlossen“
  • „In dieser Gegend regnet es stark“
  • „In der Nähe der Arbeit hat eine Baustelle begonnen“
  • „Die Schulveranstaltung wurde verschoben“

Auch wenn kein Ortsname geschrieben ist, kann die Kombination aus Ereignis und Zeit eine Region eingrenzen.

Wenn jemand auf einen Stromausfall, eine Verkehrsstörung, Wetter oder ein Ereignis reagiert, das nur in einer bestimmten Region passiert ist, wird sichtbar, dass die Person dort gewesen sein könnte.

Zeit und Ort werden zusammen betrachtet

Ortsinformationen werden stärker, wenn sie sich mit Zeitinformationen verbinden.

Wenn jemand zum Beispiel direkt nach einem Unfall an einem bestimmten Bahnhof postet: „Der Zug steht, ich komme nicht nach Hause“, entsteht die Möglichkeit, dass diese Person zu dieser Zeit diese Linie genutzt hat.

Wenn direkt nach dem Ende eines Ereignisses detaillierte Informationen vom Ort veröffentlicht werden, verengt sich der Kreis auf Teilnehmende oder Beteiligte.

KombinationWas vermutet wird
Regionales Ereignis + Posting-ZeitMöglichkeit, in dieser Region gewesen zu sein
Ereignisinhalt + sofortiger PostMöglichkeit, teilnehmende oder beteiligte Person zu sein
Pendelzeit + LinienthemaBewegungsroute oder gewohnte Orte
Wetterinformation + ZeitfensterAufenthaltsregion zu dieser Zeit
Fotohintergrund + AufnahmezeitAufnahmeort und Handlungszeit

Wenn man über Anonymität nachdenkt, muss man nicht nur Ort oder nur Zeit betrachten, sondern die Kombination aus beidem.

Denkweise beim Verallgemeinern von Orten

Es ist nicht immer nötig, Ortsinformationen vollständig zu entfernen.

Um die Bedeutung eines Textes zu erhalten, kann ein gewisses Maß an regionaler Information notwendig sein. Wichtig ist, nicht genauer zu schreiben als nötig.

Zu genaue FormulierungVerallgemeinerte FormulierungGrund
Hachiko-Ausgang am Bahnhof ShibuyaEin großer Bahnhof in TokioKonkreten Treffpunkt vermeiden
○○-Gebäude in der Nähe der FirmaGebäude in ArbeitsplatznäheKandidaten für den Arbeitsplatz reduzieren
Schulfest der ○○-OberschuleSchulveranstaltungSchulnamen nicht direkt nennen
Geschäft fünf Minuten zu Fuß von zu HauseGeschäft in der NäheGewohnte Orte nicht eingrenzen lassen
Letzter Zug der ○○-LinieLinie im Großraum TokioPendel- oder Schulweg verallgemeinern

Wie man verallgemeinert, hängt vom Zweck ab. Wenn Regionalität für einen Artikel wichtig ist, lässt man einen breiten Regionsnamen stehen. Wenn Identitätsschutz wichtig ist, entfernt man Bahnhofs-, Schul- und Eigennamen rund um den Arbeitsplatz.

So passt man die Granularität der Information an.

Gewohnte Orte und vorübergehende Orte trennen

Beim Betrachten von Ortsinformationen trennt man gewohnte Orte von vorübergehenden Aufenthaltsorten.

Wenn es nur ein Reisefoto gibt, ist die Person vielleicht nur vorübergehend dorthin gefahren. Wenn jedoch Geschäfte, Bahnhöfe, Wetter, Schulveranstaltungen und Pendelzeiten aus derselben Region immer wieder auftauchen, werden sie als gewohnte Orte gelesen.

ArtBeispielAuswirkung auf Anonymität
Vorübergehender OrtReiseziel, Veranstaltungsort, DienstreiseortHandlung oder Bewegung dieses Tages kann vermutet werden
Gewohnte OrteNächstgelegener Bahnhof, Geschäft in der Nähe, PendelwegKandidaten für Wohnort oder Arbeitsplatz werden eingegrenzt
BezugsortSchule der Familie, Geschäftspartner, KrankenhausAuch andere Beteiligte als die Person selbst können betroffen sein

Für Anonymität besonders schwer wiegen gewohnte Orte.

Gewohnte Orte sind Orte, die eine Person wiederholt nutzt. Auch wenn ein einzelner Post schwach ist, führt die Anhäufung dazu, dass gelesen wird: „Diese Person ist in dieser Region.“

Beim Verallgemeinern von Orten betrachtet man außerdem nicht nur den aktuellen Standort, sondern auch die Verbindung zu früheren Posts. Auch wenn der aktuelle Post nur „in Tokio“ sagt, kombinieren Leser dies mit früher geschriebenen Bahnhofs-, Geschäfts- oder Schulveranstaltungsnamen.

Ortskorrelation entsteht nicht unbedingt durch einen einzelnen Artikel oder ein einzelnes Foto. Sie entsteht über die Gesamtheit früherer Posts.

Vor dem Posten etwas Zeit lassen

Bei Posts über Orte steigt das Risiko, je mehr sie in Echtzeit erscheinen.

Ein Post, aus dem „ich bin jetzt hier“ erkennbar ist, lässt aktuellen Standort, geplante Bewegung und Heimweg lesen. Bei Ereignissen, Protesten, Recherchen, Beratungen, Krankenhäusern und Schulveranstaltungen, also in Situationen, die die Sicherheit der Person oder Beteiligter betreffen, ist besondere Vorsicht nötig.

Posting-ZeitpunktRisiko
Post vor OrtAktueller Standort oder Bewegung wird sichtbar
Post direkt danachKandidatur als teilnehmende oder beteiligte Person bleibt
Post nach zeitlichem AbstandVerbindung zum aktuellen Standort kann abgeschwächt werden
Breite OrtsformulierungGewohnte Orte oder konkrete Punkte werden schwerer eingrenzbar

Wenn es nicht nötig ist, lässt man bei Orts-Posts Zeit verstreichen. Schon wenn man etwas als „Ort, an dem ich früher war“ statt als „Ort, an dem ich jetzt bin“ behandeln kann, sinkt das Risiko.

Zusammenfassung

Ortskorrelation bedeutet, aus Hinweisen in Post-Inhalten, Bildern, Zeit, Bewegung und gewohnten Orten den Ort der Person oder beteiligter Personen zu vermuten.

Orte werden sichtbar, auch ohne Adressen oder Ortsnamen zu schreiben. Wenn Bahnhöfe, Geschäfte, Schulen, Arbeitsplätze, Ereignisse, Wetter, Verkehrsinformationen, Fotohintergründe und Dialekt zusammenkommen, werden gewohnte Orte eingegrenzt.

Besonders stark werden Hinweise, wenn Zeit und Ort verbunden sind. Posts direkt nach Ereignissen, Reaktionen auf lokale Störungen und Gespräche über Pendel- oder Schulwegzeiten erfordern Vorsicht.

Um Anonymität zu schützen, ist es wichtig, Ortsinformationen nicht nur vollständig zu entfernen, sondern sie auf die nötige Granularität zu verallgemeinern.

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