Vorbereitung für Menschen, die künftig anonym veröffentlichen wollen
Bevor man anonym zu veröffentlichen beginnt, ist Vorbereitung nötig.
Aus einem Impuls heraus ein Konto erstellen, sofort posten und erst später Risiken bemerken. Das ist ein häufiger Fehler.
Bei anonymer Veröffentlichung bleiben der erste Kontoname, die Registrierungs-E-Mail, das Profilbild, der Beitragsinhalt und das verwendete Gerät lange erhalten.
Die Vorbereitung vor dem Start beeinflusst die spätere Anonymität stark.
Zweck festlegen
Zuerst entscheidet man, wofür man anonym veröffentlichen will.
Je nachdem, ob es um Hobby, Beratung, Quellenschutz, Whistleblowing oder das Veröffentlichen zu Aktivitäten geht, ist eine andere Stärke nötig.
Zweck
Worauf zu achten ist
Hobby
keine Verbindung zu Bekannten oder Arbeitsplatz entstehen lassen
Beratung
Familie, Arbeitsplatz, Krankheit und gewohnte Orte nicht zu stark preisgeben
Recherche oder Whistleblowing
Kontaktweg, Unterlagen und rechtliche Risiken sorgfältig prüfen
Aktivität
Mitstreitende, Orte und Post-Zeiten schützen
langfristiges Veröffentlichen
Ansammlung von Schreibstil, Themen und Post-Zeiten betrachten
Wenn der Zweck unklar ist, bleiben auch die nötigen Maßnahmen unklar.
Umgebung vorbereiten
Bei anonymer Veröffentlichung ist wichtig, sie nicht mit der Realnamenumgebung zu vermischen.
Wenn sich gewohnter Browser, Realnamen-E-Mail, persönliche Cloud oder Smartphone-Kontakte mischen, bricht die Kontotrennung.
Was vorbereiten
Grund
eigene E-Mail
von Realnamen- und Arbeitsmail trennen
eigener Browser
s und Anmeldestatus trennen
eigenes Profilbild
keine früheren Bilder oder Realnamen-Icons verwenden
Speicherort
nicht mit persönlicher Cloud vermischen
Prüfung vor dem Posten
jedes Mal mit demselben Ablauf prüfen
Bei hohem Risiko sollte man auch die Trennung von Gerät und Kommunikationsumgebung erwägen.
Registrierungsinformationen vorbereiten
Beim Erstellen eines anonymen Kontos sind Registrierungsinformationen wichtig.
Wenn E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Wiederherstellungsweg, Profilbild oder Anzeigename mit der Realnamenumgebung verbunden sind, wird der Sinn der Kontotrennung geschwächt.
Registrierungsinformation
Worauf zu achten ist
E-Mail-Adresse
keine Realnamenmail, Arbeitsmail oder frühere ID verwenden
Telefonnummer
kann über Kontaktsynchronisierung oder Identitätsprüfung verbinden
Wiederherstellungsweg
persönliche E-Mail oder gewöhnliche Telefonnummer erzeugen Korrelation
Profilbild
frühere Bilder und Gesichtsfotos vermeiden
Anzeigename
bürgerlichen Namen, alte Handles, Region oder Geburtstag nicht aufnehmen
Wiederherstellungswege werden leicht übersehen.
Auch wenn sie von außen nicht sichtbar sind, sind sie in der Kontoverwaltung starke Verbindungspunkte.
Vor der Wahl des Kontonamens suchen
Benutzernamen verbinden sich leicht mit früheren Informationen.
Wenn alte Handles, Gaming-IDs, IDs sozialer Netzwerke, Teile einer E-Mail-Adresse oder Lieblingswörter wiederverwendet werden, können frühere Konten über Suche gefunden werden.
Prüfpunkt
Grund
Kandidatennamen suchen
prüfen, ob sie mit bestehenden Konten oder früheren Informationen überschneiden
Ähnlichkeit zu alten Handles prüfen
Verbindung zu früheren Beiträgen vermeiden
bürgerlichen Namen oder Geburtstag ausschließen
direkte Hinweise vermeiden
Hobbys oder Region nicht zu stark zeigen
gewohnte Orte oder Personenbild nicht einengen lassen
nicht in anderen Diensten wiederverwenden
Korrelation mehrerer Konten vermeiden
Auch wenn ein Kontoname später geändert werden kann, kann er in Screenshots oder URLs bleiben. Auch beim Suchen nach Kandidatennamen können Suchbegriffe und aufgerufene Ziele bei Suchdiensten, im Browser, in Netzwerken von Arbeitsplatz oder Schule oder auf verwalteten Geräten protokolliert werden. Bei hochriskanter Veröffentlichung sollte man solche Prüfungen nicht wiederholt in einer Umgebung durchführen, in der man mit dem Realnamen angemeldet ist.
Beitragsthemen festlegen
Vor dem Start einer anonymen Veröffentlichung legt man den Bereich der Themen fest.
Ein Konto, auf dem man alles schreibt, vermischt leicht Lebensinformationen. Wenn Hobby, Arbeit, Region, Familie, Aktivitäten und Beratung an einem Ort zusammenkommen, wird das Personenbild dichter.
Was festlegen
Grund
Themen, über die geschrieben wird
unnötige Lebensinformationen nicht mischen
Themen, über die nicht geschrieben wird
Sichtbarkeit von Arbeitsplatz, Schule oder Familie vermeiden
Umgang mit Fotos
Regel für Gesicht, Hintergrund und Standortinformationen festlegen
Antwortregeln
emotionales Nachliefern von Informationen verhindern
Veröffentlichungshäufigkeit
Muster bei Post-Zeiten vermeiden
Wenn man auf einem anonymen Konto den ganzen Alltag schreibt, nähert es sich langfristig dem Realnamen an.
Themen am Anfang einzugrenzen hilft, Anonymität zu erhalten.
Den ersten Beitrag vorsichtig behandeln
Der erste Beitrag legt die Richtung des Kontos fest.
Wenn in der Vorstellung Beruf, Region, Alter, Familie oder frühere Erfahrungen zu stark sichtbar werden, schwächt das die spätere Anonymität.
Information, die leicht genannt wird
Worauf zu achten ist
Beruf
mögliche Arbeitgeber werden eingegrenzt
Region
gewohnte Orte werden sichtbar
Familienkonstellation
Eingrenzung auch über andere Personen
frühere Erfahrung
Verbindung zu altem Konto oder Realnamenaktivität
Foto
Gesicht, Hintergrund und Metadaten bleiben erhalten
Es ist nicht nötig, sich gleich am Anfang ausführlich vorzustellen.
Informationen können später ergänzt werden, aber veröffentlichte Informationen lassen sich schwer zurückholen.
Die erste Woche als Probelauf behandeln
Direkt nach Beginn anonymer Veröffentlichung handelt man leicht zu impulsiv.
Man fühlt sich durch das erstellte Konto sicher und schreibt eine ausführliche Vorstellung. Reaktionen machen Freude und man erzählt in Antworten zu viel. Man möchte, dass bekannte Personen es sehen, und teilt es über ein anderes Konto. Solche Handlungen passieren besonders leicht direkt nach dem Start.
Die erste Woche sollte nicht als Phase zum Ausweiten der Veröffentlichung gelten, sondern als Probelauf, in dem geprüft wird, ob sich Abläufe vermischen.
Was prüfen
Warum prüfen
ob mit Realnamenkonto reagiert wurde
Likes, Follows und Zitate verbinden Konten
ob Post-Zeiten einseitig sind
Lebensrhythmus oder Arbeitsform wird sichtbar
ob Antworten zusätzliche Informationen enthalten
in Antworten erscheinen Region und Position leichter als im Haupttext
ob Bilder oder Screenshots gepostet wurden
Hintergrund, Benachrichtigungen, Dateiname und Metadaten bleiben
ob Login-Umgebungen vermischt wurden
Vermischung mit Cookies oder anderen Konten vermeiden
Anonyme Veröffentlichung muss nicht von Anfang an in großer Menge stattfinden.
Man beginnt mit wenigen Beiträgen und prüft, wie Profil, Beitragsliste und Suchergebnisse von außen aussehen. Wenn nichts auffällt, macht man schrittweise weiter. Nicht gleich am Anfang zu ausführlich zu erzählen, verringert spätere Korrekturen.
Beratungswege und Abbruchbedingungen vorher festlegen
Bei anonymer Veröffentlichung kann es zu spät sein, erst "bei Gefahr nachzudenken".
Besonders bei Whistleblowing, Konflikten mit Arbeitsplatz oder Schule, politischer Aktivität, Quellenschutz oder Veröffentlichungen, um der Familie oder Tätern zu entkommen, können nach dem Posten starke Reaktionen kommen. Wenn man in diesem Moment entscheidet, gibt man über Antworten, Löschungen, zusätzliche Erklärungen oder DMs leicht noch mehr Informationen preis.
Vor dem Start legt man Beratungswege und Abbruchbedingungen fest.
Was festlegen
Beispiel
Grund
Beratungsweg
Anwältin oder Anwalt, Unterstützungsorganisation, vertrauenswürdige dritte Person
nicht allein und in Panik entscheiden
Abbruchbedingung
anhalten, wenn eine Antwort die Identität vermutet
durch Reaktion keine Zusatzinformationen geben
Löschbedingung
bei klaren personenbezogenen Informationen oder Informationen über Beteiligte
vor dem Löschen Aufzeichnungen und Auswirkungsbereich prüfen
Antwortregel
grundsätzlich nicht sofort antworten
emotionale Erklärungen verhindern
Umgang mit Unterlagen
Originale nicht unverändert herausgeben
Metadaten und Erstellerinformationen vermeiden
Bei hochriskanter Veröffentlichung sollte man nicht allein anhand eines Artikels entscheiden.
Wenn rechtliche Risiken, arbeitsrechtliche Risiken oder körperliche Gefahren bestehen, ist es oft sicherer, vor dem Posten Fachleute oder Unterstützungsstellen zu kontaktieren. Vorbereitung auf Anonymität bedeutet nicht nur, Werkzeuge bereitzulegen, sondern auch einen Zustand zu schaffen, in dem man bei Gefahr stoppen kann.
Letzte Prüfung vor dem Start
Direkt vor dem Erstellen des Kontos oder vor dem ersten Beitrag folgt die letzte Prüfung.
Prüfpunkt
Warum prüfen
Kandidatennamen gesucht?
Verbindung zu früheren Konten vermeiden
Registrierungs-E-Mail getrennt?
Korrelation mit der Realnamenumgebung vermeiden
Profilbild neu?
verhindern, dass Bildersuche zu früheren Bildern oder Realnamenkonten führt
keine gewohnten Orte im ersten Beitrag?
Vermutung von Region oder Arbeitsplatz vermeiden
keine ungeklärten Punkte offen?
Unklarheit nicht als sicher behandeln
Wenn in dieser Phase Unsicherheit bleibt, muss man nicht überstürzt beginnen.
Anonyme Veröffentlichung wird später einfacher, je besser sie vor dem Start vorbereitet ist.
Zusammenfassung
Vor anonymer Veröffentlichung bereitet man Zweck, Umgebung, Kontonamen und ersten Beitrag vor.
Wer Realnamenmail, gewohnten Browser, frühere Bilder oder alte Handles vermischt, erzeugt schon direkt nach dem Start Korrelation.
Bei anonymer Veröffentlichung ist der erste Entwurf des Betriebs wichtig.
Bevor man aus Schwung beginnt, legt man fest, vor wem was geschützt werden soll, schafft eine nicht vermischte Umgebung und sucht Kandidaten für den Benutzernamen.
Je mehr Zeit man in die Vorbereitung steckt, desto weniger muss später korrigiert werden.
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Metadata inspection
ExifTool
Eine externe Ressource zu diesem Artikel. Öffne sie nur, wenn sie zu deiner Situation und deinem Bedrohungsmodell passt.
Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
Vorbereitung für Menschen, die künftig anonym veröffentlichen wollen
Vor anonymer Veröffentlichung sollten Zweck, Umgebung, Registrierung, Kontoname, Themen, erster Beitrag, Beratung und Abbruchbedingungen vorbereitet werden.