Checkliste vor der Veröffentlichung: für Journalistinnen und Journalisten
Eine Prüfung vor Veröffentlichung für Journalistinnen und Journalisten reicht nicht aus, wenn sie nur Tippfehler und Fakten prüft.
Sie prüft, ob Quellen, Zeuginnen und Zeugen, Beteiligte oder Personen, die Unterlagen bereitgestellt haben, aus dem Artikel rückwärts erschlossen werden können.
Kontaktweg, Dateien, Fotos, Zitate, Artikelinhalt, Veröffentlichungszeitpunkt und Freigabeverlauf innerhalb der Redaktion. Schon ein einzelnes übersehenes Element kann zur Quelle zurückführen.
Direkt vor der Veröffentlichung ist nicht nur zu prüfen, ob der Artikel als Artikel richtig ist.
Zu prüfen ist: "Wer wird durch diesen Artikel gefährdet?"
Bereich der Quellen prüfen
Zuerst wird geprüft, welche Menschen durch diesen Artikel geschützt werden müssen.
Zu schützende Person
Zu prüfen
Informationsgeber
Ob Unterlagen, Kontaktweg oder Zeit sie erkennen lassen
Zeuge
Ob Zitat, Position oder Erfahrungsgeschichte sie erkennen lässt
Aufnehmende Person
Ob Fotoposition, Winkel oder Metadaten sie erkennen lassen
Beteiligte
Ob sie durch Beschreibungen im Artikel hineingezogen werden
Leserinnen und Leser, die Hinweise einreichen
Ob Informationen über Formular oder Anhänge zurückbleiben
Auch Menschen, die im Artikel nicht direkt erscheinen, gehören dazu.
Gedacht wird auch an Menschen, die nach Veröffentlichung verdächtigt werden.
Beim Quellenschutz reicht es nicht, nur Personen zu betrachten, deren Namen im Artikel erscheinen. Informationsgeber, Zeuginnen und Zeugen, Menschen, die Unterlagen übergeben haben, Menschen, die Fotos vor Ort aufgenommen haben, nicht erwähnte Helfende, Familie und Kolleginnen können betroffen sein. Nach Veröffentlichung suchen Organisationen und Beteiligte danach, "wer es wusste".
Vor Veröffentlichung wird konkret überlegt, wer nach Erscheinen des Artikels verdächtigt wird. Wenn der Kandidatenkreis zu klein ist, werden Text, Zeitpunkt und Umgang mit Unterlagen erneut geprüft.
Kontaktweg und Materialempfang prüfen
Als Nächstes wird geprüft, wo der Kontakt zur Quelle zurückgeblieben ist.
E-Mail, Social-Media-DM, Cloud-Freigabe, Chat, Anrufliste, Videokonferenz und redaktionsinterne Weitergabe werden betrachtet.
Prüfpunkt
Warum geprüft wird
E-Mail und DM
Tatsache des Kontakts, Zeitpunkt und Anhänge bleiben
Cloud-Freigabe
Eigentümer, Betrachtungslogs und Bearbeitungsverlauf bleiben
Anrufliste
Telefonnummer und Zeit bleiben
Redaktionsinterne Weitergabe
Ob der Zugriffskreis zu weit geworden ist
Speicherort
Ob Vermischung mit gewöhnlicher Cloud oder privaten Geräten besteht
Wenn es hier Probleme gibt, reicht es nicht, vor Veröffentlichung nur den Artikel zu korrigieren.
Auch künftige Kontaktmethode und Unterlagenaufbewahrung werden neu geprüft.
Die Gefahr für eine Quelle entsteht nicht nur aus dem Artikeltext. E-Mails, DMs, Anrufe, Cloud-Freigaben und redaktionsinterne Chats enthalten die Tatsache des Kontakts. Wenn nach der Veröffentlichung untersucht wird, können Unterlagenzugriffe, Sendezeiten, Cloud-Betrachtungen und Anruflisten abgeglichen werden.
Wenn Kontaktwege problematisch sind, wird der künftige Kontakt vor Veröffentlichung auf einen sichereren Weg verlegt. Bereits vorhandene Spuren verschwinden dadurch jedoch nicht. Deshalb werden auch Konkretheit des Artikels und Veröffentlichungszeitpunkt gemeinsam neu geprüft.
Dateien und Material prüfen
Veröffentlichungsmaterial wird sowohl im sichtbaren Inhalt als auch in Metadaten geprüft.
Auch bei bearbeitetem Material wird geprüft, ob Originaldateien oder andere Aufnahmen am Veröffentlichungsort zurückbleiben.
Bei der Materialprüfung wird nicht nur die Veröffentlichungskopie betrachtet, sondern auch der Herstellungsprozess. Originalbilder, Bearbeitungsprojekte, andere Aufnahmen, unbearbeitete Audiodateien, Untertiteldateien, Vorschaubilder und Originaldateien in der Cloud werden geprüft. Auch wenn die veröffentlichte Seite eine bearbeitete Version zeigt, ist es gefährlich, wenn im selben Verzeichnis oder gemeinsamen Ordner Originaldateien liegen.
Es ist wertvoll, Material durch mehrere Personen prüfen zu lassen. Die aufnehmende Person ist an den Hintergrund gewöhnt und kann gefährliche Details übersehen. Je mehr Prüfende einbezogen werden, desto größer wird aber auch der Freigabebereich. Deshalb wird auf die nötigen Personen begrenzt.
Artikeltext rückwärts lesen
Der Text wird mit den Augen der Seite gelesen, die eine Quelle sucht.
Abteilungsnamen, Funktionen, Chronologie, Zitate, interne Begriffe, Fotobeschreibungen und Art der Unterlagen werden darauf geprüft, ob sie Kandidaten eingrenzen.
Prüffrage
Ziel
Wie viele Menschen kennen diese Information?
Knappheit des Kandidatenkreises prüfen
Kann man jemanden an der Formulierung des Zitats erkennen?
Merkmale der Zeugin oder des Zeugen entfernen
Ist die Chronologie zu konkret?
Abgleich mit internen Logs vermeiden
Zeigt die Art der Unterlage Zugriffsrechte?
Bereich der bereitstellenden Person prüfen
Verrät die Fotobeschreibung die Aufnahmeposition?
Position der aufnehmenden Person schützen
Wenn nötig, werden Informationen verallgemeinert.
Der Kern der Tatsachen bleibt, während Details entfernt werden, die zur Quelle zurückführen.
Beim rückwärts gerichteten Lesen wird wiederholt gefragt: "Wie viele Menschen kennen diese Information?" Aussagen in kleinen Sitzungen, interne Begriffe aus bestimmten Abteilungen, Formulierungen der neuesten Unterlagen, Winkel vor Ort und sehr genaue Chronologien verengen den Kandidatenkreis. Konkretheit ist für Artikel wichtig, aber die Richtung der Konkretheit zählt.
Konkretheit, die Leser zum Verständnis brauchen, bleibt. Konkretheit, die nur zur Quelle zurückführt, wird entfernt. Diese redaktionelle Entscheidung steht im Zentrum des Quellenschutzes.
Veröffentlichungszeitpunkt prüfen
Zum Schluss wird der Veröffentlichungszeitpunkt geprüft.
Wenn interne Ereignisse, Sitzungen, Mitteilungen, Prüfungen, Sanktionen, Vorfälle oder Dokumentaktualisierungen zeitlich zu nah an der Veröffentlichung liegen, wird die Quelle verdächtigt.
Prüfpunkt
Warum geprüft wird
Veröffentlichungsdatum
Korrelation mit internen Ereignissen betrachten
Veröffentlichungszeit
Abgleich mit Arbeitsaufzeichnungen oder Sendezeit vermeiden
Aktualität
Ob Schnelligkeit den Quellenschutz beschädigt
Artikelaktualisierung
Ob Zusatzinformationen die Quelle eingrenzen
Social-Media-Ankündigung
Ob Zeitpunkt oder Wortlaut zu einem weiteren Hinweis wird
Auch Social-Media-Ankündigungen und Nachträge nach Veröffentlichung gehören zum Quellenschutz.
Auch spätere Aktualisierungen brauchen Aufmerksamkeit. Informationen, die in der Erstfassung verallgemeinert wurden, können in einem Nachtrag zu genau erscheinen. Auch Social-Media-Ankündigungen können konkretere Orte oder Zeiten nennen als der Artikeltext. Bei Folgeberichten nach einer Eilmeldung wird ebenfalls geprüft, ob mehr Informationen zur Quelle zurückführen.
Entscheidung, vor Veröffentlichung zu stoppen
Wenn bei der Prüfung vor Veröffentlichung gefährliche Punkte gefunden werden, kann auch die Entscheidung nötig sein, nicht erzwungen zu veröffentlichen. Die Quelle wird auf eine Person eingegrenzt. Die Herkunft der Unterlagen ist zu eng. Der Veröffentlichungszeitpunkt liegt zu nahe an einem internen Ereignis. Die Metadatenprüfung des Materials ist nicht abgeschlossen. In solchen Fällen kommen Verzögern, Anpassung der Formulierungen, zusätzliche Prüfung oder Beratung durch Fachleute infrage.
Ziel der Prüfung vor Veröffentlichung ist, Artikelwert und Sicherheit der Quelle gleichzeitig zu bedenken.
Prüfergebnisse dokumentieren
Bei der Prüfung vor Veröffentlichung wird knapp dokumentiert, was geprüft und was angepasst wurde. Wer geprüft hat, welches Material geprüft wurde, welche Informationen entfernt wurden und warum etwas erhalten blieb, hilft bei Problemen nach Veröffentlichung.
Die Dokumentation selbst kann jedoch Quelleninformationen enthalten. Sie wird nicht in einer Klarnamen-Cloud oder einem breiten gemeinsamen Redaktionsordner abgelegt, sondern an einem Ort, den nur nötige Personen sehen können. Prüfprotokolle sollen Quellenschutz unterstützen und dürfen keine neue Leckquelle werden.
Zusammenfassung
Die journalistische Prüfung vor Veröffentlichung betrachtet Quellen, Kontaktwege, Unterlagen, Fotos, Audio, Artikeltext und Veröffentlichungszeitpunkt.
Es reicht nicht, dass ein Artikel als Artikel korrekt ist.
Geprüft wird, wer nach Veröffentlichung verdächtigt wird und wer gefährdet wird.
Besonders Rückschlüsse aus dem Artikeltext werden leicht übersehen.
Vor Veröffentlichung hilft es, nach Begrenzung auf die nötigen Personen auch jemanden prüfen zu lassen, der die Recherchegeschichte nicht kennt. So fallen gefährliche Details leichter auf.
Verwandte Werkzeuge
Metadata inspection
ExifTool
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Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
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Checkliste vor der Veröffentlichung: für Journalistinnen und Journalisten
Vor Veröffentlichung müssen Quellen, Kontaktwege, Unterlagen, Fotos, Audio, Artikeltext, Veröffentlichungszeitpunkt, Updates und Prüfergebnisse auf Rückschlüsse geprüft werden.