Veröffentlichungs-Workflow, der Quelle, Redaktion und Arbeitsweise zugleich schützt
Zum Schutz von Quellen, Redaktion und Beteiligten werden Text, Material, Metadaten, Veröffentlichungszeitpunkt, Kontaktwege, Rollen und Umgang danach gemeinsam geprüft.
Bei der Veröffentlichung eines Rechercheartikels reicht es nicht, nur die Quelle zu schützen.
Auch die Journalistin oder der Journalist selbst, die Redaktion, Beteiligte, Materialgebende und Personen vor Ort müssen geschützt werden.
Umgekehrt kann eine schwache Arbeitsweise auf journalistischer Seite zur Quelle zurückführen. Material in einer Klarnamen-Cloud teilen, unmittelbar nach Veröffentlichung in sozialen Medien zu viele Ergänzungen posten, Fotos veröffentlichen, die den Recherchezeitpunkt zeigen, oder ein PDF mit Bearbeitungsverlauf veröffentlichen. Solche kleinen Fehler gefährden Quelle und journalistische Seite zugleich.
Dieser Artikel ordnet einen Veröffentlichungs-Workflow, der Quelle, Redaktion und Arbeitsweise zugleich schützt.
Schutzobjekte trennen
Vor der Veröffentlichung werden zuerst die zu schützenden Personen und Informationen getrennt.
"Quelle" kann mehrere Personen bedeuten: Informationsgebende, Zeugenaussagende, Personen, deren Namen in Unterlagen stehen, Personen vor Ort, zuständige Redaktionsmitglieder und andere.
| Schutzobjekt | Informationen, die leicht sichtbar werden |
|---|---|
| Quelle | Inhalt der Information, Kontaktzeit, Verteilungsumfang des Materials |
| Journalistin/Journalist selbst | Kontaktweg, Rechercheort, Posting-Zeit, Gerät |
| Redaktion | Freigabeverlauf, Namen von Bearbeitenden, Umgang nach Veröffentlichung |
| Beteiligte | Fotos, Zitate, Namen im Material, Hintergrund |
| Informationen für Leserinnen und Leser | Artikeltext, Bilder, Material, ergänzende Erklärung |
Wenn die Schutzobjekte unklar sind, bleibt auch unklar, welche Informationen geprüft werden müssen.
Vor Veröffentlichung wird ausgeschrieben, bei wem eine Vermutung problematisch wäre.
Originale und Veröffentlichungskopien trennen
Recherchematerial wird in Originale und Veröffentlichungsmaterial getrennt.
Originale haben Bedeutung als Belege und Rechercheaufzeichnungen. Veröffentlichungskopien dagegen sollten keine unnötigen Metadaten oder spezifischen Hinweise enthalten.
| Phase | Zweck |
|---|---|
| Originalaufbewahrung | Beweiswert und Rechercheaufzeichnung erhalten |
| Prüfkopie | Metadaten, Text und sichtbare Details prüfen |
| Veröffentlichungskopie | Unnötige Informationen entfernen und extern ausgeben |
| Aufbewahrung nach Veröffentlichung | Verwalten, welche Version veröffentlicht wurde |
Grundsätzlich wird das Original nicht unverändert veröffentlicht.
Bei Material, dessen rechtlicher Beweiswert wichtig ist, sollte die Entscheidung über Bearbeitung aber nicht allein getroffen werden. Redaktion, Rechtsabteilung, anwaltliche Beratung oder Fachleute werden einbezogen.
Text und Material nicht getrennt prüfen
Eine Prüfung, bei der nur der Text oder nur das Material betrachtet wird, reicht nicht.
Im Text kann der Zeitpunkt verallgemeinert sein, während im angehängten Bild die genaue Aufnahmezeit bleibt. Im Material kann eine Abteilung verborgen sein, während sie aus der Erklärung im Text erkennbar wird. Solche Kombinationen kommen vor.
| Kombination | Was passiert |
|---|---|
| Text + Foto | Ort oder Zeitpunkt ergänzen sich |
| Text + PDF | Verborgene Abteilung oder Materialumfang wird sichtbar |
| Material + Veröffentlichungszeit | Verknüpft sich mit Handlungen der Quelle |
| Zitat + Rolle | Kreis möglicher Sprecherinnen und Sprecher wird enger |
| Bild + Social-Media-Ergänzung | Ort oder Beteiligte werden vermutbar |
Vor Veröffentlichung werden Text, Bilder, Material, Veröffentlichungszeitpunkt und Social-Media-Ergänzungen gemeinsam geprüft.
Auch wenn einzelne Elemente sicher wirken, können sie in Kombination gefährlich werden.
Zuständigkeiten für die Prüfung vor Veröffentlichung trennen
Bei Hochrisikorecherchen ist es sicherer, die Prüfung nicht allein abzuschließen.
Die schreibende Person kennt den Rechercheweg zu gut und übersieht dadurch leichter Hinweise. Wenn eine dritte Person liest, fallen Formulierungen auf, die den Kreis möglicher Personen verengen.
| Zuständigkeit | Was geprüft wird |
|---|---|
| Textverantwortung | Eigennamen, Zeitleiste, Granularität von Zitaten |
| Materialverantwortung | Metadaten, Dateinamen, PDF, Bilder |
| Quellenschutzverantwortung | Auf wie wenige Personen sich Kandidaten eingrenzen lassen |
| Rechts-/Sicherheitsverantwortung | Rechtliche Risiken, Beweiswert, Sicherheitsprobleme |
| Verantwortung nach Veröffentlichung | Antworten, Korrekturen, Umgang mit Anfragen |
Auch in kleinen Redaktionen sollten diese Rollen bewusst geprüft werden.
Wenn dieselbe Person mehrere Rollen übernimmt, liest sie mit zeitlichem Abstand aus einer anderen Perspektive erneut.
Kriterien für Überarbeitung festlegen
Im Veröffentlichungs-Workflow werden nicht nur Freigabebedingungen, sondern auch Überarbeitungskriterien festgelegt.
Wenn trotz Unklarheit veröffentlicht wird, drohen nach Veröffentlichung Korrekturen oder Löschungen. Bei Hochrisikorecherchen dürfen ungeklärte Punkte nicht veröffentlicht werden.
| Rückgabekriterium | Grund |
|---|---|
| Kandidaten für die Quelle werden auf wenige Personen eingegrenzt | Die Person kann allein aus dem Text vermutet werden |
| Materialmetadaten sind ungeprüft | Ersteller oder Orte können zurückbleiben |
| Umgang nach Veröffentlichung ist ungeklärt | Bei Kontroversen werden leicht zu viele Informationen herausgegeben |
| Rechtliches Risiko ist ungeprüft | Beweiswert oder Ehrverletzung müssen beurteilt werden |
| Auswirkungen auf Beteiligte sind unklar | Es besteht die Möglichkeit, andere einzubeziehen |
Eine Rückgabe soll den Artikel nicht einfach stoppen.
Sie ist ein Schritt, um Veröffentlichungsrisiken zu senken und wieder in einen Zustand zu kommen, in dem die Entscheidung neu getroffen werden kann.
Veröffentlichungsentscheidung dokumentieren
Bei Hochrisikoartikeln wird vor Veröffentlichung dokumentiert, was geprüft wurde.
Wer hat den Text geprüft, welches Material wurde zur Veröffentlichungskopie, welche Informationen wurden verborgen, wer ist für den Umgang nach Veröffentlichung zuständig. Eine Dokumentation hilft, Entscheidungen nachzuvollziehen, wenn nach Veröffentlichung Probleme auftreten.
| Was dokumentieren | Grund |
|---|---|
| Dateiname der Veröffentlichungskopie | Erkennbar, welche Version ausgegeben wurde |
| Prüfverantwortliche | Bei einem übersehenen Punkt kann erneut geprüft werden |
| Verborgene Informationen | Quellenschutzentscheidung kann erklärt werden |
| Nicht veröffentlichtes Material | Zusatzveröffentlichung kann beurteilt werden |
| Zuständigkeit nach Veröffentlichung | Verantwortungsbereich für Antworten und Korrekturen wird klar |
Diese Dokumentation selbst kann jedoch Quelleninformationen enthalten.
Speicherort und Zugriffsrechte werden verwaltet.
Umgang nach Veröffentlichung vorher festlegen
Auch der Umgang nach Veröffentlichung gehört zum Veröffentlichungs-Workflow.
Wer beantwortet Anfragen, nachdem der Artikel erschienen ist? Wird die Quelle kontaktiert? Wird in sozialen Medien ergänzt? Wer entscheidet, wenn eine Korrektur nötig wird?
| Punkt nach Veröffentlichung | Was festlegen |
|---|---|
| Antworten an Leserinnen und Leser | Wer antwortet und bis zu welchem Umfang |
| Kontakt zur Quelle | Notwendigkeit, Weg, Timing |
| Korrekturen | Umgang mit Differenz und Erklärung |
| Zusätzliches Material | Bereich, der zusätzlich veröffentlicht werden darf |
| Kontroversen | Maßstab, der Sicherheitsprüfung vor Gegenrede stellt |
Wenn erst nach Veröffentlichung hektisch entschieden wird, werden Informationen leichter aus Emotion heraus herausgegeben.
Eine vorher festgelegte Linie hilft, Quelle und journalistische Seite zu schützen.
In einen Zustand kommen, in dem man der Quelle erklären kann
Vor Veröffentlichung wird auch geprüft, ob die Entscheidung der Quelle erklärt werden könnte.
Was wird veröffentlicht, was wird verborgen, in welcher Form wird Material verwendet, welche Reaktionen können nach Veröffentlichung entstehen. Das bedeutet nicht, dass die Quelle alles entscheiden soll. Informationen, die ihre Sicherheit betreffen, werden aber vorsichtig behandelt.
Wenn die Quelle Veröffentlichungsrisiken nicht versteht und trotzdem fortgefahren wird, können nach Veröffentlichung unerwartete Gefahren entstehen.
Bei Hochrisikorecherchen ist nicht nur die Redaktion wichtig, sondern auch die Sicherheitsprüfung auf der Seite der Quelle.
Wenn eine nicht erklärbare Unsicherheit bleibt, sollte die Veröffentlichungsentscheidung nicht überstürzt werden.
Zusammenfassung
Um Quelle, Redaktion und Arbeitsweise zugleich zu schützen, werden nicht nur der Text, sondern auch Material, Metadaten, Veröffentlichungszeitpunkt, Kontaktwege und Umgang nach Veröffentlichung geprüft.
Zuerst werden Schutzobjekte getrennt, dann Originale und Veröffentlichungskopien. Text und Material werden nicht isoliert geprüft; geprüft wird, ob Kombinationen zur Quelle führen können.
Bei Hochrisikorecherchen werden Prüfrollen getrennt und auch Antworten und Korrekturen nach Veröffentlichung vorher festgelegt.
Anonymität ist keine Arbeit nur unmittelbar vor dem Klick auf die Veröffentlichungsschaltfläche.
Sie ist ein Workflow, der von Recherche über Redaktion und Veröffentlichung bis zum Umgang danach weiterläuft.
Verwandte Werkzeuge
SecureDrop
Eine externe Ressource zu diesem Artikel. Öffne sie nur, wenn sie zu deiner Situation und deinem Bedrohungsmodell passt.
Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
URL : https://securedrop.org/
GlobaLeaks
Eine externe Ressource zu diesem Artikel. Öffne sie nur, wenn sie zu deiner Situation und deinem Bedrohungsmodell passt.
Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
URL : https://globaleaks.org/
