Für Journalistinnen und Journalisten ist Anonymität keine Technik, die nur sie selbst schützt.
Sie ist praktische Arbeit zum Schutz von Quellen, Beteiligten, Zeuginnen und Zeugen, Menschen vor Ort und Personen, die Materialien übergeben haben.
Auch wenn Namen im Artikeltext nicht genannt werden, können Beteiligte aus Kommunikationswegen, Recherchenotizen, Fotos, PDFs, Veröffentlichungszeit, Formulierungsgewohnheiten, Bearbeitungsverlauf und Cloud-Freigabelogs erschlossen werden. Der gefährliche Fehler ist die Annahme: "Ich habe den Namen nicht geschrieben, also ist es in Ordnung."
Anonymität ist die Fähigkeit zu steuern, wessen Informationen wo bleiben und womit sie sich verbinden.
Dieser Artikel erklärt den Bereich, den Journalistinnen und Journalisten beim Nachdenken über Anonymität betrachten sollten: vor der Recherche, Kontakt, Materialien, vor Veröffentlichung und nach Veröffentlichung.
Das Schutzziel ist nicht nur man selbst
Bei journalistischer Anonymität muss das Schutzziel breit gedacht werden.
Es geht nicht nur um die eigene Identität und Kommunikation, sondern auch um die Identität der Quelle, gewohnte Orte von Zeuginnen und Zeugen, Beteiligte und ihre Zugehörigkeit, den Weg, auf dem Materialien beschafft wurden, und Reaktionen nach Veröffentlichung.
Wer geschützt wird
Leicht leckende Hinweise
Vorsicht
Quelle
Kontaktzeit, Herkunft von Materialien, interne Begriffe, Schreibstil
Kandidaten werden auch ohne Namen im Text enger
Zeugin oder Zeuge
Region, Berufsfeld, Altersgruppe, Aussageinhalt
Geschichten, die nur wenige Beteiligte kennen, sind starke Hinweise
Bewegungsverlauf, Überwachungskameras, Zahlung, Ein- und Austrittsdaten
Nicht nur online, auch reale Aufzeichnungen bleiben
Bei Hochrisiko-Recherche werden Alltagskontaktwege von Recherchekontaktwegen getrennt.
Das bedeutet nicht, Fehlverhalten zu verstecken. Es dient dazu, Quellen nicht in unnötige Logs hineinzuziehen.
Mechanismen wie SecureDrop werden von Medienorganisationen und NGOs genutzt, um anonyme Einreichungen zu empfangen. SecureDrop ist ein Open-Source-Whistleblowing- und Einreichungssystem der Freedom of the Press Foundation, das auf Einreichungen über und die Reduzierung von Kommunikationsmetadaten ausgerichtet ist.
SecureDrop allein macht den Ablauf jedoch nicht sicher. Wenn Gerät der nutzenden Person, Nutzungsort, eingereichte Dateien, Dokumentinhalt und Verhalten vor und nach der Einreichung schwach sind, kann von dort korreliert werden.
Auch Tor Browser ist ein wichtiges Werkzeug, um die Ursprungs-IP-Adresse für das Ziel weniger sichtbar zu machen. Das Tor Project stellt Tor Browser und das Tor-Netzwerk bereit.
Der genaue Mechanismus und die Grenzen von Tor werden in Artikeln zu Tor-Grundlagen und Unterschieden zwischen , Tor und Proxy erklärt. Hier ist wichtig zu verstehen, dass es im Quellenschutz als Werkzeug zur Trennung von Kommunikationswegen genutzt werden kann.
Bei Materialien und Dateien über den Text hinaus schauen
Bei Recherchematerial reicht es nicht, nur den Fließtext zu prüfen.
PDFs, Office-Dateien, Bilder, Audio, Video und Screenshots können Erstellernamen, Bearbeitungsverlauf, Kommentare, GPS, Aufnahmezeit, Gerätenamen, Dateinamen, Cloud-Verlauf und ähnliche Informationen behalten.
Geräte- und Nutzerinformationen werden mit aufgenommen
Beim Empfang von Materialien wird zuerst das Original zur Aufbewahrung von der Kopie zur Bearbeitung für Veröffentlichung oder Weitergabe getrennt.
Wichtig ist, das Original nicht direkt zu veröffentlichen.
Für Veröffentlichungsdateien werden unnötige Metadaten entfernt, Eigennamen und interne Identifikatoren geprüft und auch Informationen an den Rändern von Bildern und Screenshots betrachtet.
Detaillierte Prüfungen von Dateimetadaten werden in Artikeln zu EXIF, PDF, Office-Dateien, ExifTool, qpdf, MAT2 und ähnlichen Themen behandelt. Hier geht es darum zu verstehen, dass in journalistischer Arbeit auch Informationen jenseits des Dateiinhalts auf die Quelle zeigen.
Anonymisierung des Artikeltexts ist mehr als Namen weglassen
Im Artikeltext kann die Quelle auch ohne Nennung von Namen erkennbar sein.
Auch Formulierungen wie "ein Angestellter", "eine beteiligte Person" oder "eine Anwohnerin" können Kandidaten über Zeitpunkt, Abteilung, Zahl der Personen, Aussageinhalt, Position und bekannten Informationsumfang eingrenzen.
Hinweis im Artikeltext
Was passiert
Richtung der Gegenmaßnahme
Abteilung oder Rolle
Grenzt auf wenige Kandidaten ein
Granularität senken, wenn unnötig
Datum und Uhrzeit
Wird mit Schichten oder Ein-/Austrittsdaten verglichen
Exakte Zeiten verallgemeinern
Interner Begriff
Organisation oder Abteilung wird sichtbar
Durch allgemeine Formulierung ersetzen
Sprechgewohnheit
Individuelle Ausdrucksweise bleibt
Zitatbedarf und Schutz abwägen
Teil eines Materials
Beschaffende Person wird aus Verteilungsbereich eingegrenzt
Sorgfältig entscheiden, welcher Teil offengelegt wird
Konkretheit ist nötig, um Leserinnen und Lesern zu erklären, was passiert ist.
Konkretheit kann jedoch die Quelle eingrenzen. Im Journalismus müssen Transparenz und Schutz abgewogen werden.
Wichtig ist, sich selbst erklären zu können, warum etwas verallgemeinert wird.
Die Granularität von Zeit, Ort, Titel, Personenzahl und Zitaten wird nicht angepasst, um Fakten unklar zu machen, sondern um die Quelle nicht unnötig zu gefährden.
Korrelation geht nach Veröffentlichung weiter
Veröffentlichung ist nicht das Ende.
Anfragen nach Veröffentlichung, Antworten in sozialen Medien, Folgeberichte, Korrekturen, zusätzliche Materialien und Austausch mit Leserinnen und Lesern werden ebenfalls zu Korrelationsmaterial.
Nur bestimmte Beteiligte reagieren sofort nach Veröffentlichung. Eine berichtende Person postet zusätzliche Updates nur zu einer bestimmten Tageszeit. Details, die nur die Quelle kennt, werden in sozialen Medien ergänzt. Solche Verhaltensweisen werden zu Hinweisen außerhalb des Artikeltexts.
Nach Veröffentlichung werden folgende Punkte geprüft.
Werden zusätzliche Informationen über die Quelle leichtfertig offengelegt?
Wird in sozialen Medien detaillierter über den Hintergrund gesprochen als im Artikeltext?
Enthalten Korrekturverläufe oder Ersatzdateien neue Metadaten?
Wird bei der Bearbeitung von Anfragen der Rechercheweg offengelegt?
Verbindet sich die Veröffentlichungszeit stark mit dem Verhalten der Quelle?
Quellenschutz ist nicht nur Arbeit vor der Veröffentlichung.
Anonymität wird einschließlich Umgang nach Veröffentlichung gedacht.
Bei Hochrisiko-Recherche nicht allein entscheiden
Bei Whistleblowing, staatlichen Stellen, organisierter Kriminalität, politischer Verfolgung, Arbeitskonflikten, sexualisierter Gewalt, Minderjährigen, Migration, Krieg oder Regionen unter Zensur können Anonymitätsfehler schwere Folgen haben.
Bei solcher Recherche wird nicht nur auf Grundlage eines einzelnen Artikels entschieden.
Es gibt Situationen, in denen gemeinsam mit Redaktionssicherheit, vertrauenswürdigen Anwältinnen oder Anwälten, Fachleuten für digitale Sicherheit und Unterstützungsorganisationen vorgegangen werden sollte.
Zweck von Anonymität ist nicht, Gefahr um ihrer selbst willen zu akzeptieren.
Sie soll ermöglichen, Offenlegung im öffentlichen Interesse mit dem Schutz von Menschen zu vereinbaren.
Zusammenfassung
Journalistische Anonymität ist praktische Arbeit zum Schutz nicht nur der berichtenden Person, sondern auch von Quellen und Beteiligten.
Geprüft wird nicht nur der Artikeltext. Kontaktwege, Materialien, Metadaten, Cloud-Freigabe, Veröffentlichungszeit, Social-Media-Reaktionen und Umgang nach Veröffentlichung müssen ebenfalls geprüft werden.
Mechanismen wie SecureDrop und Tor Browser werden für Quellenschutz genutzt. Werkzeuge allein machen den Ablauf jedoch nicht sicher. Wenn Geräte, Dateien, Inhalt, Zeit und reales Verhalten schwach sind, kann von dort korreliert werden.
Bei Hochrisiko-Recherche wird nicht allein entschieden. Redaktion, Anwältinnen oder Anwälte, Unterstützungsorganisationen und Fachleute werden einbezogen.
Anonymität dient nicht dazu, Recherche zu verstecken, sondern notwendige Informationen in die Öffentlichkeit zu bringen und dabei Menschen zu schützen.
Verwandte Werkzeuge
Anonymous communication
Tor Project
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Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
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Journalistische Anonymität schützt Quellen, Zeugen, Beteiligte und Materialwege durch getrennte Kontaktwege, Metadatenprüfung, Textprüfung und Umgang nach Veröffentlichung.