Was bedeutet Inhaltskorrelation?
Anonymität entscheidet sich nicht allein an der Kommunikationsumgebung.
Geposteter Text. Hintergründe auf Bildern. Dateiinhalte. Auswahl der Themen. Erfahrungsberichte. Fachgebiete.
Auch solche Inhalte selbst werden zu Material, aus dem sich Identität vermuten lässt.
Inhaltskorrelation bedeutet, dass veröffentlichte Inhalte mit früheren Informationen, Klarnamenkonten, Zugehörigkeiten, gewohnten Orten und Erinnerungen beteiligter Personen verknüpft werden.
Inhalt spricht über die Person
Menschen bringen in dem, was sie schreiben, eigene Erfahrungen unter.
Region, in der sie wohnen. Branche, in der sie arbeiten. Schule, die sie besucht haben. Probleme, die sie erlebt haben. Orte, an die sie oft gehen. Themen, die sie interessieren. Umstände, die nur Personen im Inneren kennen.
Auch ohne Namen werden die möglichen Personen durch den Inhalt eingegrenzt.
| Inhalt | Was sichtbar wird |
|---|---|
| Erfahrungsbericht | mögliche Person oder beteiligte Personen |
| Fachbegriffe | Beruf, Branche, Zugehörigkeitsbereich |
| regionale Themen | gewohnte Orte, Bewegungsradius |
| interne Umstände | Organisation oder Beteiligte |
| Bildhintergrund | Ort, Schule, Arbeitsplatz |
| Dateiinhalt | Ersteller, Organisation, Arbeitsinhalt |
Inhaltskorrelation unterscheidet sich von technischer Nachverfolgung. Sie entsteht in der Form: Wer es liest und den Kontext kennt, versteht es.
Erfahrungsberichte werden zu starken Hinweisen
Erfahrungsberichte haben Überzeugungskraft. Für Anonymität werden sie aber zu ziemlich starken Hinweisen.
Besonders gefährlich sind Ereignisse, von denen nur wenige Personen wissen.
"Ein Problem, das letztes Jahr in der Abteilung passiert ist" "Eine Geschichte innerhalb der Schule, die nur ein Teil der Menschen kennt" "Etwas, das ich bei einer bestimmten Veranstaltung gesehen habe" "Eine zeitliche Abfolge, die nur Beteiligte kennen"
Solche Inhalte sind für Außenstehende vielleicht nicht verständlich, aber für Beteiligte verständlich.
Auch wenn ein anonymer Post nicht weit verbreitet wird, können die möglichen Personen eingegrenzt werden, sobald er Beteiligten auffällt.
Wenn man einen Erfahrungsbericht schreibt, trennt man Fakten, die Leser brauchen, von Details, die die Person eingrenzen.
Für die Aussage "Am Arbeitsplatz gab es Belästigung" sind der exakte Abteilungsname, das Sitzungsdatum, die typische Redewendung eines Vorgesetzten, die Zahl der Teilnehmenden und der Name eines internen Systems nicht unbedingt nötig. Andererseits kann es Fälle geben, in denen Branche oder Rolle in gewissem Maß genannt werden müssen, um die Struktur des Problems zu vermitteln.
| Detail | Umgang |
|---|---|
| Datum und Uhrzeit | Zeitraum statt Datum nennen |
| Ort | breite Kategorie statt konkretem Namen verwenden |
| Personenzahl | bei kleiner Zahl verallgemeinern |
| Position | verallgemeinern, wenn Kandidaten eingegrenzt werden |
| Gespräch | personentypische Formulierungen vermeiden |
Bei Anonymität senkt man die Granularität, die zur Identifizierung nötig ist, während die Überzeugungskraft erhalten bleibt.
Auch Bild- und Dateiinhalte ansehen
Inhaltskorrelation betrifft nicht nur Text.
Bildhintergründe zeigen Orte oder Zugehörigkeiten. In PDFs und Office-Dokumenten können interne Begriffe, Abteilungsnamen, Projektnamen und Kommentare im Text zurückbleiben. Screenshots können Benachrichtigungen, Tab-Namen, Kontonamen und Lesezeichen zeigen.
Auch wenn Metadaten entfernt wurden, hilft das nicht, wenn sichtbare Inhalte bestehen bleiben.
| Art | Beispiel | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|
| Metadaten | Ersteller, Datum und Uhrzeit, Standortinformationen | mit Werkzeugen relativ leicht prüfbar |
| Textinhalt | interne Informationen, Erfahrungsberichte, Eigennamen | Menschen lesen und vermuten |
| Bildinhalt | Hintergrund, Spiegelungen, Schilder, Uniformen | vergrößert prüfen |
| Screenshot | Benachrichtigungen, Tabs, Kontonamen | Randinformationen werden leicht übersehen |
Bei Anonymität prüft man sowohl interne oder verborgene Dateiinformationen als auch das sichtbare Erscheinungsbild.
Verbindung zu früheren Posts
Auch wenn der aktuelle Post keinen Klarnamen enthält, wird Anonymität schwächer, wenn er mit früheren Posts verknüpft wird.
Den gleichen Erfahrungsbericht hatte man früher auch in einem Blog geschrieben. Dasselbe Bild hatte man früher in sozialen Netzwerken verwendet. Über dasselbe Fachgebiet hatte man unter Klarnamen geschrieben. Dieselbe Behauptung hatte man in derselben Reihenfolge geschrieben.
Solche Überschneidungen werden durch Suche oder Erinnerung gefunden.
Wenn man Anonymität bedenkt, reicht es nicht, nur den aktuellen Post anzusehen. Man muss prüfen, ob das frühere Selbst dieselben Informationen bereits veröffentlicht hat.
Falsche Verallgemeinerung hilft nicht
Beim Verallgemeinern von Inhalten reicht es nicht, nur Eigennamen zu entfernen.
Auch wenn man Ortsnamen entfernt, wird der Ort erkennbar, wenn man regionale Veranstaltungen beschreibt. Auch wenn man den Firmennamen entfernt, lassen sich Kandidaten eingrenzen, wenn Branche, Position, Personenzahl und Zeitraum detailliert sind. Auch wenn man den Schulnamen entfernt, wird es verständlich, wenn Jahrgang, Veranstaltung, Verein und Region zusammentreffen.
| Riskante Schreibweise | Sicherere Denkweise | Grund |
|---|---|---|
| nur den Firmennamen entfernen | auch Branche, Personenzahl und Zeitraum gröber machen | Zugehörigkeit wird durch Kombination sichtbar |
| nur den Bahnhofsnamen entfernen | auch Linie und gewohnte Orte überprüfen | Bewegungsradius bleibt bestehen |
| nur den Namen verbergen | auch Beziehung und Rolle verallgemeinern | Beteiligte verstehen es trotzdem |
| nur das Datum entfernen | auch Ereignisse davor und danach ansehen | Eingrenzung über die Zeitachse |
Das Ziel der Verallgemeinerung ist nicht, den Text unklar zu machen. Das Ziel ist, die zur Identifizierung nötige Granularität zu senken.
Was vor dem Posten zu prüfen ist
Um Inhaltskorrelation zu vermeiden, prüft man vor dem Posten die folgenden Punkte.
- Schreibe ich über Ereignisse, die nur ich oder Beteiligte kennen?
- Werden Region, Arbeitsplatz, Schule oder gewohnte Orte sichtbar?
- Nutze ich denselben Erfahrungsbericht wie in früheren Posts?
- Gibt es Hinweise im Bildhintergrund oder in Spiegelungen?
- Enthält ein Screenshot Benachrichtigungen oder Kontonamen?
- Bleiben im Dateiinhalt interne Begriffe oder Kommentare zurück?
- Ist Identifizierung auch dann nicht möglich, wenn verallgemeinerte Informationen kombiniert werden?
Beim Prüfen denkt man nicht daran, wie der Text für einen selbst aussieht, sondern wie er für "jemanden, der mich kennt" aussieht.
Bei Anonymität können nahe Beteiligte gefährlicher sein als unbekannte Außenstehende.
Es gibt Informationen, die nur Beteiligte verstehen
Ein Text kann für externe Leser abstrakt aussehen, für Beteiligte aber konkret.
Auch ohne Firmennamen verstehen Personen im Unternehmen den Kontext, wenn interne Begriffe, eigene Systemnamen, Bezeichnungen von Besprechungen oder Projektzeitpunkte auftauchen. Auch ohne Schulnamen kann etwas anhand von Veranstaltungsnamen, der Art, wie Lehrkräfte genannt werden, oder Erfolgen eines Vereins erkennbar werden.
Bei Inhaltskorrelation ist der Maßstab nicht, ob es für die allgemeine Öffentlichkeit verständlich ist, sondern ob es für jemanden verständlich ist, der vor Ort dabei war.
Auswählen, wo Konkretheit bleibt
Wenn man für Anonymität alles vage macht, wird der Text schwer lesbar. Damit Leser das Problem verstehen, braucht es ein gewisses Maß an Konkretheit.
Wichtig ist, auszuwählen, wo Konkretheit stehen bleibt.
Wenn man zum Beispiel ein strukturelles Problem vermitteln will, schreibt man nicht Personennamen oder Abteilungsnamen konkret, sondern den Mechanismus. Wenn man ein regionales Risiko vermitteln will, beschreibt man nicht den nächstgelegenen Bahnhof, sondern eine breite Region oder Situation.
| Was vermittelt werden soll | Welche Konkretheit bleiben soll | Welche Konkretheit gekürzt wird |
|---|---|---|
| Arbeitsplatzproblem | Mechanismus, Auswirkungen, Bedingungen für Wiederholung | Abteilungsname, Sitzungsdatum, Äußerungen weniger Personen |
| regionales Problem | Struktur von Verkehr oder Umgebung | nächstgelegener Bahnhof, Geschäft in Wohnungsnähe |
| Schulproblem | System und Ablauf der Reaktion | Klasse, Name der Klassenleitung, Veranstaltungstag |
| persönlicher Schaden | Art des Schadens und Umgang damit | Details, die zur Identifizierung des Gegenübers führen |
Ein Text, der Anonymität schützt, ist nicht einfach ein dünner Text. Er lässt Informationen stehen, die Leser brauchen, und entfernt Informationen, die zur Identifizierung genutzt werden.
Zusammenfassung
Inhaltskorrelation bedeutet, dass veröffentlichte Inhalte mit früheren Informationen, Klarnamenkonten, Zugehörigkeiten, gewohnten Orten und Erinnerungen beteiligter Personen verknüpft werden.
Texte, Bilder, Screenshots, PDFs, Office-Dokumente, Videos und Audioinhalte werden zu Hinweisen.
Auch wenn Namen und Ortsnamen entfernt werden, lassen sich Kandidaten eingrenzen, wenn Erfahrungsberichte, Fachbegriffe, Zeitachsen, Hintergründe oder Informationen zurückbleiben, die nur Beteiligte kennen.
Bei Anonymität muss man nicht nur Kommunikationsweg und Metadaten prüfen, sondern auch den zu veröffentlichenden Inhalt selbst. Wichtig ist nicht, Informationen zu löschen, sondern die zur Identifizierung nötige Granularität zu senken.
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