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Typische Muster, durch die Anonymität zerbricht

Anonymität scheitert nicht nur durch besondere Angriffe.

In vielen Fällen liegen die Ursachen viel näher.

Immer im gleichen Schreibstil schreiben. Immer zur gleichen Zeit posten. Dasselbe Bild oder denselben Benutzernamen wiederverwenden. Mit einem Klarnamenkonto nach anonymer Aktivität suchen. Benachrichtigungen in einem Screenshot sichtbar lassen. In einer Antwort zu viel sagen.

Jeder einzelne Punkt ist ein kleiner Fehler. Wenn sie sich aber ansammeln, bricht Anonymität zusammen.

Dieser Artikel ordnet zuerst typische Muster, durch die Anonymität zerbricht.

Scheitern beginnt mit kleinen Korrelationen

Wenn Anonymität zusammenbricht, taucht nicht unbedingt plötzlich der echte Name auf.

Zuerst denkt jemand: "Diese Person klingt wie das frühere Konto." Dann wird gesehen: "Sie spricht über dieselbe Gegend." Danach kommt hinzu: "Auch die Posting-Zeit ist gleich."

So nehmen kleine Hinweise zu.

FehlermusterWas passiert
Gleicher SchreibstilWirkt ähnlich wie die Klarnamenseite oder ein früheres Konto
Gleiche Posting-ZeitÜberschneidet sich mit dem Lebensrhythmus oder der Aktivität auf der Klarnamenseite
Gleiches Bild oder gleicher BenutzernameWird über die Suche mit früheren Konten verbunden
Suche von der KlarnamenseiteSuchverlauf und Verhalten werden verknüpft
ScreenshotBenachrichtigungen, Tabs oder Kontonamen sind sichtbar
Antworten und DMsNachlassende Vorsicht führt zu zusätzlichen Informationen

Für Anonymität ist es wichtiger, häufige Fehler zu beseitigen, als eine einzelne große Gegenmaßnahme zu haben.

Korrelation bedeutet eine Verbindung, bei der mehrere Informationen auf dieselbe Person zu zeigen scheinen. Auch ohne echten Namen werden die Kandidaten enger, wenn Thema, Zeit, Schreibstil, Bilder, genutzte Dienste und Personen, auf die reagiert wird, zusammenfallen.

Anonymität kann durch eine einzelne dicke Linie scheitern. Zum Beispiel, wenn eine PDF mit echtem Namen veröffentlicht wird. Viele Fehler entstehen aber durch die Ansammlung dünner Linien. Wenn immer mehr dünne Linien dazukommen, entsteht am Ende ein Zustand, in dem andere es als "fast sicher diese Person" sehen.

StufeWas passiertBeispiel
Schwacher HinweisAllein nicht entscheidendDie Posting-Zeit ist ähnlich
ÜberlagerungMehrere Hinweise zeigen in dieselbe RichtungSchreibstil, Region und Thema sind ähnlich
Eingrenzung der KandidatenMögliche Personen oder Konten werden wenigerEin früheres Konto wird gefunden
BestätigungsmaterialStarke Informationen verbinden sieGleiches Bild, gleiche E-Mail, gleicher Login-Zustand

Wenn man diesen Ablauf versteht, denkt man weniger leicht: "Diese Information allein ist in Ordnung." Bei Anonymität muss nicht nur die einzelne Information bewertet werden, sondern auch ihre Kombination.

Auch mit Werkzeugen kann Betrieb scheitern

Auch wenn man oder ein nutzt, wird Anonymität schwächer, wenn die Nutzung selbst auseinanderfällt.

Selbst wenn ein VPN die IP ändert, kann derselbe dazu führen, dass man als derselbe Browser behandelt wird. Auch mit Tor Browser wird Verhalten mit dem Konto verbunden, wenn man sich bei einem Klarnamenkonto anmeldet. Selbst wenn Metadaten entfernt werden, verrät ein im Bildhintergrund sichtbarer Arbeitsplatzname den Ort.

Werkzeuge sind wichtig. Werkzeuge löschen aber nicht automatisch alle Fehlermuster.

Ein VPN hilft zum Beispiel dabei, die für das Ziel sichtbare IP-Adresse zu ändern. Tor Browser hilft dabei, Kommunikationsweg und Browser-Erscheinungsbild anzugleichen. Werkzeuge zur Metadatenentfernung helfen, in Dateien verbleibende Erstellernamen und Standortinformationen zu verringern.

Keines dieser Werkzeuge entfernt jedoch automatisch "Verhalten, das nach der Person selbst aussieht". Auf dieselben Themen reagieren. Zur gleichen Tageszeit posten. Dieselben Formulierungen verwenden. DMs an dieselben Personen senden. Dieselbe Datei unter anderem Namen erneut posten.

Solche Verhaltensgewohnheiten liegen außerhalb der Werkzeuge. Deshalb muss man bei Anonymität technische Gegenmaßnahmen und Betriebsregeln getrennt betrachten.

GegenmaßnahmeWas sie kannVerbleibendes Problem
VPNÄndert die sichtbare Quell-IPCookies, Login, Schreibstil und Posting-Inhalt bleiben
Tor BrowserErleichtert die Trennung von Kommunikationsweg und BrowserumgebungVerhindert keine Klarnamen-Logins oder Eingabe persönlicher Informationen
MetadatenentfernungVerringert Informationen innerhalb von DateienBildhintergrund und Textinhalt bleiben
Getrenntes KontoTrennt den nach außen sichtbaren NamenGleiches Verhalten oder gleiche Kontakte können trotzdem verbinden

Häufige Unachtsamkeit

Häufige Unachtsamkeit bei anonymer Aktivität sieht so aus.

  • Nur am Anfang vorsichtig sein und nach der Gewöhnung Prüfungen auslassen
  • Antworten und DMs für sicher halten
  • Nur die Bildmitte ansehen und den Hintergrund nicht prüfen
  • Dateinamen und Metadaten nicht ansehen
  • Dieselben Themen zur gleichen Zeit wie auf einem Klarnamenkonto behandeln
  • Informationen aus früheren Konten nicht suchen

Anonymität bricht eher im fortlaufenden Betrieb als bei der Ersteinrichtung.

Am Anfang sind alle vorsichtig. Beim Erstellen eines neuen Kontos, beim Trennen von Browsern oder beim ersten Post wird geprüft. Nach mehreren Wochen oder Monaten wird die Arbeit aber zur Routine. Wenn man sich daran gewöhnt hat, entstehen Fehler: Dateiprüfungen auslassen, Antworten überstürzen oder vom Browser der Klarnamenseite aus suchen.

Auch bisherige Erfolge führen zu Nachlässigkeit. Wenn man denkt: "Bisher war alles in Ordnung, also wird es diesmal auch in Ordnung sein", wird die Risikobewertung grob. Anonymität kann aus dem Ausbleiben früherer Fehler keinen Beweis für künftige Sicherheit ableiten.

Wenn man müde ist, unter Zeitdruck steht, wütend ist oder von jemandem gedrängt wird, werden Fehler besonders wahrscheinlich. Anonyme Aktivität braucht nicht nur technisches Wissen, sondern auch die Entscheidung, den eigenen Zustand zu sehen und anzuhalten.

Wie man Fehler verringert

Um Fehler zu verringern, prüft man jedes Mal in derselben Reihenfolge.

  1. Kommunikationsweg
  2. Browser und Login-Zustand
  3. Kontoinformationen
  4. Dateien und Bilder
  5. Posting-Inhalt
  6. Posting-Zeit
  7. Regeln für Antworten und DMs
  8. Überschneidung mit früheren Informationen

Wenn man je nach Stimmung prüft, fehlen Punkte, sobald man müde ist. Wichtig ist, die Reihenfolge der Prüfung festzulegen.

Prüfungen halten nicht durch, wenn sie zu lang und kompliziert werden. Entscheidend ist, die Punkte festzulegen, die man jedes Mal sicher ansieht.

Vor einer Veröffentlichung prüft man zum Beispiel "Konto", "Kommunikationsumgebung", "Text", "Bilder", "Dateien", "Zeit" und "Antwortregel". Bei einem Artikel mit Dateien wird die Metadatenprüfung stärker gewichtet. Bei einem Aktivitätsbericht werden Ort und Zeitpunkt stärker gewichtet. Bei internen Informationen wird das Identifizierungsrisiko durch Beteiligte und Kontext stärker gewichtet.

Nicht jeder Artikel und jeder Post muss mit derselben Tiefe geprüft werden. Eine Prüfreihenfolge sollte man aber haben. Wenn eine Reihenfolge vorhanden ist, kann man die Schwerpunkte je nach Gefährdung ändern.

Nach einem Fehler die Ursache einordnen

Wenn Anonymität gebrochen ist oder fast gebrochen wäre, ordnet man die Ursache ein.

Wenn man als Ursache bei "Unaufmerksamkeit" stehen bleibt, passiert beim nächsten Mal dasselbe. Die tatsächliche Ursache unterscheidet sich danach, ob die Umgebungstrennung unzureichend war, die Prüfung vor dem Post schwach war, Antwortregeln fehlten oder frühere Informationen nicht geprüft wurden.

UrsachentypBeispielWo verbessert wird
UmgebungsfehlerAnonyme Aktivität wurde im Klarnamenbrowser ausgeführtTrennung von Browser, OS und Gerät
InhaltsfehlerRegion, Arbeitsplatz oder Beteiligte wurden geschriebenReview vor dem Post
DateifehlerMetadaten oder Bearbeitungsverlauf blieben erhaltenVerfahren zur Dateiprüfung
BildfehlerHintergrund oder Gesichter waren sichtbarBildprüfung
BetriebsfehlerIn Antworten oder DMs wurden Informationen ausgegebenRegeln nach der Veröffentlichung
Fehler bei früheren InformationenVerbindung zu einem alten Konto entstandOSINT-Prüfung und Löschanfrage

Wenn die Ursache klar ist, wird die nächste Gegenmaßnahme konkret. Anonymität zu verbessern ist keine Frage von Moral, sondern eine Verbesserung von Verfahren.

Zusammenfassung

Typische Muster, durch die Anonymität zerbricht, liegen eher in alltäglichen Fehlern als in besonderen Angriffen.

Gleicher Schreibstil, gleiche Posting-Zeit, Wiederverwendung von Bildern oder Benutzernamen, Suche mit Klarnamenkonten, Screenshots, Antworten und DMs können zu Ursachen werden.

Anonymität lässt sich nicht allein durch Werkzeuge schützen. Wichtig ist, häufige Fehlermuster zu kennen und vor der Veröffentlichung sowie während des Betriebs zu prüfen.

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