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Grundlagen

Bedrohungsmodell für Einsteiger

Ein Bedrohungsmodell ist eine Ordnungshilfe, um zu überlegen: „Vor wem, was und in welchem Umfang will ich etwas schützen?“

Wenn man über Anonymität nachdenkt, scheitert man leicht, wenn man sofort ein Werkzeug auswählt.

Braucht man ein ? Braucht man ? Reicht Kontentrennung? Oder sollte man überhaupt nicht veröffentlichen? Das hängt davon ab, vor wem man was schützen will.

Gerade Einsteiger sollten zuerst ein einfaches Bedrohungsmodell erstellen.

Vor wem schützen?

Zuerst überlegt man, von wem etwas nicht gesehen werden soll.

GegenüberBeispiel
Allgemeine LesendeSNS-Lesende, Menschen, die über Suche kommen
BekannteFamilie, Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Schulumfeld
DienstbetreiberWebsites, SNS, Cloud-Dienste
OrganisationenArbeitgeber, Schule, Vereine oder Gruppen
Starke GegenüberOrganisationen mit Ermittlungsfähigkeit, staatliche Stellen, Angreifer

Wenn sich das Gegenüber ändert, ändern sich auch die Maßnahmen.

Ein Beitrag, den die Familie nicht sehen soll, und eine Situation, in der eine Organisation die Quelle nicht erfahren darf, brauchen unterschiedliche Vorbereitung.

Was schützen?

Als Nächstes trennt man die Informationen, die geschützt werden sollen.

Geht es nur um den Namen, auch um gewohnte Orte, auch um Beteiligte oder auch um den Kommunikationsweg?

Zu schützenBeispiel
IdentitätKlarname, Gesicht, Arbeitsplatz, Schule
Gewohnte Ortenächster Bahnhof, Region, häufig besuchte Geschäfte
BeteiligteFamilie, Mitstreitende, Quellen, Kolleginnen und Kollegen
KommunikationswegIP-Adresse, Ziel, Kommunikationszeitpunkt
Frühere Informationenalter Handle, frühere Beiträge, Suchergebnisse

Wenn unklar ist, was geschützt werden soll, werden auch die Prüfpunkte unklar.

Wie groß wäre der Schaden?

Auch die Stärke des Risikos wird getrennt betrachtet.

Ob etwas nur etwas peinlich wäre, Arbeitsplatz oder Schule betrifft oder Familie und Quellen gefährden könnte, verändert die nötige Vorsicht.

RisikoBeispiel
NiedrigEin Hobbykonto soll Bekannten nicht auffallen
MittelEs wäre problematisch, wenn Arbeitsplatz oder Schule davon erfahren
HochQuellen, hinweisgebende Personen oder Beteiligte an Aktivitäten könnten verdächtigt werden
Sehr hochRechtliche oder körperliche Gefahr oder starke Vergeltung ist möglich

Bei hohem Risiko sollte man nicht allein anhand eines Artikels entscheiden, sondern Fachleute oder vertrauenswürdige Beratungsstellen erwägen.

Von wo aus ist etwas sichtbar?

Im Bedrohungsmodell geht es nicht nur darum, „wer sieht“, sondern auch darum, „von wo aus etwas sichtbar ist“.

Dieselbe Information sieht für eine Website, einen SNS-Betreiber, das Arbeitsplatznetzwerk, die Familie oder eine Suchmaschine unterschiedlich aus.

Sichtbarer OrtBeispiele für sichtbare Informationen
Website-SeiteIP-Adresse, , Anmeldestatus, Zugriffszeit
Lesende auf SNSBeitragsinhalt, Bilder, Antworten, Profil
Suchmaschineöffentliche Seiten, Bilder, frühere Profile
Arbeitsplatz- oder SchulnetzwerkZiele, Kommunikationszeiten, Spuren der Gerätenutzung
Nahe Bekanntetypische Formulierungen, gewohnte Orte, Fotohintergründe, frühere Erzählungen

Einsteiger übersehen besonders leicht nahe Bekannte.

Inhalte, die Fremde nicht verstehen, können Familie, Kolleginnen und Kollegen oder Freunde verstehen.

An Beispielen denken

Ein Bedrohungsmodell ist mit abstrakten Worten allein schwer zu greifen.

An einigen Beispielen wird sichtbarer, welche Maßnahmen man selbst braucht.

SituationZu schützen vorWorauf achten
Ein Hobbykonto erstellenArbeitsplatz oder Bekanntealte Handles, Gesichtsbilder und gewohnte Orte nicht zeigen
Ein familiäres Problem besprechenFamilie oder Menschen in der RegionFamilienstruktur, Schule, Region und Zeitlinie verallgemeinern
Eine Aktivität ankündigenGegner oder VerfolgerVeranstaltungsort, Beteiligte, Veröffentlichungszeit und Kontaktnetz schützen
Unterlagen bereitstellenZugehörige OrganisationDateimetadaten, Zugriffshistorie und Einreichungsziel prüfen

Je nach Situation unterscheiden sich die Orte, die man prüfen muss.

Darum ist es gefährlich, ohne Bedrohungsmodell bei „erst einmal VPN“ stehenzubleiben.

Festlegen, was man nicht tut

Ein Bedrohungsmodell hilft nicht nur dabei festzulegen, was man tut, sondern auch, was man nicht tut.

In Hochrisikosituationen braucht es zum Beispiel Entscheidungen wie: nicht mit einem Klarnamenkonto kontaktieren, nicht vom Arbeitsgerät zugreifen, nicht vom Ereignisort aus posten, die Originaldatei nicht unverändert senden.

Zu vermeidende HandlungGrund
Anonyme Aktivität mit einem Klarnamenkonto durchführenVerhalten wird direkt mit der Person verbunden
Arbeitsplatz- oder Schulgerät verwendenVerwaltungslogs und Netzwerkverlauf bleiben zurück
Gesichtsfotos wiederverwendenBildersuche kann zu früheren Konten führen
Posten, obwohl man nicht urteilen kannungeprüfte Risiken bleiben
Emotional antwortenzusätzliche Informationen werden leicht hinzugefügt

Anonymität wird oft stärker dadurch geschützt, was man vermeidet, als dadurch, was man tut.

Fragen für Einsteiger

Man muss es nicht zu kompliziert machen.

Zuerst beantwortet man die folgenden Fragen.

FrageZweck
Von wem darf es nicht gesehen werden?Gegenüber festlegen
Was darf nicht sichtbar werden?zu schützende Informationen festlegen
Womit verbindet sich der aktuelle Beitrag?Korrelation betrachten
Wäre es problematisch, wenn es nach Veröffentlichung nicht löschbar ist?irreversible Informationen prüfen
Bleiben Punkte, die man nicht beurteilen kann?ungeprüfte Risiken finden

Schon diese fünf Fragen verändern die Entscheidung vor der Veröffentlichung deutlich.

Klein anfangen und aktualisieren

Ein Bedrohungsmodell ist nicht etwas, das man einmal erstellt und dann festschreibt.

Am Anfang darf es einfach sein. Man schreibt auf, von wem etwas nicht gesehen werden soll, was nicht sichtbar werden soll und welche Handlungen man vermeidet. Wenn sich Inhalt oder Risiko ändern, aktualisiert man es.

VeränderungNeu prüfenBeispiel
Der Beitragsinhalt hat sich geändertzu schützende Informationenaus Hobbybeiträgen wurden Aussagen über den Arbeitsplatz
Das Gegenüber hat sich geändertzu schützendes Gegenübernicht nur Bekannte, sondern auch Organisationen berücksichtigen
Die genutzte Umgebung hat sich geändertsichtbare Ortevon zu Hause zu öffentlichem WLAN gewechselt
Dateien kommen hinzuMetadatenPDF- oder Fotoprüfung wird nötig
Reaktionen nehmen zuUmgang nach der Veröffentlichungin Antworten oder DMs nicht zu viele Informationen geben

Ein Bedrohungsmodell muss kein schwieriges Dokument werden.

Wichtig ist, nicht zu vergessen, was man eigentlich schützt.

Werkzeuge erst nach dem Bedrohungsmodell wählen

VPN, Tor, dedizierte Browser und Werkzeuge zum Entfernen von Metadaten können nützlich sein.

Welches davon man verwenden sollte, entscheidet sich aber nach dem Bedrohungsmodell.

SituationZuerst bedenkenWas trotz Werkzeug bleibt
Quell-IP ändernvor wem die IP verborgen werden sollCookies und Anmeldestatus
Kommunikationsweg verbergenwas vor ISP oder Ziel verborgen werden sollBeitragsinhalt und Schreibstil
Datei veröffentlichenwelche Metadaten oder Hintergründe vorhanden sindpersönliche Informationen im Text
Alias-Konto erstellenwas von der Klarnamen-Seite getrennt wirdThemen, Zeiten, Bilder

Man fragt nicht „VPN verwenden?“, sondern „Was ändert sich durch VPN, und was bleibt?“

Diese Reihenfolge senkt die Überschätzung von Werkzeugen.

Bei hohem Risiko kann Nicht-Veröffentlichen eine Option sein

Wenn man ein Bedrohungsmodell erstellt, sieht man auch Situationen, in denen man besser nicht veröffentlicht.

Inhalte mit zu wenigen möglichen Personen, Inhalte, die Beteiligte hineinziehen, Inhalte mit rechtlichem Risiko oder Inhalte zu organisationsinternen Unterlagen und Quellen sind nicht immer für eine allgemeine Veröffentlichung geeignet.

Beratung, Dokumentation, Beweissicherung, Kontakt zu Fachleuten und andere Optionen außer Veröffentlichung existieren. Auch bei der Wahl einer Beratungsstelle prüft man Identitätsprüfung, Aufbewahrung von Aufzeichnungen, Kontaktweg und Umfang der einzureichenden Informationen.

Anonymität ist keine Technik, um alles zu veröffentlichen. Sie ist auch die Entscheidung, was man nicht herausgibt.

Zusammenfassung

Das Bedrohungsmodell ist der Ausgangspunkt von Anonymität.

Es legt fest, vor wem, was und in welchem Umfang geschützt wird.

Einsteiger ordnen vor der Werkzeugwahl das Gegenüber, die zu schützenden Informationen und die Risikostärke.

Nicht alle Menschen brauchen dieselben Maßnahmen.

Ein Bedrohungsmodell, das zur eigenen Situation passt, verringert sowohl übermäßige Angst als auch gefährliche Sorglosigkeit.

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