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Veröffentlichungsablauf

Vor dem Posten

Die wenigen Minuten vor dem Posten haben großen Einfluss auf die Anonymität.

Nach dem Posten können Inhalte durch Screenshots, Weiterverbreitung, Zitate und Archive bestehen bleiben. Selbst wenn man sie löscht, lassen sich die Aufzeichnungen der Personen, die sie gesehen haben, nicht löschen.

Ein Check vor dem Posten garantiert keine Perfektion.

Er kann aber offensichtliche Fehler verringern.

Fünf Punkte, die vor dem Posten geprüft werden

Zuerst werden Konto, Inhalt, Bilder, Zeitpunkt und Veröffentlichungsbereich geprüft.

PrüfpunktWarum man ihn betrachtet
KontoOb nicht versehentlich mit einem Klarnamenkonto gepostet wird
InhaltOb personenbezogene Daten, gewohnte Orte oder Eigennamen vorkommen
BilderOb Gesichter, Hintergrund, Spiegelungen oder Standortinformationen enthalten sind
ZeitpunktOb er sich mit aktuellem Standort oder Verhaltensmustern verbinden lässt
VeröffentlichungsbereichWer den Inhalt sehen kann

Diese fünf Punkte werden bei jedem Post geprüft.

Ein Post wird zu mehreren Aufzeichnungen

Ein Post endet nicht beim Text, der auf dem Bildschirm steht.

Beim Dienst können Posting-Zeitpunkt, Konto, Verbindungsquelle, Geräteinformationen, Bearbeitungsverlauf und Löschverlauf zurückbleiben. Bei Leserinnen und Lesern bleiben Benachrichtigungen, Screenshots, Zitate und Weiterverbreitungen.

Ort der AufzeichnungWas zurückbleibt
Posting-DienstKonto, Zeitpunkt, IP, Anmeldestatus, Bearbeitungsverlauf
Geräte der Leserinnen und LeserBenachrichtigungen, Screenshots, gespeicherte Bilder
SuchmaschinenTitel, Textfragmente, URL
ArchiveFrühere Versionen von Posts oder Seiten
Externe DiensteEinbettungen, Shares, Benachrichtigungen, Analyse-Logs

Der Check vor dem Posten ist die Arbeit, nicht nur den im Dienst angezeigten Inhalt zu betrachten, sondern sich auch die Aufzeichnungen vorzustellen, die nach dem Posten zurückbleiben.

Den Text prüfen

Im Text achtet man auf Informationen, durch die man auch ohne ausgeschriebenen Namen erkannt werden kann.

Information im TextRisiko
Arbeitsplatz oder SchuleZugehörigkeit oder Kandidaten werden eingegrenzt
RegionGewohnte Orte werden sichtbar
Datum oder UhrzeitWird mit Verhaltensverläufen abgeglichen
Geschichten über BeteiligteFamilie, Freundinnen und Freunde oder Mitstreitende werden hineingezogen
Einzigartige ErfahrungenBleiben als Geschichte zurück, die nur zur betroffenen Person passt

Beim erneuten Lesen betrachtet man den Post nicht mit den Augen einer "unbekannten Person", sondern mit den Augen einer Person, die einen kennt.

Das Konto prüfen

Vor dem Posten wird immer geprüft, mit welchem Konto gepostet wird.

Der verständlichste Fehler bei anonymer Nutzung ist ein versehentlicher Post mit einem Klarnamenkonto. Selbst wenn er nach kurzer Zeit gelöscht wird, kann er in Benachrichtigungen, Screenshots und Zitaten zurückbleiben.

PrüfpunktGrund
Posting-KontoOb nicht versehentlich mit einem Klarnamenkonto gepostet wird
ProfilbildOb keine früheren Bilder oder Gesichtsfotos verwendet werden
AnzeigenameOb kein alter Handle oder personenbezogene Daten zurückgeblieben sind
AnmeldestatusOb keine Klarnamenanmeldung eines anderen Dienstes vermischt ist
Verbundene AppsOb Posts nicht an externe Dienste weiterfließen

Je häufiger jemand zwischen Konten wechselt, desto wichtiger ist die Prüfung vor dem Posten.

Bilder und Links prüfen

An Posts können Bilder oder Links angehängt sein.

In Bildern können Hintergrund und Metadaten bleiben, in Links Tracking-Parameter oder Suchbegriffe.

GegenstandWas geprüft wird
FotoGesicht, Hintergrund, Spiegelung, GPS
VideoTon, Benachrichtigungen, Bewegungsroute
ScreenshotKontoname, Benachrichtigungen, Uhrzeit
URLSuchbegriffe, Empfehlungs-ID, Tracking-Parameter
FreigabelinkEigentümername, Zugriffsrechte, Bearbeitungsverlauf

Auch wenn der Text sicher ist, können Anhänge die Anonymität beschädigen.

Sich vorstellen, wie der Post gelesen wird

Vor dem Posten denkt man nicht nur an wohlwollende Leserinnen und Leser, sondern auch daran, wie eine Person liest, die jemanden identifizieren will.

Man prüft, ob Hinweise zurückbleiben, wenn der Post mit Fragen wie "Wo wohnt diese Person?", "Welcher Arbeitsplatz ist das?" oder "Mit wem hat diese Person zu tun?" gelesen wird.

Lesende PersonInformation, auf die geachtet wird
Bekannte PersonSprachgewohnheiten, gewohnte Orte, frühere Geschichten
Person vom ArbeitsplatzArbeitsinhalte, Zeitangaben, Fachbegriffe
Person aus der RegionGeschäft, Bahnhof, Schule, Landschaft
AngreiferGesicht, Bilder, frühere Posts, Kontokorrelation
DienstbetreiberIP, s, Anmeldestatus, Posting-Zeitpunkt

Ein Post wird nicht unbedingt nur von den angenommenen Leserinnen und Lesern gelesen.

Auch bei engem Veröffentlichungsbereich kann er durch Screenshots oder Teilen nach außen gelangen.

Entscheiden, einen Post zu verzögern

Posts direkt vom Ort, emotionale Posts und Antworten während einer Eskalation sind gefährlich.

Schon etwas Zeit verstreichen zu lassen, kann verhindern, dass aktueller Standort oder zusätzliche emotionale Informationen sichtbar werden.

Post, der verzögert werden sollteGrund
Foto vom OrtAktueller Standort oder Teilnehmende werden sichtbar
Post auf dem HeimwegBewegungsroute wird sichtbar
Wütende AntwortUnnötige personenbezogene Daten treten hervor
Post mit DateiPrüflücken entstehen leichter
Post mit unklaren PunktenUngeprüfte Risiken bleiben bestehen

Posts, die nicht dringend sind, werden verzögert.

Vor dem Posten kürzen

Wenn beim Check vor dem Posten ein Risiko gefunden wird, wird es entfernt.

Man muss nicht zwingend alles unveröffentlicht lassen; oft lassen sich nur die gefährlichen Teile streichen.

Was entfernt wirdBeispiel
OrtBahnhofsname, Ladenname, Schulname, Arbeitsplatzname
ZeitAusdrücke wie heute, jetzt, Uhrzeit, direkt danach
PersonenInformationen über Familie, Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Mitstreitende
Teil eines BildesGesicht, Namensschild, Hintergrund, Spiegelung
Unnötige Teile einer URLSuchbegriffe, Empfehlungs-ID, Tracking-Parameter

Ein Post kann auch dann verständlich bleiben, wenn er kürzer ist.

Manchmal wird er sogar leichter lesbar, wenn unnötige Informationen entfernt werden.

Dem Veröffentlichungsbereich nicht zu sehr vertrauen

Auch bei eingeschränkter Veröffentlichung, nur für Follower sichtbaren Posts oder geschützten Posts können Informationen nach außen gelangen.

Dazu gehören Screenshots, Zitate, Weiterleitungen, Teilen, Kontoübernahme oder der Verlust des Geräts einer Follower-Person. Der Veröffentlichungsbereich ist wichtig, aber keine unüberwindbare Wand.

VeröffentlichungseinstellungVerbleibender Hinweis
ÖffentlichJede Person kann speichern, suchen und zitieren
Nur FollowerSpeichern oder Weiterleiten durch Follower lässt sich nicht verhindern
Private GruppeScreenshots oder Weiterverbreitung durch Mitglieder bleiben möglich
Zeitlich begrenzter PostKann während der Anzeigezeit gespeichert werden
DMBleibt auf dem Gerät oder im Konto der anderen Person

Nicht "es ist begrenzt, also darf ich es schreiben", sondern "ist die Granularität auch dann unproblematisch, wenn es nach außen gelangt?" wird geprüft.

Zum Schluss laut lesen

Direkt vor dem Posten wird der Text langsam erneut gelesen.

Wenn man in Eile ist, gibt man Informationen, die im eigenen Kopf vorausgesetzt werden, leicht unverändert preis. Lautes Lesen macht es leichter, unnötige Eigennamen, starke emotionale Formulierungen sowie Hinweise auf Region oder Zeit zu bemerken.

Beim erneuten Lesen werden die folgenden Fragen genutzt.

FrageZweck
Würde eine Person, die mich kennt, es erkennen?Korrelation durch nahestehende Personen betrachten
Ziehe ich Beteiligte hinein?Informationslecks über andere verhindern
Muss ich das jetzt posten?Zeitkorrelation verringern
Gibt es Informationen, die gestrichen werden können, ohne dass der Sinn verloren geht?Unnötige Hinweise verringern
Ist es auch unter der Annahme in Ordnung, dass es nicht gelöscht werden kann?Verbreitung nach der Veröffentlichung einplanen

Zusammenfassung

Vor dem Posten werden Konto, Text, Bilder, Links, Zeitpunkt und Veröffentlichungsbereich geprüft.

Auch ohne ausgeschriebenen Namen kann man sich durch Region, Arbeitsplatz, Zeitverlauf, Beteiligte und den Hintergrund von Fotos der Identität annähern.

Ein Post lässt sich nach der Veröffentlichung nur schwer zurückholen.

Wenn Zweifel bleiben, wählt man eine der Optionen: Post verzögern, Informationen entfernen, anders formulieren oder nicht veröffentlichen.

Verwandte Werkzeuge

Reverse image search

Google Lens

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Metadata inspection

ExifTool

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Metadata removal

MAT2

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