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Checkliste vor der Veröffentlichung: für Aktivistinnen und Aktivisten

Beim Veröffentlichen von Posts oder Materialien zu Aktivitäten können nicht nur die eigene Person, sondern auch Mitstreiter, Teilnehmende, Veranstaltungsorte und Unterstützende sichtbar werden.

Fotos, Videos, Posting-Zeit, Standortinformationen, Gruppenchats, geteilte Dateien, Social-Media-Konten. Ein einziger übersehener Punkt kann auf alle Beteiligten zurückführen.

Diese Checkliste ist zur Prüfung vor Aktivitätsberichten, Ankündigungen, Foto-Posts und Materialfreigaben gedacht.

Ziel ist nicht, Aktivitäten zu stoppen.

Ziel ist, notwendige Kommunikation fortzusetzen und dabei unnötige Exponierung zu verringern.

Prüfen, ob Menschen zu sehen sind

Zuerst prüft man, ob Teilnehmende oder Mitstreiter erscheinen.

PrüfpunktGrund der Prüfung
GesichtIdentität von Teilnehmenden wird sichtbar
Kleidung oder GegenständeWerden mit anderen Fotos oder Aufnahmen vor Ort abgeglichen
Namensschild oder ArmbindeRollen oder Gruppennamen werden sichtbar
GruppenfotoWird als Liste Beteiligter behandelt
PassantenWerden ohne eigene Zustimmung veröffentlicht

Auch wenn Gesichter unkenntlich gemacht werden, können Kleidung oder Gegenstände Personen erkennen lassen.

Bei der Personenprüfung sieht man nicht nur, ob eine Person sichtbar ist, sondern ob ihre Teilnahme erkennbar wird. Auch ohne sichtbares Gesicht können auffällige Kleidung, Schuhe, Tasche, Plakat, Standposition, Körpergröße oder Gang dieselbe Person erkennbar machen. Wenn dies mit anderen Fotos, früheren Posts, Berichterstattung oder Überwachungskameraaufnahmen kombiniert wird, kann der Kandidatenkreis trotz verborgenem Gesicht enger werden.

Auch die Zustimmung sichtbarer Personen ist wichtig. Manche Menschen wollen nicht, dass Arbeitsplatz, Schule oder Familie von ihrer Teilnahme erfahren. Vor der Veröffentlichung prüft man sichtbare Personen, möglicherweise sichtbare Personen und sogar Passanten im Hintergrund.

Ort und Zeit prüfen

Als Nächstes prüft man Ort und Zeit.

Echtzeit-Posts vom Ort zeigen aktuellen Standort und Bewegungswege.

PrüfpunktGrund der Prüfung
Bahnhofsnamen oder SchilderOrt wird identifiziert
Gebäude im HintergrundVeranstaltungsort oder Aufnahmeposition wird sichtbar
Posting-ZeitAktueller Standort oder Aktivitätszeit wird sichtbar
HeimwegGewohnte Orte oder Bewegungsrichtung werden sichtbar
VeranstaltungsnameKandidaten für Teilnehmende werden eingegrenzt

Wenn es nicht nötig ist, postet man erst nach dem Verlassen des Ortes.

Ort und Zeit betrachtet man nicht getrennt, sondern in Kombination. Ein Bahnhofname allein ist ein Ortshinweis. Eine Posting-Zeit allein ist ein Hinweis auf Aktivitätszeit. Wenn Bahnhofname und Posting-Zeit jedoch zusammenkommen, zeigt das, dass jemand zu dieser Zeit an diesem Ort war.

Bei Aktivitätsberichten fragt man, ob Aktualität wirklich nötig ist. Man trennt Informationen, die jetzt herausmüssen, Informationen, die nach Ende reichen, und Informationen, die nicht veröffentlicht werden. Posts vor dem Treffen, unterwegs oder direkt nach der Auflösung können Teilnehmende und Bewegungswege gefährden.

Social Media und Konten prüfen

Man prüft, ob Aktivitätskonto und persönliches Konto vermischt sind.

PrüfpunktGrund der Prüfung
Posting-KontoOb versehentlich mit persönlichem Konto gepostet wird
ProfilbildOb es vom Klarnamenkonto wiederverwendet wird
AntwortzielOb persönliche Bekannte oder Mitstreiter hineingezogen werden
BenachrichtigungenOb Klarnameninformationen in Screenshots erscheinen
KontaktsynchronisierungOb Telefonnummern oder echte Namen verbunden sind

Vor dem Posten sieht man unbedingt nach, mit welchem Konto gepostet wird.

Bei der Kontoprüfung betrachtet man nicht nur den Posting-Bildschirm, sondern auch umliegende Bildschirme. In Screenshots können Benachrichtigungen, DMs, Icons anderer Konten, Browser-Tabs, Lesezeichen oder Dateinamen erscheinen. Auch der Fehler, mit dem Aktivitätskonto posten zu wollen, aber mit dem Klarnamenkonto zu antworten, kommt vor.

Vor dem Posten prüft man einmal den gesamten Bildschirm. Welche App ist es? Welches Konto ist es? Was erscheint in Benachrichtigungen? Ist das Freigabeziel richtig? Auch diese Prüfung verringert das Risiko eines Fehlposts.

Dateien und Links prüfen

Wenn Materialien, Bilder, Videos oder geteilte Links veröffentlicht werden, prüft man Dateiinformationen.

PrüfpunktGrund der Prüfung
DateinameEchter Name, Ort oder Vorgangsname kann enthalten sein
MetadatenGPS, Ersteller, Aufnahmezeit können bleiben
Geteilter LinkOb er für alle mit Link sichtbar eingestellt ist
EigentümernameOb ein Klarnamen-Cloudkonto sichtbar ist
BearbeitungsverlaufBeteiligte oder Kommentare können bleiben

Nicht mehr benötigte geteilte Links werden deaktiviert.

Dateien und Links sind Informationen, die nach Verbreitung schwer zurückzuholen sind. Wenn ein geteilter Link auf "alle mit dem Link" steht, lässt sich nicht kontrollieren, wohin er weitergeleitet wird. Ein bearbeitbarer Link schafft außerdem das Risiko, dass Inhalte verändert werden. Bei geteilten Ordnern prüft man, ob außer der beabsichtigten Datei noch anderes sichtbar ist.

Bei Bildern und Videos prüft man nicht nur die bearbeitete Version, sondern auch den Speicherort der Originaldaten. Wenn unbearbeitete Fotos in einer Klarnamen-Cloud oder einem geteilten Ordner bleiben, bleibt Risiko auch dann bestehen, wenn die veröffentlichte Version sicherer gemacht wurde.

Reaktion nach der Veröffentlichung festlegen

Nach Veröffentlichung können massive Online-Angriffe oder Belästigung entstehen.

Vor dem Posten legt man fest, wer antwortet, wie DMs behandelt werden und welche Löschkriterien gelten.

PrüfpunktGrund
AntwortverantwortungEmotionale Einzelreaktionen vermeiden
DM-PolitikKöderversuche und Belästigung verringern
LöschkriterienInformationen über Mitstreiter oder Orte schnell entfernen
BeweissicherungAuf Drohungen und Belästigung vorbereitet sein
BeratungsstelleNicht allein tragen

Prüfung vor der Veröffentlichung umfasst auch Betrieb nach der Veröffentlichung.

Wenn die Reaktion nach Veröffentlichung erst nach einem Problem entschieden wird, ist es spät. Während Angriffen oder massiven Online-Angriffen sinkt die Urteilskraft. Man legt vorher fest, wer antwortet, wer Beweise sichert, wer Beteiligte kontaktiert und wer Löschung entscheidet.

Am Ende das Ganze prüfen

Am Ende betrachtet man Post oder Materialien nicht einzeln, sondern als Ganzes. Man legt Haupttext, Bilder, Videos, Dateien, Links, Posting-Zeit, Konto und Antwortpolitik nebeneinander und prüft sie zusammen.

Zuletzt anzusehenGrund der Prüfung
Kombination von Text und BildOb ein im Text verborgener Ort im Bild erscheint
Posting-Zeit und OrtOb aktueller Standort oder Bewegungsweg sichtbar wird
Gesicht und KleidungOb Teilnehmende mit anderem Material abgeglichen werden können
Links und RechteOb unnötige Personen Zugriff haben
Betrieb nach VeröffentlichungOb ein Problem nicht von einer Einzelperson behandelt wird

Die Checkliste ist nicht dazu da, Aktivitäten zu bremsen. Sie ist ein Verfahren, um notwendige Kommunikation fortzusetzen und unnötige Exponierung zu verringern.

Manchmal sollte man die Prüfung nicht allein tragen. Menschen, die auf Fotos erscheinen, Menschen, die den Veranstaltungsort kennen, und Menschen, die Social-Media-Betrieb verantworten, sehen unterschiedliche Dinge. Wenn man die Zahl der Prüfenden zu stark erhöht, wird allerdings auch der Freigabebereich breiter; deshalb prüft man mit wenigen vertrauenswürdigen Personen.

Bei Informationen, deren Veröffentlichung unklar ist, ist auch die Entscheidung nötig, sie zunächst nicht herauszugeben. Aktivitätsberichte können später veröffentlicht werden, aber einmal verbreitete Gesichter, Orte und Bewegungswege sind schwer zurückzuholen. Eine Regel, unklare Informationen vorübergehend zurückzuhalten, verringert Fehler durch Veröffentlichung aus dem Moment heraus.

Zusammenfassung

Bei der Checkliste vor der Veröffentlichung für Aktivistinnen und Aktivisten prüft man Menschen, Orte, Zeiten, Social Media, Dateien und Reaktion nach Veröffentlichung.

Fotos und Videos enthalten Gesichter, Kleidung, Hintergrund, Spiegelungen und Ton.

Social-Media-Posts hinterlassen Posting-Zeit, Antworten, Konten und Benachrichtigungen.

Geteilte Dateien hinterlassen Metadaten, Eigentümernamen und Bearbeitungsverlauf.

Bei Aktivitätskommunikation braucht man die Perspektive, nicht nur sich selbst, sondern auch Mitstreiter und Veranstaltungsorte zu schützen.

Verwandte Werkzeuge

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Metadata removal

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