Anonymitätscheck für Aktivistinnen und Aktivisten
Ein Anonymitätscheck für Aktivistinnen und Aktivisten prüft Geräte, Konten, Kontaktnetze, Fotos, Post-Zeiten, Antworten und den Umgang nach der Veröffentlichung.
Beim Anonymitätscheck für Aktivistinnen und Aktivisten schaut man nicht nur auf den Inhalt der Veröffentlichung, sondern auch auf den Einsatzort, Mitstreiter, Kontaktnetze und Reaktionen nach dem Posten.
Bei gesellschaftlichem Engagement kann die Veröffentlichung einer einzelnen Person die ganze Gruppe betreffen. Ein Foto, eine Antwort oder ein geteilter Link kann Teilnehmende oder Veranstaltungsorte sichtbar machen.
Dieser Check wird in die Phasen vor der Aktivität, vor dem Posten und nach der Veröffentlichung aufgeteilt.
Er ist keine einmalige Kontrolle, sondern sollte bei jeder Aktivität wiederholt werden.
Vor der Aktivität prüfen
Vor der Aktivität werden Geräte, Konten, Kommunikationswege und Treffpunktinformationen geprüft.
| Prüfpunkt | Warum prüfen |
|---|---|
| Gerät | Ob persönliche Fotos, Benachrichtigungen oder Kontakte vermischt sind |
| Social-Media-Konto | Ob Klarnamenkonto und Aktivitätskonto getrennt sind |
| Kommunikationsweg | Ob Umfang von Gruppenchats und Einladungslinks angemessen ist |
| Treffpunktinformationen | Ob der Veröffentlichungsbereich auf das nötige Minimum begrenzt ist |
| Dateifreigabe | Ob Klarnamen-Clouds oder Bearbeitungsverläufe sichtbar sind |
Wenn die Vorbereitung vor der Aktivität Fehler reduziert, muss man vor Ort weniger hektisch reagieren.
Vor Ort prüfen
Während einer Aktivität passieren unerwartete Dinge.
Mehr Menschen kommen dazu, Medien erscheinen, die Gegenseite filmt, Sicherheitspersonal oder Polizei kommen, Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken steigt. Wer vor Ort hektisch wird, gibt über Fotos oder Antworten leichter Informationen heraus.
| Was vor Ort geprüft wird | Grund |
|---|---|
| Aufnahmebereich | Gesichter, Kleidung, Veranstaltungsort und Umstehende erscheinen |
| Posting-Rolle | Vorher festlegen, wer veröffentlicht |
| Echtzeitbezug | Prüfen, ob es jetzt veröffentlicht werden muss |
| Einwilligung der Teilnehmenden | Prüfen, ob Fotos oder Namen veröffentlicht werden dürfen |
| Notfallkontakt | Kontaktweg bei Problemen festlegen |
Vor Ort ist wichtig, Beiträge nicht nach individueller Spontanentscheidung zu vermehren.
Wenn Veröffentlichungsrolle und Veröffentlichungsmaßstab feststehen, lassen sich Teilnehmende besser schützen.
Vor dem Posten prüfen
Vor dem Posten werden Fotos, Videos, Text und Veröffentlichungszeit geprüft.
| Prüfpunkt | Warum prüfen |
|---|---|
| Gesichter und Kleidung | Teilnehmende können identifiziert werden |
| Hintergrund und Schilder | Ort oder Veranstaltungsort wird erkennbar |
| Reflexionen und Ton | Fotografierende oder Umstehende erscheinen |
| Posting-Zeit | Aktueller Standort oder Bewegungsweg wird sichtbar |
| Eigennamen im Text | Gruppen, Veranstaltungsorte oder Beteiligte erscheinen |
Immer prüfen, ob ein Echtzeitpost vom Ort wirklich nötig ist.
Beiträge, die warten können, werden erst nach dem Verlassen des Orts veröffentlicht.
Nach der Veröffentlichung prüfen
Nach der Veröffentlichung werden Antworten, Zitate, DMs und die Verbreitung geprüft.
Bei Angriffen oder Belästigung können emotionale Antworten zusätzliche Informationen offenlegen.
| Prüfpunkt | Warum prüfen |
|---|---|
| Antworten | Ob Orte oder Beteiligte zusätzlich genannt werden |
| Zitate | Wie mit Falschinformationen oder Angriffen umgegangen wird |
| DMs | Ob man in Köderung oder Belästigung hineingezogen wird |
| Screenshots | Ob Teilnehmende oder Benachrichtigungen sichtbar sind |
| Löschentscheidung | Reagieren, wenn Informationen über Mitstreiter oder Veranstaltungsorte sichtbar wurden |
Auch der Umgang nach der Veröffentlichung ist Teil der Anonymität.
Entscheidung, kein Foto zu veröffentlichen
Fotos haben in Aktivitäten eine starke kommunikative Wirkung.
Sie können aber auch zu Teilnehmendenlisten werden. Selbst wenn Gesichter verborgen sind, lassen sich Personen oder Orte aus Kleidung, Körperbau, Gegenständen, Position, Plakaten und Hintergrund ableiten.
| Zustand des Fotos | Entscheidung |
|---|---|
| Gesichter sind sichtbar | Ohne Einwilligung der Person nicht veröffentlichen |
| Ort ist klar erkennbar | Verzögern, wenn Ort oder Unterstützende gefährdet sein können |
| Wenige Personen sind sichtbar | Vorsichtig behandeln, weil Kandidaten eingegrenzt werden |
| Kinder oder Menschen in schwächerer Position sind sichtbar | Grundsätzlich Veröffentlichung vermeiden |
| Hoher Nachrichtenwert | Bearbeitung, Erklärung und Veröffentlichungsbereich prüfen |
Auch ohne Fotos lässt sich der Inhalt einer Aktivität vermitteln.
Text, Schaubilder, später aufgenommene Materialien und Bildausschnitte ohne sichtbare Gesichter sind ebenfalls Optionen.
Mitstreiter nicht hineinziehen
Beim Anonymitätscheck für Aktivistinnen und Aktivisten muss man nicht nur sich selbst, sondern auch Mitstreiter betrachten.
Menschen auf Fotos, Teilnehmende im Gruppenchat, Bearbeitende gemeinsamer Dateien und in Antworten genannte Personen. All das sind Menschen, die hineingezogen werden können.
| Hineinziehen | Worauf achten |
|---|---|
| Gruppenfoto | Wird leicht zur Liste der Beteiligten |
| Gruppenchat | Teilnehmende und Rollen werden sichtbar |
| Gemeinsame Unterlagen | Bearbeitende und Kommentare bleiben zurück |
| Erwähnung in Antworten | Konten von Mitstreitern werden verbunden |
| Veranstaltungsortinformationen | Raumgebende und Unterstützende werden sichtbar |
Bei Aktivitätsveröffentlichungen sind "ich darf sichtbar sein" und "auch mein Umfeld darf sichtbar werden" verschiedene Dinge.
Prüfen als Rolle festlegen
Ein Anonymitätscheck für Aktivistinnen und Aktivisten übersieht leicht etwas, wenn alle nur ungefähr aufpassen.
Fotoprüfung, Beitragsprüfung, Kontaktnetzverwaltung, Verwaltung von Veranstaltungsortinformationen und Reaktion auf Probleme werden als Rollen aufgeteilt.
| Rolle | Was geprüft wird |
|---|---|
| Fotoprüfung | Gesichter, Hintergrund, Reflexionen, Standortinformationen |
| Beitragsprüfung | Text, Zeit, Eigennamen |
| Kontaktnetzverwaltung | Einladungslinks, Mitglieder, Berechtigungen |
| Veranstaltungsortverwaltung | Veröffentlichungsbereich, Treffpunkt, Unterstützende |
| Sicherheitsrolle | Belästigung, Drohungen, Beratungsstellen |
Wenn es eine Rolle gibt, entsteht vor der Veröffentlichung jemand, der stoppen kann.
Nach der Aktivität nachprüfen
Nach Ende einer Aktivität werden Prüfungen durch Müdigkeit und Erleichterung leicht schwächer.
Gerade nach der Aktivität nimmt Information aber zu: Sammelposts mit Fotos, Eindrücke, Dank an Teilnehmende, Ankündigungen für das nächste Mal, Teilen von Medienlinks und Antworten an Gegner.
| Was nach der Aktivität geprüft wird | Grund |
|---|---|
| Veröffentlichte Fotos | Ob Teilnehmende oder Veranstaltungsorte sichtbar sind |
| Eindrucksposts | Ob Teilnahme oder interne Umstände sichtbar werden |
| Medienlinks | Ob Gesichter oder Gruppennamen sichtbar sind |
| Antworten | Ob durch Emotionen Informationen hinzukommen |
| Nächste Ankündigung | Ob Aktivitätsmuster zu sichtbar werden |
Posts nach einer Aktivität verbinden sich mit den Aufzeichnungen des Aktivitätstags.
Sie werden mit demselben Maßstab wie vor der Veröffentlichung geprüft.
Wenn Belästigung geschieht
Kommunikation von Aktivistinnen und Aktivisten kann Belästigung oder Drohungen auslösen.
In diesem Fall gibt man durch emotionale Antworten oder Verfolgen der Gegenseite zusätzliche Informationen heraus. Zuerst werden Beweise gesichert, die Sicherheit Beteiligter geprüft und Beratungsstellen erwogen.
| Situation | Gedanke zur Reaktion |
|---|---|
| Drohung liegt vor | Screenshots, URL und Uhrzeit sichern und beraten lassen |
| Persönliche Informationen wurden offengelegt | Verbreitungsbereich und Löschanfragen prüfen |
| Mitstreiter wird angegriffen | Sicherheit und Willen der Person bestätigen |
| Veranstaltungsort wird angegriffen | Raumgebende kontaktieren und öffentliche Informationen prüfen |
| Köder-DM kommt | Nicht antworten und Freigabebereich prüfen |
Bei Gefahr hat Sicherheit Vorrang vor Widerspruch im Netz.
Wenn die Entscheidung schwierig ist, sollte man vertrauenswürdige Unterstützende oder Fachleute konsultieren.
Wenn Beratungsstellen vorher festgelegt sind, muss man bei Angriffen oder Empörung nicht hektisch aus einer Klarnamenumgebung danach suchen.
Zusammenfassung
Der Anonymitätscheck für Aktivistinnen und Aktivisten findet vor der Aktivität, vor dem Posten und nach der Veröffentlichung statt.
Geprüft werden Geräte, Social Media, Kommunikationswege, Fotos, Videos, Veröffentlichungszeit, Antworten und geteilte Links.
Besonders wichtig ist, Mitstreiter nicht hineinzuziehen.
Aktivitätskommunikation gibt auch Informationen über andere Menschen als einen selbst nach außen.
Für sicherere Aktivität braucht es die Gewohnheit, vor der Veröffentlichung einmal zu stoppen und zu prüfen, wessen welche Informationen sichtbar sind.
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