Checkliste zur Textprüfung vor dem Posten
Vor einem anonymen Post gibt es Fehler, die sich schon dadurch verhindern lassen, dass der Text einmal erneut gelesen wird.
Der echte Name steht nicht darin. Auch der Firmenname wird nicht genannt. Ein Foto ist ebenfalls nicht angehängt.
Trotzdem können im Text Region, Beruf, Familie, Zeitpunkt, Erfahrungsberichte, Schreibstil und Überschneidungen mit früheren Posts zurückbleiben.
Der Check vor dem Posten ist keine Arbeit, um den Text schöner zu machen. Er ist Arbeit, um zu prüfen, wer was sehen kann und welche Informationen sich verbinden.
Dieser Artikel ordnet der Reihe nach ein, wie ein Text vor einem anonymen Post geprüft werden sollte.
Zuerst direkte Identifikatoren suchen
Zuerst werden leicht erkennbare Informationen gesucht.
Dazu gehören echte Namen, Adresse, Firmenname, Schulname, Ladenname, Einrichtungsname, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Benutzername und konkrete URLs.
| Zu prüfende Information | Beispiel | Hinweis |
|---|---|---|
| Personenname | Echter Name, Spitzname, Namen Beteiligter | Nicht nur sich selbst, auch andere einbeziehen |
| Organisationsname | Firma, Schule, Gruppe | Auch Abkürzungen und interne Bezeichnungen prüfen |
| Ort | Adresse, Stationsname, Ladenname | Gewohnte Orte werden sichtbar |
| Kontakt | E-Mail, Telefon, ID | Bleibt auch in Bildern und Screenshots zurück |
| URL | Verwaltungsoberfläche, Freigabelink | Auch Parameter betrachten |
Direkte Identifikatoren werden grundsätzlich entfernt oder durch allgemeinere Ausdrücke ersetzt, wenn sie gefunden werden.
Bitte höre aber nicht damit auf, nur den Namen zu löschen. Bei Anonymität ist die nächste Schicht wichtig.
Danach Informationen betrachten, die Kandidaten eingrenzen
Auch wenn direkte Identifikatoren entfernt wurden, bleiben Informationen, die Kandidaten eingrenzen.
Region, Beruf, Position, Berufsjahre, Alter, Familienstruktur, Schuljahr, Zugehörigkeitsgemeinschaft und Fachgebiet werden in Kombination zu starken Hinweisen.
| Information | Was sichtbar wird | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| Region | Gewohnte Orte, Bewegungsbereich | Ob Bahnhofs- oder Ladennamen wirklich nötig sind |
| Beruf | Branche, Stellung | Ob es sich mit Region oder Berufsjahren überschneidet |
| Position | Kandidaten innerhalb einer Organisation | Ob es eine Position ist, die nur eine Person innehat |
| Familienstruktur | Altersgruppe, Lebensumfeld | Ob Personen im Umfeld hineingezogen werden |
| Fachgebiet | Zugehörigkeit, Forschung, Zuständigkeit | Ob es dasselbe Thema wie auf der Klarnamenseite ist |
Hier wird nicht jedes Wort einzeln betrachtet, sondern die Kombination.
Wenn "ländliche Region", "medizinischer Beruf", "Nachtschicht" und "hat Kinder" gleichzeitig erscheinen, werden die Kandidaten deutlich eingegrenzt.
Erfahrungsberichte und Zeitabläufe betrachten
Erfahrungsberichte sind überzeugend, schwächen aber zugleich Anonymität.
Wenn Reihenfolge von Ereignissen, genaue Daten, Besprechungen, Unterricht, Wege oder Austausch mit Beteiligten bleiben, können sie mit internen Aufzeichnungen oder realen Ereignissen abgeglichen werden.
| Was geprüft wird | Grund | Beispiel für Ersatz |
|---|---|---|
| Genaues Datum | Kann mit Aufzeichnungen abgeglichen werden | Vor Kurzem, vor einigen Monaten |
| Reihenfolge der Ereignisse | Erfahrene Personen werden eingegrenzt | Einen Teil zusammenfassen |
| Besprechungsname oder Unterrichtsname | Beteiligte werden sichtbar | Regelmäßige Besprechung, Unterricht |
| Positionen vorkommender Personen | Einzelpersonen treten hervor | Führungskraft, Beteiligte |
| Beschreibung vor Ort | Ort wird sichtbar | Nur den nötigen Umfang stehen lassen |
Erfahrungsberichte müssen nicht vollständig gelöscht werden.
Während die für Leserinnen und Leser nötige Bedeutung erhalten bleibt, wird die Genauigkeit verringert, mit der man der betroffenen Person oder Beteiligten näherkommt.
Reihenfolge der Überarbeitung festlegen
Wenn beim Check ein Problem gefunden wird, wird nicht wahllos korrigiert, sondern die Reihenfolge festgelegt.
Zuerst werden direkte Identifikatoren entfernt. Danach werden Informationen, die Kandidaten eingrenzen, verallgemeinert. Anschließend werden Zeitabläufe im Erfahrungsbericht und Korrelationen des Schreibstils geprüft. Zum Schluss werden Informationen außerhalb des Textes geprüft, etwa Bilder und URLs.
| Reihenfolge | Arbeit | Grund |
|---|---|---|
| 1 | Namen und Organisationsnamen entfernen | Direkte Identifizierung vermeiden |
| 2 | Region und Position verallgemeinern | Verhindern, dass Kandidaten zu stark eingegrenzt werden |
| 3 | Zeitablauf unschärfer machen | Abgleich mit realen Aufzeichnungen erschweren |
| 4 | Schreibstil und Thema betrachten | Korrelation mit der Klarnamenseite verringern |
| 5 | Bilder, URLs und Dateien prüfen | Lecks außerhalb des Textes verhindern |
Mit dieser Reihenfolge sinkt die Zahl übersehener Punkte.
Wichtig ist, nach der Textüberarbeitung nicht erst Bilder anzusehen, sondern das gesamte Veröffentlichungsobjekt am Ende noch einmal zu prüfen.
Schreibstil und Thema betrachten
In Texten erscheinen Gewohnheiten der schreibenden Person.
Häufig genutzte Formulierungen, Auswahl von Beispielen, Absatzbau, Art der Verärgerung und Reihenfolge von Erklärungen verbinden sich mit Klarnamenkonten oder früheren Posts.
| Was geprüft wird | Was sichtbar wird | Hinweis |
|---|---|---|
| Gewohnte Formulierungen | Schreibstilkorrelation | Gleiche Ausdrücke wie auf der Klarnamenseite vermeiden |
| Gleiches Thema | Themenkorrelation | Fachgebiet oder Region werden sichtbar |
| Gleiche Struktur | Gewohnheit der schreibenden Person | Nur die Satzenden leicht zu ändern reicht nicht |
| Emotionale Ausdrücke | Zusätzliche Informationen treten hervor | Vor dem Posten Abstand nehmen |
Den Schreibstil vollständig zu entfernen ist schwierig.
Aber schon wenn dieselben Themen, dieselbe Struktur und dieselben Formulierungen wie auf der Klarnamenseite vermieden werden, lassen sich starke Korrelationen verringern.
Auch außerhalb des Textes prüfen
Der Check vor dem Posten endet nicht beim Text.
Auch Bilder, Dateien, URLs, Screenshots, Profil, Posting-Zeit und geplante Antworten werden geprüft.
| Gegenstand | Was geprüft wird |
|---|---|
| Bilder | Hintergrund, Spiegelungen, Schilder, Namensschilder, Standortinformationen |
| Dateien | Dateiname, Ersteller, Metadaten |
| URL | Suchbegriffe, Informationen zur teilenden Person, Tracking-Parameter |
| Screenshots | Benachrichtigungen, Tabs, Kontoname |
| Posting-Zeit | Ob sie direkt nach einem realen Ereignis liegt |
Auch wenn nur der Text korrigiert wurde, bricht Anonymität zusammen, wenn in Anhängen oder Bildern Informationen bleiben.
Das gesamte Veröffentlichungsobjekt wird als ein zusammenhängendes Set geprüft.
Zum Schluss aus anderer Leserperspektive lesen
Zum Schluss wird der Text aus anderen Leserperspektiven erneut gelesen.
Wenn eine unbekannte Person ihn liest, wenn jemand aus derselben Branche ihn liest, wenn jemand aus demselben Arbeitsplatz oder derselben Schule ihn liest oder wenn Familie oder Freundinnen und Freunde ihn lesen, sind jeweils andere Informationen sichtbar.
| Leserperspektive | Was sichtbar wird | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| Allgemeine Leserschaft | Textinhalt | Ob unnötige personenbezogene Informationen fehlen |
| Personen aus derselben Branche | Fachlichkeit, Begriffe | Ob Beruf oder Zugehörigkeit eingegrenzt werden |
| Personen aus derselben Organisation | Interne Begriffe, Zeitablauf | Ob postende Person oder Beteiligte hervortreten |
| Familie und Bekannte | Gewohnte Orte, Sprachgewohnheiten | Ob es sich mit dem realen Leben verbindet |
| Untersuchende Person | Kombination mehrerer Informationen | Ob es mit früheren Informationen abgeglichen werden kann |
Bei Anonymität darf nicht nur eine unbekannte externe Person angenommen werden.
Tatsächlich bemerken es manchmal nahe Personen oder interne Personen, die die Umstände kennen.
Zeichen, dass der Post gestoppt werden sollte
Wenn beim Check eine Information übrig bleibt, bei der du unsicher bist, wird der Post gestoppt.
Wenn ungeklärte Punkte stehen bleiben und trotzdem veröffentlicht werden, kann es nach der Veröffentlichung unmöglich werden, es rückgängig zu machen.
- Du kannst nicht erklären, warum diese Information nötig ist
- Es fällt dir eine konkrete Person ein
- Du hast das Gefühl, dass interne Personen es verstehen könnten
- Bilder oder Dateien sind nicht vollständig geprüft
- Du schreibst aus Wut oder Eile
- Es wäre problematisch, wenn du es nach der Veröffentlichung nicht löschen kannst
Wenn einer dieser Punkte zutrifft, wähle eine der folgenden Optionen: Text überarbeiten, Abstand nehmen, Veröffentlichungsbereich ändern, Beratungsstelle suchen oder nicht posten.
Hochriskante Texte nicht allein beurteilen
Bei Whistleblowing, Quellenschutz, Schadensmeldungen oder Inhalten, bei denen Vergeltung am Arbeitsplatz oder in der Schule möglich ist, sollte manchmal nicht nur anhand einer Checkliste entschieden werden.
Denn nicht nur die eigene Person kann aus dem Text vermutet werden, auch Beteiligte oder Informationsquellen können hineingezogen werden.
In solchen Fällen sollte vor einem öffentlichen Post geprüft werden, ob eine vertrauenswürdige Unterstützungsorganisation, Anwältin oder Anwalt, Redaktion oder Fachstelle konsultiert werden kann.
Eine Checkliste ist nützlich, entscheidet aber nicht stellvertretend über jede Situation.
Zusammenfassung
Textprüfung vor dem Posten bedeutet nicht nur, Namen zu löschen.
Direkte Identifikatoren, Informationen zur Eingrenzung von Kandidaten, Erfahrungsberichte, Zeitabläufe, Schreibstil, Themen, Bilder, Dateien, URLs und Posting-Zeit werden der Reihe nach betrachtet.
Wichtig ist nicht die einzelne Information, sondern die Kombination.
Auch Informationen, die für allgemeine Leserinnen und Leser nicht verständlich sind, können für Menschen verständlich sein, die denselben Arbeitsplatz, dieselbe Schule, dieselbe Region, die Familie oder frühere Posts kennen.
Wenn ungeklärte Punkte übrig bleiben, poste nicht überstürzt. Vor der Veröffentlichung zu stoppen ist ebenfalls eine Handlung, die Anonymität schützt.