Beruf oder Zugehörigkeit sind nicht immer Informationen, die eine Person direkt beim Namen nennen.
Für Anonymität werden sie aber zu sehr starken Hinweisen.
Informationen wie "arbeitet in einem regionalen Krankenhaus", "Buchhaltung in einem kleinen Unternehmen", "in einem Labor einer bestimmten Universitaet" oder "im fünften Jahr in einer bestimmten Branche" grenzen Kandidaten stark ein, wenn sie mit Region, Zeitraum und Beitragsinhalt zusammenkommen.
Auch ohne Klarnamen kann man über Beruf oder Zugehörigkeit der Identität näherkommen.
Dieser Artikel ordnet ein, wie Berufs- und Zugehörigkeitsinformationen mit Anonymität zusammenhängen und wie man sie verallgemeinern sollte.
Beruf und Zugehörigkeit grenzen Kandidaten ein
Beruf und Zugehörigkeit können für sich allein breit wirken.
Zusammen mit anderen Informationen verengen sie aber den Kreis der Kandidaten.
Information
Beispiel
Hinweis für Anonymität
Beruf
Pflegekraft, Lehrkraft, Ingenieur, Reporter
Branche oder Qualifikation grenzen Kandidaten ein
Zugehörigkeit
Unternehmen, Schule, Organisation, Abteilung
Innerhalb der Organisation leichter identifizierbar
Rolle
Leitung, Verantwortliche Person, Teamlead
Bei wenigen Personen ein starker Hinweis
Erfahrungsjahre
Im dritten Jahr, seit über zehn Jahren
Verbindet sich mit Alter oder Lebenslauf
Zustaendigkeit
Recruiting, Buchhaltung, Sicherheit, PR
Grenzt Kandidaten innerhalb der Organisation ein
"Ich nenne den Firmennamen nicht, also bin ich sicher" stimmt nicht.
Wenn Branche, Region, Rolle und Zeitlinie zusammenkommen, wird es für Personen mit Kontext erkennbar.
Kombination mit Region und Zeit
Berufs- und Zugehörigkeitsinformationen werden stärker, wenn sie mit Region oder Zeit kombiniert werden.
Kombination
Was geschieht
Beruf + Region
Kandidaten werden auf Personen derselben Branche in der Region eingegrenzt
Abteilung + Ereignis
Personen, die es in der Organisation wissen konnten, werden eingegrenzt
Rolle + Jahre
Rueckt nahe an den individuellen Lebenslauf
Posting-Zeit + Arbeitsform
Lebensrhythmus und Arbeitsumfeld werden sichtbar
Fachbegriffe + Erfahrungsbericht
Arbeitsbereich wird vermutet
Wenn man zum Beispiel "ein Ereignis nach der Nachtschicht in einem mittelgroßen Krankenhaus in Kansai" schreibt, wird der Bereich auch ohne Krankenhausnamen enger.
Wenn dann Posting-Zeit, Foto, frühere Beiträge und Schreibstil dazukommen, sinkt die Zahl der Kandidaten weiter.
Informationen, die interne Personen verstehen
Bei Anonymität denkt man nicht nur daran, ob Aussenstehende etwas verstehen, sondern auch daran, ob interne Personen es verstehen.
Interne Begriffe, Abteilungsnamen, Meetingnamen, Projektnamen und eigene Abkürzungen können für externe Leser unverstaendlich sein, sind für interne Personen aber starke Hinweise.
Hinweis
Was interne Personen verstehen
Interne Abkürzung
Abteilung oder Projekt
Meetingname
Teilnehmende oder Zeitpunkt
Arbeitsablauf
Zustaendige Abteilung oder Rolle
Eigene Rollenbezeichnung
Stellung in der Organisation
Formulierung in verteilten Unterlagen
Herkunft und Verteilerkreis der Unterlage
Bei Whistleblowing oder Beratung zu Problemen am Arbeitsplatz ist besondere Vorsicht nötig.
Auch wenn etwas anonym nach außen gegeben wird, kann der Kreis der Kandidaten kleiner werden, sobald Personen in der Organisation es lesen.
Wie man verallgemeinert
Beim Verallgemeinern von Beruf und Zugehörigkeit senkt man die Präzision, während die Bedeutung erhalten bleibt.
Urspruengliche Formulierung
Verallgemeinerung
Hinweis
Pflegekraft in der Notaufnahme des Krankenhauses X
Person, die in einer medizinischen Einrichtung arbeitet
Abteilung und Krankenhausnamen entfernen
Buchhaltung in einem kleinen SaaS-Unternehmen in Tokio
Backoffice-Person in einem Unternehmen
Region und Größe nicht zugleich nennen
Universitaetsname und Laborname
Forschungseinrichtung
Bei engem Fachgebiet weiter verallgemeinern
Recruiting-Verantwortlicher
Rolle mit Personalbezug
Vorsicht, wenn es diese Rolle nur einmal gibt
Im dritten Jahr nach Eintritt
Arbeitet seit einigen Jahren dort
Exakte Jahreszahl vermeiden
Wenn man zu stark verallgemeinert, kann der Inhalt unklar werden.
In Situationen, in denen Anonymität wichtig ist, priorisiert man jedoch Sicherheit vor Konkretheit.
Prüfung vor dem Posten
Bei Berufs- und Zugehörigkeitsinformationen prüft man folgende Punkte.
Ist die Berufsbezeichnung zu konkret?
Werden Arbeitgeber, Schule oder Organisationsname genannt?
Sind Abteilung, Rolle oder Zustaendigkeitsbereich zu eng?
Kombiniert es sich mit Region, Jahren oder Zeitpunkt?
Bleiben interne Begriffe oder branchenspezifische Ausdrücke?
Bleiben Zugehörigkeitsinformationen in Fotos oder Dateinamen?
Man prüft nicht nur den Text, sondern auch Unterlagen, Bilder, Audio, PDF und Office-Dokumente.
Beruf oder Zugehörigkeit erscheinen auch in Dokumentmetadaten und Dateinamen.
Hochriskante Situationen
Bei Whistleblowing, Konflikten am Arbeitsplatz, Problemen in Schulen und Quellenschutz ist der Umgang mit Beruf und Zugehörigkeit besonders wichtig.
Wenn nur wenige Personen eine Information kennen konnten, bleiben Kandidaten auch dann übrig, wenn Beruf oder Abteilung verallgemeinert werden.
Wenn zum Beispiel nur fünf Personen an einer bestimmten Besprechung teilgenommen haben, bleiben es auch ohne Firmenname fünf Kandidaten.
In solchen Fällen betrachtet man auch Art der Darstellung, Zeitpunkt, Einreichungsziel und Beratungsstelle.
Je nach Bedarf sollte man Beratung durch Anwälte, Unterstützungsorganisationen oder vertrauenswürdige Redaktionen erwägen.
Hauefige Fehler
Fehler bei Beruf und Zugehörigkeit entstehen oft aus dem Missverständnis: "Ich habe den Firmennamen nicht genannt, also ist es in Ordnung."
Fehler
Was geschieht
Beruf und Region zugleich nennen
Kandidaten in der Region werden eingegrenzt
Abteilungsnamen nur leicht verallgemeinern
Interne Personen verstehen es trotzdem
Erfahrungsjahre exakt schreiben
Verbindet sich mit Alter und Lebenslauf
Fachbegriffe unverändert verwenden
Branche oder Organisation wird erkennbar
Posting-Zeit überschneidet sich mit Arbeitszeit
Handlungen während der Arbeit oder Arbeitsform werden vermutet
Beruf und Zugehörigkeit wirken für Unbeteiligte breit.
Für Personen in derselben Branche, derselben Region oder derselben Organisation sind sie aber enge Informationen.
Bei Anonymität achtet man darauf, dass die Stärke einer Information davon abhängt, wer sie liest.
Getrennt von anderen Hinweisen prüfen
Berufs- und Zugehörigkeitsinformationen erscheinen nicht nur im Text, sondern auch in Dateien und Bildern.
Office-Ersteller, Firmenname in PDFs, Namensschilder, Uniformen, Bildschirmbenachrichtigungen, Mail-Signaturen und Dateinamen können Zugehörigkeitsinformationen enthalten.
Wenn man Beruf oder Zugehörigkeit verallgemeinert, prüft man nicht nur den Text, sondern das gesamte Veröffentlichungsmaterial.
Mit Blick auf die Leser prüfen
Die Stärke von Informationen zu Beruf und Zugehörigkeit hängt davon ab, wer sie liest.
Formulierungen, die allgemeine Leser nicht verstehen, können für Personen am selben Arbeitsplatz, in derselben Schule oder in derselben Branche erkennbar sein.
Vor der Veröffentlichung denkt man: "An wen würde eine Person denken, die die Umstände kennt?"
Diese Prüfung ist allein oft schwierig.
Bei riskanten Inhalten kann man eine vertrauenswürdige dritte Person lesen lassen und prüfen, welche Organisation oder Rolle ihr einfällt.
Allerdings gibt man auch dieser Beratungsperson Informationen. Die Auswahl der Person muss deshalb sorgfältig erfolgen.
Auch wenn man niemanden konsultieren kann, hilft es manchmal, eine Nacht Abstand zu nehmen und erneut zu lesen. Dann fallen Zugehörigkeitsinformationen auf, die man aus dem Moment heraus geschrieben hat.
Nicht überstürzt zu posten ist ebenfalls eine realistische Maßnahme, um Zugehörigkeitskorrelation zu reduzieren.
Zusammenfassung
Beruf und Zugehörigkeit sind starke Hinweise, die Anonymität schwächen.
Auch ohne Unternehmens- oder Schulnamen grenzen Beruf, Abteilung, Rolle, Erfahrungsjahre, Region, Posting-Zeit und Fachbegriffe Kandidaten ein, wenn sie zusammenkommen.
Wenn man anonym schreibt, ändert man Beruf und Zugehörigkeit in breitere Formulierungen und vermeidet, sie zu stark mit Region oder Zeitpunkt zu kombinieren.
Auch Ausdrücke, die nur interne Personen verstehen, brauchen Aufmerksamkeit.
Bei Anonymität muss man nicht nur an externe Leser denken, sondern auch daran, wie es wirkt, wenn Personen am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Organisation es lesen.
Gerade Informationen nahe an Zugehörigkeit lassen sich nach einer Veröffentlichung schwer wieder trennen.
Beim Überarbeiten eines Beitrags setzt man zuerst Beruf und Zugehörigkeit auf breitere Formulierungen zurück und prüft danach Region, Zeitpunkt, Rolle und Fachbegriffe nacheinander.
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