Auch wenn man glaubt, anonym zu schreiben, können sich nach und nach persönliche Informationen in den Text mischen.
Familienkonstellation, Arbeitsweg, Schule, Arbeitsplatz, Hobbys, gewohnte Orte, Krankenhaus, häufig besuchte Geschäfte, frühere Erfahrungen.
All das sind alltägliche Informationen. Gerade deshalb merkt die betroffene Person oft schwer, dass sie riskant sind.
Für Anonymität sind aber gerade Alltagsdetails starke Hinweise. Eine einzelne Information kann breit sein, doch wenn mehrere zusammenkommen, wird der Kreis der Kandidaten enger.
Dieser Artikel ordnet ein, wie personenbezogene Informationen preisgegeben werden, wie sie kombiniert werden und was vor der Veröffentlichung geprüft werden sollte.
Was personenbezogene Informationen sind
Personenbezogene Informationen sind nicht nur bürgerlicher Name und Adresse.
Gemeint sind Informationen, die allgemein an eine Person oder ihr Leben heranführen. Auch Inhalte, die man selbst für normale Gesprächsthemen hält, werden bei Anonymität zu Identifikationsmaterial.
Information
Beispiel
Worauf bei Anonymität zu achten ist
Familieninformationen
Geschwister, Ehepartner, Kinder, Pflege
Alter und Lebensumfeld werden sichtbar
gewohnte Orte
nächstgelegener Bahnhof, häufig besuchte Geschäfte, Krankenhaus
Bei Anonymität ist wichtig, den Begriff "personenbezogene Informationen" nicht zu eng zu verstehen.
Es geht nicht nur darum, ob etwas im rechtlichen Sinn personenbezogene Daten sind, sondern ob es zu einer Person hinführt.
Kleine Informationen verbinden sich
Personenbezogene Informationen wirken einzeln oft schwach.
"Ich lebe in einer Großregion", "ich arbeite im medizinischen Bereich", "ich habe Nachtschichten", "ich habe Kinder" trifft jeweils auf viele Menschen zu.
Wenn sich diese Informationen aber im selben Konto ansammeln, wird der Kreis der Kandidaten enger.
Kombination
Was sichtbar wird
Worauf zu achten ist
Region + Beruf
Personen derselben Branche in dieser Region
Kandidatenzahl sinkt stark
Familienkonstellation + Arbeitszeit
Lebensrhythmus
reale Bekannte erkennen es leichter
Hobby + Veranstaltungsteilnahme
zugehörige Community
Verbindung zu Fotos oder Teilnahmedaten
Schule + Jahrgangsstufe + AG/Verein
kleine Gruppe
Beteiligte können es vermuten
frühere Erfahrung + aktuelles Problem
Verlauf derselben Person
Verbindung zu anderem Konto
Wenn Anonymität bricht, erscheint nicht immer sofort der bürgerliche Name.
Zuerst wird oft der Kreis eingegrenzt: "eine Person aus dieser Region, mit diesem Beruf und diesem Lebensrhythmus".
Manchmal werden zuerst Menschen im Umfeld sichtbar
Personenbezogene Informationen betreffen nicht nur einen selbst, sondern auch Menschen im Umfeld.
Wenn man Informationen über Familie, Kolleginnen und Kollegen, Mitschülerinnen und Mitschüler, Quellen, Ratsuchende, Betroffene oder Freunde schreibt, können diese Personen zuerst identifiziert werden.
Geschriebene Information
Sichtbare Person
Worauf zu achten ist
Beruf eines Familienmitglieds
das Familienmitglied selbst
Familie wird vor der postenden Person eingegrenzt
Merkmale einer Kollegin oder eines Kollegen
Person am Arbeitsplatz
interne Personen erkennen die Person
seltene Erfahrung eines Freundes
frühere Informationen des Freundes
Anonymität des Freundes wird beschädigt
Region einer ratsuchenden Person
gewohnte Orte der ratsuchenden Person
Betroffene oder Menschen in schwächerer Position werden hineingezogen
Position einer Quelle
Informationsgeberin oder Informationsgeber
hochriskantes Schutzobjekt
Wer anonym schreibt, sollte nicht nur auf die eigene Sicherheit schauen.
Informationen über Menschen im Umfeld können, wenn sie ohne deren Zustimmung veröffentlicht werden, kaum rückgängig zu machende Folgen haben.
Welche Informationen verallgemeinern
Beim Verallgemeinern personenbezogener Informationen trennt man Bedeutung und Genauigkeit.
Die für Lesende nötige Bedeutung bleibt erhalten, die Genauigkeit, mit der man an die Person oder ihr Umfeld herankommt, wird verringert.
Ursprüngliche Formulierung
Verallgemeinerung
Abgesenkte Genauigkeit
Ich wohne an der Chuo-Linie
Ich wohne in einem Stadtgebiet
Linienname, gewohnte Orte
Ich habe zwei Kinder im Grundschulalter
Ich habe Familie
Anzahl, Alter
Buchhaltung in einem kleinen IT-Unternehmen in Tokyo
Backoffice in einem Unternehmen
Region, Branche, Details der Tätigkeit
Ich war letztes Jahr im Krankenhaus X
Ich war in medizinischer Behandlung
Einrichtungsname, Zeitpunkt
Am Wochenende bin ich bei einer bestimmten Veranstaltung
Ich nehme an Treffen zu meinem Hobby teil
Veranstaltungsname, Teilnahmeverlauf
Wenn zu stark verallgemeinert wird, kann die Bedeutung des Textes verschwinden.
In Situationen, in denen Anonymität wichtig ist, muss die Entscheidung aber eher auf die sichere Seite fallen als auf bessere Lesbarkeit.
Personenbezogene Informationen bleiben auch in Fotos, Dateien und URLs
Personenbezogene Informationen erscheinen nicht nur im Text.
Sie bleiben auch in Fotohintergründen, Dateinamen, Screenshots, Erstellerinformationen in PDFs, Suchbegriffen in URLs und Freigabelinks des Browsers.
Ort
Bleibende Information
Was zu prüfen ist
Foto
Wohnung, Schule, Arbeitsplatz, Geschäft, Bahnhof
Hintergrund und Spiegelungen vergrößert prüfen
Dateiname
Name, Projektname, Datum
in einen Namen für die Veröffentlichung ändern
PDF- oder Office-Dokument
Ersteller, Firmenname, Bearbeitungsverlauf
Metadaten prüfen
URL
Suchbegriffe, Nutzer-ID, Freigabeinformationen
unnötige Parameter entfernen
Screenshot
Benachrichtigungen, Kontoname, Tabs
bis an den Bildschirmrand prüfen
Auch wenn der Text sorgfältig überarbeitet wurde, schwächen Informationen in Bildern oder Dateien die Anonymität stark.
Vor der Veröffentlichung prüft man Text, Anhänge, Bilder und URLs als ein gemeinsames Veröffentlichungsobjekt.
Prüfung vor der Veröffentlichung
Um die Preisgabe personenbezogener Informationen zu vermeiden, liest man vor dem Posten mit folgenden Fragen erneut:
Kommen bürgerlicher Name, Adresse, Schulname oder Firmenname vor?
Werden Familienkonstellation, Arbeitsweg oder gewohnte Orte zu genau sichtbar?
Treten Beruf, Alter, Erfahrung und Region gleichzeitig auf?
Gibt es Informationen, mit denen Menschen im Umfeld identifiziert werden können?
Wird der Kreis der Kandidaten enger, wenn frühere Beiträge dazukommen?
Bleiben personenbezogene Informationen in Fotos, Dateien oder URLs?
Wichtig ist bei dieser Prüfung, nicht bei der Suche nach einzelnen Wörtern stehenzubleiben.
Nicht "kein Name, also in Ordnung", sondern "an wen führt diese Kombination von Informationen heran?" ist die relevante Frage.
Informationen ansehen, die das frühere Ich hinterlassen hat
Personenbezogene Informationen lassen sich nicht anhand eines einzelnen Artikels beurteilen.
Wenn frühere Angaben zum beruflichen Werdegang, alte Handles, Profilbilder, Hobbybeiträge, Reisefotos oder Erzählungen über Schule und Arbeitsplatz erhalten sind, verbinden sie sich mit dem aktuellen Beitrag.
Frühere Information
Aktuelle Information
Was verbunden wird
altes Profil
aktueller Beruf
Kontinuität des Lebenslaufs
Reisefoto
Erzählung über gewohnte Orte
Bewegungsradius oder Wohnort
Hobbykonto
Thema eines anonymen Beitrags
Teilnahme an derselben Community
alter Blog
Erzählungen über Familie oder Schule
Personenbild von früher und heute
Bei der Prüfung von Anonymität schaut man nicht nur auf den gerade geschriebenen Text, sondern auch auf die Informationen, die das frühere Ich veröffentlicht hat.
Das Ordnen früherer Informationen und die Prüfung über Suche werden in einem anderen Artikel ausführlicher behandelt. Hier ist wichtig festzuhalten: personenbezogene Informationen sammeln sich über die Zeit hinweg an.
Bei hochriskanten Inhalten Beratungswege bedenken
Bei Arbeitsplatzkonflikten, Problemen in der Schule, familiären Problemen, Gewalterfahrungen, Whistleblowing oder Inhalten über Quellen wiegt der Umgang mit personenbezogenen Informationen schwerer.
Wer solche Inhalte öffentlich macht, beeinflusst nicht nur sich selbst, sondern auch Beteiligte.
Trennen Sie, ob das Ziel Veröffentlichung, Beratung oder Dokumentation ist.
Wenn Beratung das Ziel ist, kann es geeigneter sein, nicht öffentlich zu posten, sondern mit Anwältinnen und Anwälten, Unterstützungsorganisationen, Fachstellen oder vertrauenswürdigen Redaktionen zu sprechen.
Wenn es um hochriskante Inhalte geht, entscheiden Sie nicht allein auf Grundlage dieses Artikels über eine Veröffentlichung. Je nach Lage ist es wichtig für Anonymität und Sicherheit, sich an Anwältinnen und Anwälte, Unterstützungsorganisationen, Fachstellen oder vertrauenswürdige Redaktionen zu wenden.
Zusammenfassung
Die Preisgabe personenbezogener Informationen ist nicht nur ein Problem von bürgerlichem Namen und Adresse.
Familie, gewohnte Orte, Arbeitsplatz, Schule, Hobbys, Lebenslauf, Gesundheit, Beratungsinhalte, Fotos, Dateinamen und URLs werden zu Hinweisen, die an eine Person oder ihr Umfeld heranführen.
Eine einzelne Information kann schwach sein. Zusammen mit Region, Zeit, Beruf, früheren Beiträgen und Bildern wird der Kreis der Kandidaten enger.
Wer anonym veröffentlicht, löscht nicht nur Namen, sondern prüft, wo Details aus dem eigenen Leben geblieben sind.
Ebenso wichtig ist, Familie, Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Quellen sowie ratsuchende Personen nicht hineinzuziehen.
Verwandte Werkzeuge
OSINT directory
OSINT Framework
Eine externe Ressource zu diesem Artikel. Öffne sie nur, wenn sie zu deiner Situation und deinem Bedrohungsmodell passt.
Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.