Risiken durch Standortinformationen, Bewegungsverlauf und gewohnte Orte
In Posts rund um Aktivitäten erscheinen Standortinformationen leicht.
Treffpunkt, Veranstaltungsort, nächster Bahnhof, Fotos unterwegs, Posts nach der Heimkehr, häufig genutzte Geschäfte, lokale Themen. All das wirkt natürlich, zeigt in Kombination aber gewohnte Orte und Bewegungsmuster.
Für Aktivistinnen und Aktivisten betreffen Ortsinformationen nicht nur sie selbst, sondern auch Mitstreiter und Veranstaltungsorte.
"Wo man war" verbindet sich auch mit "mit wem man war" und "wohin man zurückkehrt".
Standortinformationen sind nicht nur Fotos
Bei Standortinformationen denkt man vielleicht an GPS.
Orte lassen sich jedoch auch aus anderem als GPS erkennen. Hintergrund, Schilder, Bahnhofsnamen, Posting-Zeit, Wetter, Speisekarten, lokale Themen und Fragmente von Bewegungswegen werden ebenfalls zu Hinweisen.
Hinweis
Was erkennbar wird
GPS-Metadaten
Aufnahmeort
Schild im Hintergrund
Geschäft, Bahnhof, Region
Posting-Zeit
Aufenthaltsort zu diesem Zeitpunkt
Foto unterwegs
Route oder Verkehrsmittel
Lokales Thema
Gewohnte Orte oder Aktivitätsbasis
Auch wenn GPS entfernt wird, kann der Ort aus Hintergrund oder Post-Text erkennbar sein.
In aktivitätsbezogenen Posts gelangen Ortsinformationen natürlich hinein. "Am Bahnhof angekommen", "der Veranstaltungsort ist voll", "der Heimweg ist dunkel", "in einem Geschäft in der Nähe besprochen" sind für Lesende natürliche Situationsbeschreibungen. Aus Sicht der Anonymität werden sie jedoch zu Hinweisen auf aktuellen Standort, Bewegungsweg, Treffpunkt und gewohnte Orte.
Standortinformationen bedeuten nicht nur genaue Breiten- und Längengrade. Auch welche Region, welche Bewegungsrichtung, zu welcher Tageszeit jemand unterwegs war und welche Orte wiederholt genutzt werden, sind Standortinformationen. Auch wenn GPS entfernt wird, lässt sich ein Ort vermuten, wenn solche Informationen bleiben.
Bewegungsverlauf wird zum Verhaltensmuster
Eine einzelne Bewegung allein identifiziert eine Person manchmal nicht.
Wenn jedoch mehrere Posts nebeneinanderstehen, werden Aktivitätsbasis, gewohnte Orte, Heimrichtung und häufig genutzte Linien sichtbar.
Ansammlung von Posts
Was sichtbar wird
Jedes Mal vom selben Bahnhof posten
Nächster Bahnhof oder Treffpunkt wird vermutet
Nach Aktivität in dieselbe Richtung bewegen
Heimrichtung wird sichtbar
Im selben Geschäft besprechen
Treffort wird bekannt
Nur an freien Tagen in eine bestimmte Region gehen
Teilnahme-Muster wird sichtbar
Viele Posts nachts
Lebensrhythmus wird sichtbar
Bewegungsverlauf wird nicht als Einzelinformation, sondern als Muster gelesen.
Bewegungsmuster betreffen nicht nur die Person, sondern die ganze Gruppe. Jedes Mal am selben Bahnhof zusammenkommen. Nach der Aktivität im selben Geschäft besprechen. Nach der Auflösung gehen manche Menschen in dieselbe Richtung nach Hause. Wenn solche Informationen sichtbar werden, lassen sich auch der nächste Aktivitätsort und das Verhalten von Teilnehmenden vorhersagen.
Für Aktivistinnen und Aktivisten ist Bewegungsverlauf ein Sicherheitsproblem. Er kann zu Belästigung, Verfolgung, Abpassen oder Meldungen an Arbeitsplatz und Schule führen. Wenn man Ortsinformationen herausgibt, trennt man Zweck der Kommunikation und Sicherheitswirkung.
Gewohnte Orte nicht zu stark zeigen
Gewohnte Orte führen zu realem Kontakt.
Auch ohne Wohnung oder Arbeitsplatz direkt zu nennen, verengt sich der Bereich, wenn nächster Bahnhof, Geschäfte in der Nähe, regelmäßig besuchte Einrichtungen, Heimkehrzeit oder häufige Regionen erscheinen.
Häufig herausgegebene Information
Risiko
Über den nächsten Bahnhof sprechen
Gewohnte Orte werden eingegrenzt
Häufig besuchte Geschäfte
Bewegungsbereich wird sichtbar
Foto nahe dem Arbeitsplatz
Mögliche Arbeitsorte werden sichtbar
Beschwerden über Schule oder Arbeitsweg
Zeitfenster oder Linie wird sichtbar
Lokale Veranstaltung
Wohnregion oder Aktivitätsbereich wird sichtbar
Bei Aktivitätskonten ist es sicherer, Alltagsthemen zu Orten nicht unnötig zu vermischen.
Wenn ein Aktivitätskonto über Alltag spricht, rücken Aktivität und persönliches Leben näher zusammen. Wenn gewohnte Geschäfte, Arbeitsweg, Wetter nahe der Wohnung, Ausflüge mit Familie, Schule oder Arbeitsthemen vermischt werden, verbinden sich die aktivistische Seite und die gewohnten Orte des Alltags.
Das betrifft nicht nur die Person selbst, sondern auch ihr Umfeld. Familie, Mitbewohnende, Arbeitsplatz, Schule und häufig getroffene Mitstreiter können vermutet werden. Bei Aktivitätskommunikation trennt man für die Aktivität nötige Ortsinformationen von Ortsinformationen des Alltags.
Posting-Zeitpunkt verschieben
Ortsrisiko wird stärker, wenn es sich mit Posting-Zeit verbindet.
Wenn man postet, während man noch vor Ort ist, wird der aktuelle Standort sichtbar. Wenn man direkt nach der Aktivität den Heimweg postet, wird die Bewegungsrichtung sichtbar.
Maßnahme
Wirkung
Nach Verlassen des Ortes posten
Verringert Exponierung des aktuellen Standorts
Keine konkreten Bahnhofsnamen schreiben
Vermeidet Identifizierung des Bewegungswegs
Hintergrund beschneiden
Verringert Ortshinweise
Posting-Datum verschieben
Schwächt zeitliche Korrelation
Themen zu gewohnten Orten trennen
Trennt Aktivität und Alltag
Man trennt Posts, die Aktualität brauchen, von Posts, die später reichen.
Auch wenn Aktualität nötig ist, muss nicht jede Information in Echtzeit erscheinen. Nur den Umfang herausgeben, der die Sicherheit vor Ort nicht beeinflusst. Gesichter von Teilnehmenden und Treffpunkte nicht zeigen. Fotos unterwegs später posten. Selbst wenn der Veranstaltungsort genannt wird, dies nach Ende tun.
Echtzeit und Anonymität können kollidieren. In diesem Fall entscheidet man vorher, was Priorität hat. Bei Aktivitäten, bei denen Sicherheit vor Ort wichtig ist, muss möglicherweise Teilnehmendensicherheit vor Schnelligkeit gehen.
Vor Veröffentlichung als Bewegungsroute betrachten
Ortsinformationen betrachtet man nicht als Punkte, sondern als Bewegungsroute.
Post A zeigt den Treffpunkt. Post B zeigt einen Bahnhof unterwegs. Post C zeigt das Geschäft nach der Auflösung. Post D zeigt die Heimrichtung.
Wenn man sie so anordnet, wird ein Bewegungsfluss sichtbar, der in einzelnen Posts nicht sichtbar war. Vor der Veröffentlichung legt man Fotos, Text und Posting-Zeit nebeneinander und prüft, ob Bewegungen vor, während und nach der Aktivität sichtbar werden.
Zu prüfende Szene
Zu betrachtende Informationen
Vor dem Treffen
Treffpunkt, nächster Bahnhof, Treffzeit
Während der Aktivität
Veranstaltungsort, Teilnehmende, Umgebungseinrichtungen, Position von Sicherheitskräften
Ortsinformationen gehören nicht nur einem selbst. Im selben Foto oder Post können Treffpunkte von Mitstreitern, Heimrichtungen, häufig genutzte Geschäfte, Kennzeichen, Gegenstände, Abholung durch Familie oder Umgebung nahe Arbeitsplatz und Schule erscheinen.
Auch wenn die postende Person Veröffentlichung für unproblematisch hält, kann sie für Mitstreiter gefährlich sein. Aktivistinnen und Aktivisten, Unterstützende, Quellen, Minderjährige, Menschen, die nicht möchten, dass der Arbeitsplatz davon erfährt, und Menschen, die nicht möchten, dass die Familie davon erfährt, haben unterschiedliche Toleranz für Exponierung.
Bevor man Orte herausgibt, bedenkt man die Position der sichtbaren Menschen und Beteiligten. Man prüft nicht nur, ob der eigene aktuelle Standort sichtbar ist, sondern auch, ob gewohnte Orte oder Ziele anderer Personen sichtbar sind.
Wenn man ein Problem bemerkt und löscht, dokumentiert man vor der Löschung im sicher speicherbaren Mindestumfang, was sichtbar war. Man schafft keine neue Leak-Quelle in einer Klarnamen-Cloud oder einem breiten geteilten Ort. Wenn man löscht, ohne Ort, Zeit, sichtbare Personen und Freigabeziele zu ordnen, wird unklar, wer betroffen ist.
Zusammenfassung
Standortinformationen sind nicht nur GPS.
Aus Hintergrund, Schildern, Bahnhofsnamen, Posting-Zeit, Fotos unterwegs und lokalen Themen können Orte vermutet werden.
Für Aktivistinnen und Aktivisten betreffen Ortsinformationen nicht nur die Person selbst, sondern auch Mitstreiter, Veranstaltungsorte, Bewegungswege und gewohnte Orte.
Posts prüft man in der Kombination von Ort und Zeit.
Wichtig sind Praktiken wie nach Verlassen des Ortes posten, Hintergrund beschneiden und Themen zu gewohnten Orten nicht vermischen.
Verwandte Werkzeuge
OSINT directory
OSINT Framework
Eine externe Ressource zu diesem Artikel. Öffne sie nur, wenn sie zu deiner Situation und deinem Bedrohungsmodell passt.
Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
Eine externe Ressource zu diesem Artikel. Öffne sie nur, wenn sie zu deiner Situation und deinem Bedrohungsmodell passt.
Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
Eine externe Ressource zu diesem Artikel. Öffne sie nur, wenn sie zu deiner Situation und deinem Bedrohungsmodell passt.
Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
Eine externe Ressource zu diesem Artikel. Öffne sie nur, wenn sie zu deiner Situation und deinem Bedrohungsmodell passt.
Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
Risiken durch Standortinformationen, Bewegungsverlauf und gewohnte Orte
Aktivitäts-Posts können Treffpunkte, Wege, Veranstaltungsorte, Mitstreiter und gewohnte Orte über Standortinformationen und Posting-Zeit sichtbar machen.