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Auswahl anonymer Kommunikationswerkzeuge

Wenn es um Anonymität geht, tauchen viele Begriffe auf: , , Proxy, anonymitätsorientiertes OS, Mixnet und andere.

Wer jedoch nur nach dem Namen auswählt, macht leicht Fehler.

Ein VPN macht nicht automatisch anonym. Tor macht nicht alles, was man tut, sicher. Der Schutzumfang eines Proxys unterscheidet sich je nach Art erheblich. Auch ein anonymitätsorientiertes OS verliert an Bedeutung, wenn man sich bei einem Konto mit Klarnamen anmeldet.

Bei der Auswahl eines anonymen Kommunikationswerkzeugs geht es nicht darum, "welches am stärksten ist". Vor wem will man was verbergen? Welcher Stelle vertraut man? Was bleibt zurück? Kann man diese Vorgehensweise im eigenen Alltag durchhalten?

Dieser Artikel ordnet die Entscheidungspunkte, die vor der Auswahl anonymer Kommunikationswerkzeuge geprüft werden sollten.

Zuerst den Zweck festlegen

Bevor man ein Werkzeug auswählt, legt man den Zweck fest.

Soll die Ziel-Website die eigene Heim-IP nicht sehen? Soll der ISP das Ziel nicht direkt sehen? Soll Zensur umgangen werden? Soll der Kontaktweg zu einer Quelle oder hinweisgebenden Person geschützt werden? Geht es darum, die Klarnamenumgebung und die anonyme Umgebung nicht zu vermischen?

Wenn sich der Zweck unterscheidet, ändert sich auch das passende Werkzeug.

ZweckMöglicher MechanismusHinweis
Die Zielseite soll die Heim-IP nicht sehenVPN, Tor, Proxys und Anmeldestatus sind ein anderes Problem
Der ISP soll das Ziel nicht direkt sehenVPN, TorDen VPN-Anbieter oder die Sichtbarkeit der Tor-Nutzung selbst berücksichtigen
Zensur soll umgangen werdenTor, VPN, BridgesIn manchen Umgebungen fällt schon die Nutzung selbst auf
Stärkere anonyme Kommunikation ist nötigTor Browser, Tails, WhonixAnfällig für Bedienfehler
Arbeitsumgebungen sollen getrennt werdenTails, Whonix, Qubes OSLernaufwand und feste Abläufe sind nötig

Auch wenn man sagt, man nutze ein anonymes Kommunikationswerkzeug, gibt es nicht nur einen Zweck. Ohne zuerst den Zweck festzulegen, lässt sich das Werkzeug nicht bewerten.

Wann ein VPN infrage kommt

Ein VPN baut vom Gerät bis zum VPN-Server einen Kommunikationsweg auf und leitet die weitere Verbindung über diesen VPN-Server nach außen.

Aus Sicht der Ziel-Website scheint der Zugriff nicht von der IP-Adresse zu Hause oder am Arbeitsplatz zu kommen, sondern von der IP-Adresse des VPN-Servers.

VPNs werden zum Beispiel genutzt, um Kommunikation in öffentlichem WLAN zu schützen, die eigene Heim-IP Zielseiten nicht direkt zu zeigen oder eine sichere Verbindung zu einem internen Organisationsnetzwerk herzustellen.

Als praktische Kandidaten lassen sich Dienste wie Proton VPN oder Mullvad VPN leichter beurteilen, weil Log-Richtlinien, Betreiber, Audits und Transparenzinformationen vergleichsweise gut überprüfbar sind.

Proton VPN ist ein VPN von Proton, einem Anbieter, der seit Langem Dienste mit Datenschutzbezug wie Proton Mail betreibt. Offizielle Informationen zu Audits der No-Logs-Richtlinie, Open-Source-Apps und Transparenzberichten lassen sich prüfen.

Offizielle Website von Proton VPN URL : https://protonvpn.com/

Mullvad VPN ist ein VPN, das auf nummerierte Konten statt E-Mail-Adresse und Passwort setzt. Log-Richtlinie, Zahlungsmethoden und ein auf Anonymität ausgerichtetes Kontodesign lassen sich in offiziellen Informationen prüfen.

Offizielle Website von Mullvad VPN URL : https://mullvad.net/

Wichtig bei der Auswahl eines VPN ist, dass man dem VPN-Anbieter vertraut.

Mit einem VPN ist die Heim-IP für das Ziel schwerer sichtbar. Gleichzeitig verarbeitet der VPN-Anbieter Informationen über die Verbindungen der Nutzer. Zu prüfen sind Log-Richtlinie, Betreiber, Rechtsraum, App-Verhalten und DNS-Behandlung.

PrüfpunktWarum prüfen
Log-RichtlinieUmgang mit Verbindungsprotokollen prüfen
BetreiberSehen, wem man vertraut
RechtsraumRechtliche Rahmenbedingungen und Annahmen zu Offenlegungsanfragen ändern sich
DNS-BehandlungDNS-Leaks vermeiden
Kill switchLecks über die normale Verbindung bei VPN-Abbruch verringern

Ein VPN ist nützlich, aber kein Werkzeug, das Anonymität automatisch vollständig herstellt. Korrelationen bleiben separat bestehen, etwa wenn dieselben Cookies gesendet werden, man sich bei einem Klarnamenkonto anmeldet oder im selben Schreibstil postet.

Wann Tor infrage kommt

Tor ist ein Mechanismus, der Kommunikation über mehrere Relay-Knoten leitet und es dadurch erschwert, Quelle und Ziel direkt miteinander zu verbinden.

Wenn man mit dem Tor Browser auf eine Website zugreift, sieht die Ziel-Website normalerweise nicht die eigene IP-Adresse, sondern die IP-Adresse eines Tor-Exit-Knotens.

Das Tor Project ist das offizielle Projekt, das den Tor Browser und das Tor-Netzwerk entwickelt und veröffentlicht. Tor ist eine Grundlage anonymer Kommunikation, die von Journalisten, Aktivisten, Nutzern unter Zensur und gewöhnlichen Privatsphäre-Nutzern breit eingesetzt wird; deshalb lohnt es sich, offizielle Informationen direkt zu prüfen. URL : https://www.torproject.org/

Tor wird eingesetzt, wenn stärkere Anonymität als mit einem VPN angestrebt wird. Dazu gehören der Zugriff auf Informationen unter Zensur, das Erschweren einer direkten Verbindung zwischen Quelle und Ziel sowie die Nutzung der Fingerprinting-Schutzmaßnahmen des Tor Browser.

Tor ist jedoch ebenfalls kein Allheilmittel. Wenn man sich bei einem Klarnamenkonto anmeldet, werden die Handlungen mit diesem Konto verknüpft. Wenn andere Apps als der Tor Browser über die normale Verbindung kommunizieren, bleiben Informationen auf einem anderen Weg zurück. Wenn man wie in einem gewöhnlichen Browser Erweiterungen installiert oder Bildschirmgröße und Einstellungen stark verändert, kann man dadurch sogar auffälliger werden.

Wer Tor auswählt, braucht eine Nutzungspraxis, die dem Design des Tor Browser folgt und sich nicht mit der Klarnamenumgebung vermischt.

Wann ein Proxy infrage kommt

Ein Proxy ist ein Relay-Server, der im Auftrag des Nutzers auf das Ziel zugreift.

Wenn man in einem Browser oder einer App einen Proxy einrichtet, wird diese Kommunikation über den Proxy-Server gesendet. Aus Sicht des Ziels kann sie als IP-Adresse des Proxy-Servers erscheinen.

Allerdings gibt es viele Arten von Proxys, und ihr Schutzumfang ist unterschiedlich. Manche wirken nur für den Browser, manche nur für bestimmte Apps, manche behandeln Verschlüsselung schwach, und bei manchen ist der Betreiber unbekannt.

Für Anonymität einen kostenlosen Proxy zu verwenden, den man nicht versteht, ist gefährlich. Denn man überlässt die Kommunikation dem Relay-Betreiber.

PrüfpunktGrund
Für welche Apps er giltVermeiden, dass nur ein Teil der Kommunikation über die normale Verbindung läuft
Schutz der KommunikationsinhalteHTTPS und Unterschiede der Proxy-Verfahren prüfen
BetreiberPrüfen, wem man vertraut
Log-RichtlinieUmgang mit Verbindungsprotokollen prüfen
ZweckBeurteilen, ob er für risikoreiche anonyme Aktivitäten geeignet ist

Ein Proxy kann als Baustein dienen, der einen bestimmten Verbindungsweg ändert. Wenn er jedoch im Zentrum der Anonymität stehen soll, sind Schutzumfang und Vertrauensstelle sorgfältig zu prüfen.

Wann ein anonymitätsorientiertes OS oder Umgebungstrennung infrage kommt

Der Kommunikationsweg allein schützt Anonymität nicht.

Wenn man den Klarnamenbrowser, die persönliche Cloud, die übliche E-Mail oder denselben Dateiablageort nutzt, bleiben Korrelationen bestehen, auch wenn man den Kommunikationsweg ändert.

Um diese Vermischung zu verringern, werden manchmal Umgebungen wie Tails, Whonix oder Qubes OS eingesetzt.

Tails ist ein OS, mit dem sich leichter eine temporäre anonyme Arbeitsumgebung getrennt vom Alltags-OS erstellen lässt. Es kommt in Betracht, wenn kurze anonyme Arbeit oder Informationszugang unter Zensur bedacht wird. URL : https://tails.net/

Whonix ist eine OS-Umgebung mit einem Design, das die Arbeitsumgebung von dem Gateway trennt, das Kommunikation über Tor leitet. Es kommt in Betracht, wenn kontinuierliche Arbeit über Tor getrennt werden soll. URL : https://www.whonix.org/

Qubes OS ist ein OS mit dem Ansatz, Arbeit, Privates, anonyme Arbeit und die Prüfung gefährlicher Dateien in getrennte Umgebungen aufzuteilen. Es ist nicht ausschließlich für Anonymität gedacht, aber ein wichtiger Kandidat, wenn Umgebungstrennung ernsthaft betrachtet wird. URL : https://www.qubes-os.org/

Anonymitätsorientierte OSes und getrennte Umgebungen sind leistungsfähig, haben aber Lernaufwand. Außerdem müssen Korrelationen über Dateien, Konten, Beitragsinhalte und Zeit separat geprüft werden.

Vergleich für die Auswahl

Anonyme Kommunikationswerkzeuge vergleicht man danach, wer etwas sehen kann und welche Informationen zurückbleiben.

MethodeWas das Ziel siehtNeu vertraute StelleVerbleibende Hinweise
Normale VerbindungHeim- oder Arbeitsplatz-IPISP, ZieldienstCookies, Anmeldestatus, Kommunikationsprotokolle
VPNIP des VPN-ServersVPN-AnbieterVPN-Logs, DNS, Cookies, Anmeldestatus
TorIP des Tor-Exit-KnotensTor-Design und NutzungsumgebungKlarnamenlogin, Kommunikation außerhalb von Tor, Beitragsinhalt
ProxyIP des Proxy-ServersProxy-BetreiberSchutzumfang, Verschlüsselung, Logs
Anonymitätsorientiertes OSAbhängig von der NutzungsumgebungOS-Design und NutzungspraxisDateien, Konten, Speichermethode

Wichtig an dieser Tabelle ist, dass jede Methode "verbleibende Hinweise" hat. Anonyme Kommunikationswerkzeuge löschen nicht alle Informationen. Sie ändern, wer etwas sehen kann und wem man vertraut.

Prüfung vor der Auswahl

Vor der Auswahl eines Werkzeugs beantwortet man die folgenden Fragen.

FrageZweck
Vor wem soll geschützt werden?Zielseite, ISP, Arbeitsplatz, staatliche Stellen und andere trennen
Was soll verborgen werden?IP, Ziel, Beitragsinhalt und beteiligte Personen trennen
Wem kann man vertrauen?VPN-Anbieter, Tor-Design und Dienstbetreiber betrachten
Was bleibt zurück?Cookies, Logins, Schreibstil, Zeit und Dateien betrachten
Kann man die Praxis durchhalten?Prüfen, ob zu komplexe Abläufe zu Fehlern führen

In risikoreichen Situationen sollte man nicht allein nach Werkzeugnamen urteilen. Bei Quellenschutz, Whistleblowing, Aktivitäten unter Zensur und ähnlichen Situationen geht es nicht nur um den Kommunikationsweg, sondern auch um Geräte, Dateien, Beratungsstellen und rechtliche Risiken.

Zusammenfassung

Bei der Auswahl anonymer Kommunikationswerkzeuge denkt man nicht in der Frage "welches ist am stärksten", sondern in der Frage "was will ich vor wem verbergen".

Ein VPN ändert die für das Ziel sichtbare IP-Adresse in die des VPN-Servers. Dabei muss man jedoch dem VPN-Anbieter vertrauen.

Tor erschwert es, Quelle und Ziel direkt miteinander zu verbinden. Dabei ist jedoch Vorsicht bei Klarnamenlogins, Kommunikation außerhalb von Tor und Korrelationen über Beitragsinhalte nötig.

Ein Proxy kann bestimmte Kommunikation weiterleiten. Es gibt jedoch viele Arten, und Schutzumfang sowie Vertrauen in den Betreiber müssen geprüft werden.

Anonymitätsorientierte OSes und Umgebungstrennung werden eingesetzt, um Vermischung mit der Klarnamenumgebung zu verringern. Korrelationen über Dateien, Konten, Schreibstil und Zeit bleiben jedoch separat bestehen.

Anonymität ist nicht abgeschlossen, nur weil man ein Werkzeug auswählt. Nötig ist eine Praxis, die Kommunikationsweg, Vertrauensstellen, Konten, Browser, Beitragsinhalte, Dateien und Zeit getrennt prüft.

Verwandte Werkzeuge

Public IP Check

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Anonymous communication

Tor Project

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VPN service

Proton VPN

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VPN service

Mullvad VPN

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Anonymous OS

Tails

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Anonymous OS

Whonix

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Compartmentalized OS

Qubes OS

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Mixnet / VPN

Nym

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