Risiko, dass Quellen aus veröffentlichten Artikeln erschlossen werden
Quellen werden nicht nur durch Kommunikationslogs oder Dateimetadaten identifiziert.
Auch aus dem veröffentlichten Artikel selbst kann vermutet werden, wer die Information geliefert hat.
Chronologie, Abteilungsnamen, Sitzungsnamen, Zitate, Kamerawinkel, Art der Unterlage und Detailliertheit interner Umstände im Artikel. Für Leserinnen und Leser stärken solche Informationen die Überzeugungskraft, aber für Menschen innerhalb der Organisation werden sie zu Material für die Frage: "Wer konnte das wissen?"
Beim Quellenschutz muss vor Veröffentlichung gedacht werden: "Wen wird die Gegenseite nach dem Lesen dieses Artikels verdächtigen?"
Artikelinhalte werden zu Rückrechnungsmaterial
Rechercheartikel werden stärker, wenn sie konkret sind.
Konkretheit kann jedoch auch zur Identifizierung der Quelle führen. Besondere Vorsicht braucht es bei internen Informationen, begrenzten Sitzungen, kleinen Abteilungen, konkreten Daten und genauen Beschreibungen vor Ort.
Information im Artikel
Was rückgerechnet wird
Konkretes Datum
Menschen, die an diesem Tag beteiligt oder anwesend waren
Abteilungsname oder Funktion
Menschen in einer Position, die die Information kennt
Sitzungsname
Teilnehmende oder Personen mit Dokumentzugriff
Art der Unterlage
Menschen mit Zugriffsrechten
Aufnahmeposition eines Fotos
Ort oder Position der Person, die aufnehmen konnte
Was für Leser Hintergrundinformation ist, wird für Verfolger zu einer Eingrenzungsbedingung.
Konkretheit stützt die Glaubwürdigkeit von Berichterstattung. Bei Artikeln über interne Informationen kann diese Konkretheit jedoch zur Quelle zurückführen. Bestimmte Sitzungen, Unterlagen, Zeiten, Abteilungen, Perspektiven vor Ort und Äußerungen Beteiligter sind für Menschen innerhalb der Organisation Eingrenzungsbedingungen.
Vor der Veröffentlichung trennt man die für Leser nötige Konkretheit von der Konkretheit, die die Quelle eingrenzt. Informationen, die nötig sind, um die Struktur des Problems zu zeigen, bleiben. Details, die nur Position oder Zugriffsrechte der Quelle zeigen, werden angepasst.
Auch Zitate zeigen Merkmale
Auch anonyme Zitate brauchen Vorsicht.
Wenn Formulierungen, Fachbegriffe, Dialekt, organisationsinterne Bezeichnungen oder Schreibgewohnheiten erhalten bleiben, kann die aussagende Person vermutet werden.
Merkmal im Zitat
Risiko
Eigentümliche Redewendung
Sprechende Person wird erkennbar
Interner Begriff
Abteilung oder Tätigkeit wird eingegrenzt
Dialekt oder regionale Formulierung
Herkunft oder gewohnte Orte werden vermutet
Konkrete Erfahrungsschilderung
Kreis der Menschen mit dieser Erfahrung wird kleiner
Starker emotionaler Ausdruck
Abgleich mit früheren Aussagen oder Posts
Zitate brauchen ein Gleichgewicht zwischen Genauigkeit und Schutz.
Es kann nötig sein, innerhalb unveränderter Bedeutung zu verallgemeinern, mehrere Aussagen zusammenzuführen oder Attributinformationen zu verschleiern.
Zitate stärken die Aussage. Gleichzeitig erhalten sie die Eigenheiten der sprechenden Person besonders stark. In der Organisation bekannte Formulierungen, Dialekt, starke emotionale Ausdrücke und bestimmte Arbeitsbegriffe werden für Menschen, die die Person kennen, zu Hinweisen.
Bei anonymen Zitaten kann es nötig sein, Formulierungen zu glätten, ohne die Bedeutung zu verändern. Zu starke Bearbeitung kann jedoch den Sinn der Aussage verändern, deshalb wird zwischen Genauigkeit und Schutz abgewogen.
Auswahl von Fotos und Unterlagen
Fotos und Unterlagen erhöhen die Glaubwürdigkeit eines Artikels.
Gleichzeitig zeigen sie auf aufnehmende oder bereitstellende Personen.
Veröffentlichtes Material
Rückgerechnete Information
Bild interner Unterlagen
Aus welcher Abteilung oder welchem Gerät es stammt
Foto vor Ort
Aufnahmeposition, Aufnahmezeit, Position der aufnehmenden Person
Screenshot
Bildschirmgröße, Benachrichtigungen, Kontoname
Audio
Sprechende Person, Ort, Aufnahmeumgebung
Video
Aufnahmeweg, Hintergrundgeräusche, Personen im Umfeld
Vor der Veröffentlichung von Material fragt man: "Wer könnte dieses Material haben?"
Je größer die Beweiskraft des Materials ist, desto stärker kann auch seine Herkunft eingegrenzt werden.
Screenshots interner Unterlagen brauchen besondere Vorsicht. Bildschirmgröße, sichtbare Menüs, angemeldete Berechtigungen, Benachrichtigungen, URL interner Systeme, Dokumentnummern und Versionsstände können sichtbar sein. Bei Fotos vor Ort kann die aufnehmende Person über Position oder Winkel eingegrenzt werden.
Wenn Material verwendet wird, reduziert man Informationen, die zur Quelle zurückführen, während der Beweiswert erhalten bleibt. Wenn nötig, wird statt des Originalmaterials eine neu erstellte Grafik, eine inhaltlich zusammengefasste Tabelle oder ein unscharf gemachtes Bild verwendet.
Vorsicht beim Veröffentlichungszeitpunkt
Auch der Veröffentlichungszeitpunkt eines Artikels hängt mit Quellenrückschlüssen zusammen.
Wenn ein Artikel kurz nach einem internen Problem, direkt nach einer bestimmten Sitzung, nach einer Prüfung oder nach einer Sanktion erscheint, sucht die Gegenseite nach Personen, die zu diesem Zeitpunkt Zugriff auf die Information hatten.
Zeitpunkt
Was geschieht
Direkt nach einer Sitzung
Teilnehmende oder Betrachtende der Unterlagen werden verdächtigt
Direkt nach einer internen Mitteilung
Der Empfängerkreis der Mitteilung wird untersucht
Direkt nach Sanktion oder Versetzung
Unzufriedenheit oder Motiv Beteiligter wird vermutet
Direkt nach einer Unterlagenaktualisierung
Personen mit Zugriff auf die neueste Version werden eingegrenzt
Direkt nach einem Vorfall
Menschen vor Ort werden untersucht
Aktualität ist wichtig.
Wenn Quellenschutz nötig ist, entscheidet man jedoch nicht nur nach Geschwindigkeit.
Es gibt Artikel, deren Wert gerade in schneller Veröffentlichung liegt. Wenn ein Artikel aber unmittelbar nach einem internen Ereignis erscheint, werden Menschen verdächtigt, die zu diesem Zeitpunkt Zugriff hatten. Sitzung, Mitteilung, Dokumentaktualisierung, Sanktion, Unfall und Prüfung direkt davor brauchen besondere Aufmerksamkeit.
Schon eine kleine Anpassung des Veröffentlichungszeitpunkts kann die Korrelation zur Quelle schwächen. Umgekehrt kann Verzögerung das öffentliche Interesse beschädigen. Geschwindigkeit und Schutz werden gemeinsam redaktionell bewertet.
Blickwinkel der Prüfung vor Veröffentlichung
Vor Veröffentlichung liest man den Artikel nicht nur als Leser, sondern mit den Augen der Seite, die die Quelle sucht.
Prüffrage
Ziel
Wie viele Menschen kennen diese Information?
Knappheit des Kandidatenkreises sehen
Wer kann auf diese Unterlage zugreifen?
Bereich der möglichen Quelle prüfen
Wessen Sprechweise ähnelt dieses Zitat?
Merkmale der Zeugin oder des Zeugen entfernen
Von wo kann dieses Foto aufgenommen werden?
Position der aufnehmenden Person prüfen
Wer wird durch den Zeitpunkt verdächtigt?
Zeitkorrelation betrachten
Bei Artikeln, die Quellenschutz brauchen, lohnt sich eine Drittprüfung vor Veröffentlichung.
Wer den Artikel geschrieben hat, kennt die Recherchegeschichte und gewöhnt sich leicht an gefährliche Details.
Bei einer Drittprüfung lesen Redakteurinnen oder Redakteure ohne Detailkenntnis oder Menschen mit Quellenschutzperspektive den Text. Die Prüfung selbst ist jedoch auch eine Weitergabe sensibler Informationen. Der Kreis wird auf nötige Personen begrenzt, und Originalunterlagen oder Quelleninformationen werden nicht übermäßig weitergegeben. Geprüft wird mit Fragen wie: "Wie viele Menschen kennen diese Information?" "Von wo kann dieses Foto aufgenommen werden?" "Wessen Sprechweise zeigt dieses Zitat?" "Wer wird durch den Veröffentlichungszeitpunkt verdächtigt?"
Auch Nachträge nach Veröffentlichung beachten
Quellenrückschlüsse entstehen nicht nur bei der Erstveröffentlichung. Nachträge, Ergänzungen in sozialen Netzwerken, Antworten von Journalistinnen und Journalisten und Folgeberichte können zusätzliche Informationen liefern. Es kommt vor, dass im ersten Artikel verallgemeinert wurde, in einem Nachtrag aber Datum oder Ort detailliert erscheinen.
Auch Kommunikation nach Veröffentlichung wird als Teil des Artikels behandelt. Social-Media-Ankündigungen und Ergänzungen sollten keine Hinweise geben, die über den Artikeltext hinausgehen.
Nach Anpassungen noch einmal lesen
Wenn Formulierungen zum Quellenschutz angepasst wurden, wird erneut geprüft, ob der Artikel als Artikel noch verständlich ist. Wenn zu stark verallgemeinert wird, verstehen Leser die Struktur des Problems nicht mehr. Wenn dagegen zur Wiederherstellung von Überzeugungskraft zu viele Details ergänzt werden, führt der Artikel wieder zur Quelle zurück.
Nach Anpassungen prüft man beides: Ob die für Leser nötigen Fakten erhalten sind und ob Details entfernt wurden, die die Quelle eingrenzen. Diese erneute Prüfung gehört zur Prüfung vor Veröffentlichung.
Zusammenfassung
Der veröffentlichte Artikel ist die letzte Hürde des Quellenschutzes.
Selbst wenn Kommunikationswege und Dateimetadaten sorgfältig behandelt wurden, kann die Quelle aus Chronologie, Abteilungsnamen, Zitaten, Fotos, Art der Unterlagen und Veröffentlichungszeitpunkt im Artikel erschlossen werden.
Konkretheit im Artikel ist wichtig.
Wenn sie aber zur Quelle zurückführt, braucht es Verallgemeinerung von Formulierungen, Anpassung von Zitaten, neue Auswahl von Material und Prüfung des Veröffentlichungszeitpunkts.
Vor Veröffentlichung wird immer geprüft: "Wen würde ein Verfolger nach dem Lesen dieses Artikels verdächtigen?"
Verwandte Werkzeuge
Anonymous communication
Tor Project
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Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
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Risiko, dass Quellen aus veröffentlichten Artikeln erschlossen werden
Quellen können aus Chronologie, Abteilungsnamen, Zitaten, Fotos, Materialarten und Veröffentlichungszeitpunkt eines Artikels rückwärts erschlossen werden.