Wer mit dem Gedanken postet, „ich kann es später ja löschen“, schwächt leicht die eigene Anonymität.
Informationen im Internet können auch nach der Löschung durch die betroffene Person in Screenshots, Zitaten, Reposts, Suchergebnissen und Archiven bleiben. Auch ein eingeschränkt veröffentlichter Post kann nach außen gelangen, wenn ihn jemand speichert.
Bei Anonymität denkt man vor der Veröffentlichung nicht zuerst darüber nach, ob etwas löschbar ist, sondern was sichtbar wäre, wenn es bleibt.
Dieser Artikel ordnet ein, wie Screenshots und Archive Anonymität beeinflussen, was vor der Veröffentlichung zu prüfen ist und wie man denkt, wenn ein Problem auffällt.
Screenshots überschreiten den Veröffentlichungsbereich
Screenshots überschreiten den Veröffentlichungsbereich eines Posts leicht.
Auch Posts nur für Follower, in Gruppen, in DMs oder mit begrenzter Dauer können an einen anderen Ort weitergeleitet werden, wenn jemand den Bildschirm speichert. Ein Screenshot kann nicht nur den Text zeigen, sondern auch Anzeigenamen, Icons, Post-Zeitpunkt, Antwortzahlen, Benachrichtigungen und umliegende UI.
Was auf einem Screenshot sichtbar ist
Auswirkung auf Anonymität
Anzeigename und Icon
Verbindung zu früheren Konten oder Klarnameninformationen
Post-Zeitpunkt
Abgleich mit Lebensrhythmus oder Vor-Ort-Informationen
Antworten und Zitate
Beteiligte und reagierende Personen werden sichtbar
Benachrichtigungen
Andere Konten oder Klarnameninformationen erscheinen im Bild
Hintergrund-UI
Genutzte App, Sprache und Geräteumgebung werden erkennbar
Wichtig ist, nicht zu denken: „Es ist eingeschränkt sichtbar, also sicher.“
Eingeschränkte Sichtbarkeit begrenzt den Leserkreis. Sie verhindert Speichern oder Weiterleiten nicht vollständig.
Archive bewahren frühere Seiten
Webseiten können in Archivdiensten gespeichert werden.
Ein bekanntes Beispiel ist die . Die Wayback Machine ist ein großes Archiv, in dem frühere Webseiten eingesehen werden können, und sie hilft bei der Prüfung verlorener Seiten und bei Forschung.
Für die Anonymität einzelner Menschen kann sie aber auch ein Ort sein, an dem alte Profile, gelöschte Seiten, Veranstaltungsinformationen, Bilder und PDFs bleiben.
Was im Archiv bleibt
Auswirkung auf Anonymität
Alte Profile
Bürgerlicher Name, Region, Beruf und alte Links werden sichtbar
Gelöschte Posts
Heute gelöschte Informationen bleiben prüfbar
Bilder
Gesicht, Hintergrund und frühere Icons bleiben
PDFs und Unterlagen
Ersteller, Namenslisten und Veranstaltungsinformationen bleiben
Linkstruktur
Alte Konten und verwandte Websites lassen sich verfolgen
Archive sind gesellschaftlich wichtige Aufzeichnungssysteme.
Bei anonymer Aktivität können sie jedoch zum Einstiegspunkt werden, um frühere Informationen mit heutiger Aktivität zu verbinden.
Auch nach dem Löschen kann etwas bleiben
Wenn Posts oder Seiten gelöscht werden, verschwinden bereits gespeicherte Informationen nicht automatisch.
Wer Screenshots hat, wer zitiert hat, archivierende Dienste, Suchmaschinen und Repost-Ziele können Informationen behalten.
Ort, an dem nach Löschung etwas bleibt
Verbleibende Information
Screenshot
Post-Text, Bild, Zeitpunkt, Kontoanzeige
Zitat oder Repost
Teile des ursprünglichen Posts oder Kontext
Suchergebnisse
Titel, Beschreibungstext, URL-Fragmente
Archivseite
Anzeige früherer Seitenstände
Gerät des Gegenübers
DM, Benachrichtigung, gespeicherte Datei
Löschen kann eine wirksame Reaktion sein.
Man sollte Löschen jedoch nicht als „vollständige Entfernung“ verstehen, sondern als Maßnahme, um künftig sichtbare Orte zu verringern.
Vor der Veröffentlichung so prüfen, als bliebe es erhalten
Wenn man Screenshots und Archive voraussetzt, verändert sich der Blick vor der Veröffentlichung.
Man prüft nicht: „Kann ich es später löschen?“, sondern: „Kann dieser Inhalt bleiben?“
Prüfpunkt
Worauf man schaut
Text
Ob bürgerlicher Name, Region, Arbeitsplatz, Beteiligte oder spezifische Erfahrungen erscheinen
Bild
Ob Gesicht, Hintergrund, Reflexion, Namensschild oder Standortinformation vorhanden ist
Zeitpunkt
Ob er mit aktuellem Ort oder Lebensrhythmus verbunden werden kann
Link
Ob Suchbegriffe, Empfehlungs-ID oder Cloud-Eigentümer sichtbar sind
Konto
Ob Anzeigename, Icon oder frühere Posts korrelieren
Informationen, die problematisch wären, wenn sie bleiben, entfernt man vor dem Posten.
Vor allem bei Vor-Ort-Posts, internen Informationen, Posts mit Beteiligten und emotionalen Antworten kann auch eine verzögerte Veröffentlichung nötig sein.
Screenshots speichern auch Kontext
Das Gefährliche an Screenshots ist, dass sie nicht nur den Text, sondern auch Kontext speichern.
Zum Beispiel kann ein einzelner Post-Text keine Region verraten. Direkt vorherige Antworten, das zitierte Original, ein anderer sichtbarer Post, Benachrichtigungen oder angezeigte Empfehlungen können jedoch Kontext sichtbar machen. Bei DM-Screenshots können Name, Icon, Uhrzeit, Lesestatus, Eingabefeld und sogar die Statusleiste des Geräts erscheinen.
Kontext im Screenshot
Was sichtbar wird
Antwortbaum
Mit wem gesprochen wird und worum es geht
Zitatquelle
Reagierende Person oder Position
Benachrichtigungsbereich
Anderes Konto, bürgerlicher Name, App-Nutzung
Statusleiste
Uhrzeit, Verbindungszustand, Geräteumgebung
Empfehlungen und verwandte Anzeigen
Interessen oder Leseverhalten
Auch wer selbst Screenshots teilt, muss vorsichtig sein.
Selbst wenn man fremde Posts nicht bloßstellen will, kann man dabei eigene Benachrichtigungen oder Kontoinformationen vom Bildschirm mit veröffentlichen.
Wissen, welche Informationen leichter archiviert werden
Nicht alle Informationen werden auf dieselbe Weise archiviert.
Öffentliche Webseiten, Blogs, Nachrichtenartikel, Profilseiten, PDFs und Bilddateien werden eher gespeichert. Seiten hinter einem Login oder Bildschirme innerhalb einer App bleiben dagegen manchmal schwerer in allgemeinen Webarchiven erhalten.
Schwerer zu archivieren bedeutet aber nicht, dass etwas nicht bleibt. Nutzerscreenshots, Reposts, Zitate, Speicherung durch Bots oder Einbettung in andere Dienste können Informationen trotzdem erhalten.
Art der Information
Wie sie bleibt
Öffentlicher Blog
Bleibt durch Archive, Suchergebnisse und Zitate
Profilseite
Alte Selbstbeschreibung oder Links bleiben
PDF
Kann auf URL-Ebene gespeichert werden
Bilddatei
Kann trotz Entfernung von der Seite über direkte URL bleiben
Post hinter Login
Wird schwerer archiviert, bleibt aber per Screenshot
Man sollte nicht festlegen: „Das ist in einer App, also ist es in Ordnung.“
Nur die Art der Speicherung ist anders. Es gibt trotzdem Wege, wie Informationen nach außen gelangen.
Was tun, wenn ein Problem auffällt
Wenn nach der Veröffentlichung gefährliche Informationen auffallen, prüft man die Lage, bevor man übereilt löscht.
Bei Belästigung, Drohung, rechtlichen Problemen, Whistleblowing oder Quellenschutz kann Beweissicherung nötig werden.
Situation
Mögliche Reaktion
Leichtes Informationsleck
Post korrigieren, löschen, künftigen Betrieb ändern
Beteiligte sind sichtbar
Kontakt zur betroffenen Person, Löschung, Auswirkungsbereich prüfen
Anwältin, Anwalt oder Unterstützungsstelle konsultieren
Manchmal sollte schnell gelöscht werden.
Wenn man jedoch ohne Beweise löscht, kann spätere Erklärung oder Beratung schwieriger werden. Die Entscheidung hängt von der Situation ab.
Regelmäßig von außen prüfen
Einige Zeit nach der Veröffentlichung prüft man, ob extern etwas geblieben ist.
Dafür verwendet man bereits veröffentlichte Zeichenketten, Dateinamen oder URLs, die durch die Suche nicht leicht neue Gefahren erzeugen.
Unveröffentlichte Texte, sensible Formulierungen, interne Dateinamen, Gesichtsbilder und Namen von Beteiligten in Suchmaschinen oder externe Dienste einzugeben, ist selbst eine externe Übertragung.
Auch wenn man in Archiven wie der Wayback Machine prüft, ob eine öffentliche Seite gespeichert wurde, wählt man eingegebene URLs und Suchbegriffe vorsichtig.
Wenn die Prüfung jedoch immer wieder in der Klarnamenumgebung geschieht, bleiben Suchverlauf und Verhaltensmuster zurück. Anonyme Aktivitätsumgebung und Klarnamenumgebung sollten nicht vermischt werden.
Zusammenfassung
Screenshots und Archive bewahren Informationen nach der Veröffentlichung.
Auch bei eingeschränkter Sichtbarkeit, DMs und zeitlich begrenzten Posts können Informationen durch Speichern oder Weiterleiten nach außen gelangen. Selbst nach dem Löschen können sie in Screenshots, Zitaten, Suchergebnissen und Archiven bleiben.
Vor der Veröffentlichung prüft man Text, Bild, Zeitpunkt, Link und Konto unter der Annahme, dass sie erhalten bleiben.
Für Anonymität ist wichtiger, „was sichtbar ist, wenn es bleibt“, als „ob es löschbar ist“.
Verwandte Werkzeuge
Archive check
Wayback Machine
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Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
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