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Konten und Betrieb

Warum Antworten und DMs Anonymität schwächen können

Auch wenn ein anonymer Beitrag selbst sorgfältig geschrieben ist, kann Anonymität durch Antworten oder DMs zerbrechen.

Im ersten Beitrag wurde kein Ortsname genannt. Aber in einer Antwort spricht man über die Nachbarschaft. Im Text wurde der Arbeitsplatz verallgemeinert. Aber in einer DM erklärt man die Umstände ausführlich.

Anonymität muss nicht nur im veröffentlichten Text, sondern auch in der anschließenden Kommunikation aufrechterhalten werden.

Bei Antworten lässt die Vorsicht leicht nach

Den ersten Beitrag prüft man sorgfältig. Antworten werden dagegen oft reflexartig geschrieben.

Man wird gefragt. Man wird kritisiert. Jemand zeigt Verständnis. Jemand fragt nach Details.

Während man spontan antwortet, kann man zu viele Informationen preisgeben.

Information, die in Antworten leicht herauskommtBeispiel
RegionNachbarschaft, Bahnhof, Geschäft, Wetter
Arbeitsplatz oder SchuleBranche, Abteilung, Veranstaltung
ZeitWann man nach Hause kam, wann man etwas gesehen hat
BeziehungVon wem man es gehört hat, wer dabei war
GefühlReaktion auf eine bestimmte Person

Antworten sind nicht sicher, nur weil sie kurz sind. Wenn kurze Informationen sich ansammeln, werden Kandidaten eingegrenzt.

DMs sind kein sicherer Ort

DMs wirken geschlossener als öffentliche Beiträge.

DMs sind jedoch ebenfalls kein vollständig sicherer Ort.

Die andere Person macht einen Screenshot. Das Gerät der anderen Person wird kompromittiert. Beim Dienstbetreiber bleiben Aufzeichnungen. Kontosperrungen oder Offenlegungsanfragen werden zum Problem. Die andere Person versucht, die Identität herauszufinden.

Wenn man in DMs detaillierte personenbezogene oder interne Informationen preisgibt, kann das gefährlicher werden als ein öffentlicher Beitrag.

Bei Anonymität sollte man DMs nicht als "sicheren privaten Raum" betrachten.

DMs haben nur einen engeren Veröffentlichungsbereich; sie sind kein Ort ohne Aufzeichnungen. Sie bleiben auf dem Bildschirm der anderen Person. Die andere Person kann Screenshots machen. Auch das Konto der anderen Person kann übernommen werden. In den Systemen des Dienstes können ebenfalls gewisse Aufzeichnungen verbleiben.

Außerdem lässt sich in DMs leichter an die andere Person angepasst erklären. Wenn man denkt "diese Person versteht mich", erzählt man Dinge, die man im öffentlichen Beitrag nicht geschrieben hätte. Selbst wenn die andere Person wohlwollend ist, können Informationen über ihr Gerät, ihre Cloud, Benachrichtigungen, Backups oder Beratungsstellen weitergetragen werden.

Merkmal von DMsProblem für Anonymität
Die andere Person kann speichernDurch Screenshots oder Weiterleitung gelangt es nach außen
Gespräche werden leicht längerZusätzliche Informationen werden leichter preisgegeben
Vertrauen entsteht leichtMan spricht konkreter als in öffentlichen Beiträgen
Abhängigkeit von der Sicherheit der anderen PersonLecks über Gerät oder Konto der anderen Person
Abhängigkeit vom DienstBeeinflusst durch Aufzeichnungen und Spezifikationen des Betreibers

DMs sind nur "nicht öffentlich". Bei anonymer Aktivität behandelt man "nicht öffentlich" und "sicher" als unterschiedliche Bedeutungen.

Zusätzliche Erklärungen erhöhen die Granularität

Auch wenn Informationen im ersten Beitrag verallgemeinert wurden, steigt die Granularität, während man Fragen beantwortet.

"Welche Region ist das?" "Um welches Jahr ging es?" "Welche Branche war das?" "Wie viele Menschen arbeiten dort ungefähr?" "Wer war dabei?"

Wenn man jede Frage einzeln beantwortet, wird das Gesamtbild am Ende ziemlich konkret.

Um Anonymität zu schützen, muss man vorab entscheiden, welche Fragen man nicht beantwortet.

Die Fragen der anderen Person müssen nicht böswillig sein. Vielleicht sorgt sie sich nur, möchte genauer verstehen oder Rat geben. Trotzdem steigt die Granularität der Informationen, je mehr Fragen man beantwortet.

Zum Beispiel schreibt man "in einer ländlichen Region" und wird danach gefragt, welche Region. Man schreibt "im medizinischen Bereich" und wird gefragt, ob Krankenhaus oder Einrichtung. Man schreibt "vor kurzem" und wird gefragt, ob es diesen Monat war.

Solche Fragen sind einzeln betrachtet natürlich. Wenn man jedoch weiter antwortet, werden Kombinationen aus Region, Branche, Zeitpunkt, Rolle und beteiligten Personen sichtbar.

Um Anonymität zu schützen, entscheidet man vorher, welche Granularität beantwortet werden darf. Keine Region bis auf Bundeslandebene nennen. Zeit nicht monatsgenau nennen. Die Art von Arbeitsplatz oder Schule nicht fein unterteilen. Keine Zahl oder Position der beteiligten Personen nennen. Solche Grenzen sind nötig.

Bei Empörung oder Angriffen ist es besonders gefährlich

Wenn man kritisiert oder angegriffen wird, möchte man sich erklären.

Ein Missverständnis auflösen. Widersprechen. Beweise zeigen. Die andere Person zum Schweigen bringen.

In diesem Zustand gibt man leichter Informationen preis, die man sonst nicht preisgeben würde.

Antworten während heftiger öffentlicher Reaktionen sind Situationen, in denen Anonymität besonders leicht scheitert. Bei hohem Risiko antwortet man nicht sofort, sondern hält einmal an und prüft.

In solchen Situationen kann die Gegenseite Fragen einstreuen, um Informationen herauszuziehen. "Wenn es stimmt, zeig Beweise." "Sag, wo das passiert ist." "Wenn du beteiligt bist, kannst du wenigstens die Abteilung nennen." "Wenn du ausweichst, ist es gelogen."

Wenn man auf solche Worte reagiert, priorisiert man Beweisführung vor Anonymität. Bei anonymer Aktivität gibt es Situationen, in denen es nicht das Ziel ist, die andere Seite zu überzeugen. Um Sicherheit zu schützen, sind Entscheidungen nötig wie nicht antworten, Beiträge stoppen, Dritte konsultieren oder den Veröffentlichungsbereich ändern.

Gerade unter Angriffen sind auch kurze Antworten gefährlich. Wut, Eile und Angst lassen Informationen schreiben, die man sonst nicht schreiben würde. In solchen Situationen entscheidet man zuerst nicht "sofort antworten", sondern "muss ich überhaupt antworten".

Regeln für Antworten und DMs festlegen

Bei anonymer Aktivität legt man vorab Regeln für Antworten und DMs fest.

  • Region, Arbeitsplatz, Schule und Zugehörigkeit nicht beantworten
  • Zahl der Beteiligten oder Zeitpunkt nicht detailliert beantworten
  • In DMs nicht zu viele Zusatzinformationen geben
  • Beweisbilder nicht spontan senden
  • Keine emotionalen Antworten schreiben
  • Fragen mit hohem Risiko nicht beantworten
  • Wenn nötig, das Posten stoppen

Ohne Regeln antwortet man nach der Stimmung des Augenblicks.

Regeln sind stabiler, wenn man sie kurz aufschreibt, statt sie nur im Kopf zu behalten. Für anonyme Konten braucht man nicht nur Regeln vor dem Posten, sondern auch Regeln nach dem Posten.

RegelZweckBeispiel
Nicht zu beantwortende Informationen festlegenSteigende Granularität stoppenRegion, Zugehörigkeit, Zeitpunkt und Beteiligte nicht detailliert beantworten
Zweck von DMs begrenzenAusweitung des Gesprächs verhindernNur Annahme von Beratung, keine zusätzlichen Materialien senden
Zeit bis zur Antwort lassenReflexartige Informationslecks verhindernBei heftigen Reaktionen nicht sofort antworten
Kriterien für Beweisvorlage festlegenAbfluss von Bildern oder Dokumenten verhindernVor Veröffentlichung Metadaten und Hintergrund prüfen
Nicht mit anderem Konto reagierenKontokorrelation verhindernNicht von Klarnamenseite oder anderer Persona verteidigen

Antworten und DMs sind keine "Nachbearbeitung" anonymer Aktivität. Sie sind der Betrieb nach der Veröffentlichung selbst.

Auch Nicht-Antworten vorbereiten

Um Anonymität zu schützen, bereitet man nicht nur Antwortinhalte vor, sondern auch die Entscheidung, nicht zu antworten.

Wenn man jedes Mal spontan entscheidet, wird man von starken Worten mitgezogen. Wenn man vorher kurze Grundsätze festlegt wie "Mehr beantworte ich nicht", "Auf individuelle Details gehe ich nicht ein" oder "Aus Sicherheitsgründen gebe ich keine zusätzlichen Informationen", lässt sich leichter stoppen, ohne Informationen zu erhöhen.

Auch solche Standardsätze erfordern jedoch Vorsicht. Wenn man bei allen Beiträgen dieselbe Formulierung wiederverwendet, kann sie als Schreibstil oder Betriebsgewohnheit sichtbar werden. Man verwendet sie bei Bedarf kurz, fügt keine unnötigen Umstände hinzu und versucht nicht, die andere Person zu überzeugen.

Bei Anonymität ist es wichtiger, nicht zu viel zu erklären, als gut zu erklären.

Auch wenn man nicht antwortet, muss man den Grund des Schweigens nicht detailliert erklären. "Aus Sicherheitsgründen gehe ich nicht weiter ins Detail" stoppt knapper und ist sicherer, als beim Versuch, die andere Person zu überzeugen, weitere Informationen hinzuzufügen. Auch wenn die andere Person weiterfragt, ist wichtig, dieselbe Grenze nicht zu überschreiten.

Zusammenfassung

Antworten und DMs sind Orte, an denen Anonymität leicht zerbricht.

Auch wenn Informationen im ersten Beitrag verallgemeinert wurden, kann man in Antworten Region, Zeit, Arbeitsplatz, Beteiligte oder Erfahrungsdetails preisgeben. Auch DMs sind kein vollständig sicherer Ort.

Um Anonymität zu schützen, muss man auch die Kommunikation nach dem Posten als Betrieb betrachten.

Wichtig ist nicht zu antworten, sondern zu schützen. Bei Fragen mit hohem Risiko ist auch die Entscheidung nötig, nicht zu antworten.

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