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Konten und Betrieb

Regelmäßige Überprüfung

Anonymität ist nicht erledigt, sobald man sie einmal eingerichtet hat.

Auch ein Post, der anfangs sicher wirkte, kann mit der Zeit mit anderen Informationen verbunden werden. Frühere Posts werden mehr. Lebensmuster werden sichtbar. Der Schreibstil ähnelt einem anderen Konto. Ein altes Profil erscheint in Suchergebnissen. Cloud-Freigaben oder Bilder bleiben bestehen.

Bei anonymer Aktivität ist eine regelmäßige Überprüfung nötig.

Die Überprüfung ist keine Arbeit, bei der man Fehler sucht, um sich selbst Vorwürfe zu machen. Sie dient dazu, Hinweise zu ordnen, die im langfristigen Betrieb hinzugekommen sind, und den nächsten Fehler zu verringern.

Warum regelmäßige Überprüfung nötig ist

Anonymität verändert sich mit der Zeit.

Was man an einem einzelnen Post nicht erkennen konnte, wird bei 10, 50 oder 100 Posts zu einem Muster.

Was mit der Zeit zunimmtAuswirkung auf Anonymität
Zahl der PostsMuster bei Themen, Schreibstil und Veröffentlichungszeiten werden sichtbar
BilderOrte, Gegenstände, Hintergründe und Aufnahmeumgebungen sammeln sich an
LinksInteressen, Suchbegriffe und Freigabequellen werden sichtbar
AntwortenBeteiligte und emotionale Gewohnheiten treten hervor
Frühere InformationenVerbindung zu alten Konten und Profilen entsteht

Anonymität bricht nicht nur durch einen einzelnen Fehler.

Kleine Hinweise sammeln sich an und werden später korreliert.

Häufigkeit der Überprüfung festlegen

Regelmäßige Überprüfung hält nicht durch, wenn man sie nur dann macht, wenn sie einem einfällt.

Man legt die Häufigkeit passend zum Risiko der Aktivität fest.

Art der AktivitätOrientierung für die Überprüfung
Risikoarmes Alias-KontoEinmal im Monat oder wenn mehr Posts hinzugekommen sind
Fortlaufende anonyme VeröffentlichungEinmal pro Woche bis einmal pro Monat
Veröffentlichung mit Quellen oder BeteiligtenPro Post, nach Veröffentlichung und regelmäßig erneut prüfen
Whistleblowing oder hochriskante AktivitätJedes Mal vor und nach einer Handlung. Prüfung mit Fachleuten oder Unterstützungsstellen erwägen
Veranstaltungen oder Vor-Ort-AktivitätenVor der Aktivität, nach der Aktivität und vor Bildveröffentlichung prüfen

Eine höhere Frequenz ist nicht automatisch besser.

Wichtig ist, Prüfpunkte festzulegen und nach denselben Kriterien zu überprüfen.

Ergebnisse der Überprüfung festhalten

Bei der regelmäßigen Überprüfung hält man Ergebnisse kurz fest.

Wenn man notiert, was geprüft wurde, was geändert wurde und worauf beim nächsten Mal zu achten ist, muss man dieselbe Prüfung nicht immer wieder wiederholen.

Was man festhältGrund
PrüfdatumMan erkennt, wann überprüft wurde
PrüfzielKonten, Bilder, Links, frühere Informationen und Ähnliches lassen sich trennen
Gefundene ProblemeWerden zu Hinweisen für spätere Prüfungen
Umgesetzte MaßnahmenLöschen, Korrigieren, Zurückstellen und Beratung lassen sich ordnen
Ungeprüfte PunkteDamit ungeklärte Punkte nicht liegen bleiben

Die Prüfnotizen selbst brauchen jedoch ebenfalls Vorsicht.

Wenn detaillierte Notizen zu anonymer Aktivität in einer Klarnamen-Cloud oder auf einem Arbeitsgerät liegen, können sie von dort aus korreliert werden. Wer Aufzeichnungen führt, prüft auch Speicherort und Zugriffsrechte.

Posts und Konten ansehen

Zuerst schaut man auf Post-Inhalte und Konten.

Man prüft Profil, Anzeigename, Icon, Selbstbeschreibung, angeheftete Posts, Links, Veröffentlichungszeiten und Antwortpartner.

StelleWas man prüft
ProfilOb alte Handles, Region, Beruf oder Zugehörigkeit sichtbar sind
IconOb es mit früheren Bildern oder anderen Konten identisch ist
Post-InhaltOb Themen zu stark auf ein bestimmtes Gebiet konzentriert sind
VeröffentlichungszeitOb Lebensrhythmus oder Arbeitszeiten sichtbar werden
AntwortpartnerOb Korrelation mit Beteiligten oder anderen Konten entsteht

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Profil, das ganz am Anfang eingerichtet wurde.

Direkt nach der Erstellung kann es unproblematisch sein. Wenn mehr Posts hinzukommen, können sich Profilinformationen und Textinhalt jedoch verbinden.

Bilder, Dateien und Links ansehen

Als Nächstes prüft man Bilder, Dateien und Links.

In Bildern bleiben Hintergründe und Reflexionen, in Dateien Metadaten, in Links Tracking-Parameter oder Informationen über die freigebende Person.

ZielWas man prüft
FotosGesicht, Hintergrund, Reflexion, Ladenname, Stationsname, GPS
ScreenshotsBenachrichtigungen, Kontoname, Uhrzeit, UI-Sprache
PDF/OfficeErsteller, Kommentare, Änderungsverlauf, Dateiname
Cloud-LinkEigentümer, Freigabebereich, Leserechte
URLSuchbegriffe, Empfehlungs-ID, Tracking-Parameter

Auch ein Bild, das beim Posten sicher wirkte, kann später mit einem anderen Post kombiniert werden.

Bei der regelmäßigen Überprüfung schaut man nicht auf Einzelstücke, sondern auf die Kombination im Ganzen.

Korrelation mit früheren Informationen ansehen

Je länger anonyme Aktivität dauert, desto wichtiger wird die Korrelation mit früheren Informationen.

Man prüft alte Blogs, frühere soziale Netzwerke, frühere Profile, Bildersuche und Informationen, die auf Archivseiten geblieben sind.

Bildersuche und Archivsuche sind externe Dienste. Suchbegriffe, URLs, Bilder, Zugriffsquelle, Anmeldestatus und Prüfzeitpunkt können an den Dienst übermittelt werden. Unter der Voraussetzung, dass keine unveröffentlichten oder hochriskanten Bilder hochgeladen werden, prüft man bei Bedarf in einer getrennten Umgebung.

Man schaut, ob „das jetzige Konto“ und „das frühere Selbst“ durch dasselbe Thema, denselben Schreibstil, dieselben Bilder oder dieselben gewohnten Orte verbunden sind.

Frühere InformationVerbindung zur Gegenwart
Alter HandleOb ein ähnlicher Name oder eine Abkürzung verwendet wird
Altes ProfilOb Region, Beruf oder Hobbys mit heutigen Posts überlappen
Frühere BilderOb dasselbe Icon, derselbe Ort oder derselbe Gegenstand vorkommt
Alter SchreibstilOb charakteristische Formulierungen oder Strukturen geblieben sind
ArchivOb gelöschte Informationen mit heutiger Aktivität verbunden werden können

Die Prüfung früherer Informationen ist nicht mit einem Mal abgeschlossen.

Suchergebnisse und Archive können erst nach einiger Zeit auftauchen.

Was nach der Überprüfung zu tun ist

Wenn man ein Problem findet, ordnet man zuerst die Situation, bevor man sofort löscht.

Manchmal ist Löschen nötig. Aber Löschen kann umgekehrt Aufmerksamkeit erzeugen. Bei Empörung, Belästigung oder rechtlichem Risiko kann vor dem Löschen Beweissicherung oder Beratung nötig sein.

Gefundenes ProblemMaßnahme
Leichte personenbezogene InformationPost korrigieren, künftige Formulierung anpassen
Bild zeigt ungewollte DetailsLöschen, ersetzen, Aufnahmeweise für später ändern
Identifizierende Information im LinkURL korrigieren, Freigabemethode überdenken
Information mit Auswirkung auf BeteiligteKontakt zu Beteiligten oder Löschung erwägen
Hochriskante InformationBeweissicherung und Beratung durch Fachleute oder Unterstützungsstellen erwägen

Ziel der Überprüfung ist nicht, die Vergangenheit perfekt zu löschen.

Ziel ist, ab jetzt nicht dieselben Hinweise weiter zu vermehren.

Durch zu viel Überprüfung keine neuen Handlungen erzeugen

Regelmäßige Überprüfung ist wichtig. Wenn man jedoch übermäßig weiterprüft, kann das andere Spuren vermehren.

Immer wieder eigene Posts suchen, mit mehreren Konten ansehen, täglich Suchergebnisse prüfen, Beteiligte wiederholt kontaktieren. Solche Handlungen erzeugen neue Logs und Korrelationen.

Überprüfung geschieht mit festgelegter Häufigkeit und festgelegtem Ablauf.

Statt aus Unsicherheit planlos zu handeln, legt man Prüftag, Prüfbereich und Maßstab für Reaktionen fest. Wenn ein hochriskantes Problem gefunden wird, haben Beweissicherung und Beratung Vorrang vor eigenmächtigem Handeln.

Überprüfung wirkt besser, je ruhiger sie nach denselben Kriterien fortgesetzt wird.

Statt bei jeder Prüfung zur nächsten neuen Maßnahme zu springen, schaut man, was sich seit dem letzten Mal verändert hat.

Zusammenfassung

Anonymität lässt sich nicht allein durch die erste Einrichtung erhalten.

Posts, Bilder, Links, Antworten, Profile und frühere Informationen nehmen mit der Zeit zu und verbinden sich miteinander.

Bei der regelmäßigen Überprüfung prüft man Konten, Post-Inhalte, Bilder, Dateien, Links und Korrelation mit früheren Informationen.

Wenn man ein Problem findet, erwägt man nicht nur Löschen, sondern auch Beweissicherung, Korrektur, Betriebsänderung und Beratung.

Anonymität ist fortlaufender Betrieb.

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