Was Profiling ist
Profiling erstellt aus Beiträgen, Zeiten, Wortwahl, Bildern, Cookies, Logins und früheren Konten ein Personenbild, auch wenn kein echter Name genannt wird.
Auch wenn man anonym keinen Namen nennt, betrachtet die Gegenseite einen nicht unbedingt als "völlig unbekannte Person".
Beitragsinhalt, Zugriffszeiten, verwendete Wörter, Interessengebiete, Bilder, Geräteinformationen, frühere Konten. Wenn solche Informationen gesammelt werden, entsteht ein Personenbild.
Aus verstreuten Informationen Eigenschaften, Verhalten, Interessen, gewohnte Orte und Beziehungen einer Person abzuleiten, nennen wir hier Profiling.
Profiling ist nicht nur eine besondere Ermittlung wie im Film.
Es ist auch ein Denkmuster bei Werbeausspielung, Zugriffsauswertung, Missbrauchserkennung, Empfehlungen in sozialen Netzwerken, Recherche in öffentlichen Informationen und Identifizierung zu Belästigungszwecken.
Um Anonymität zu beurteilen, reicht die Frage "Habe ich meinen Namen genannt?" nicht aus. Man muss auch sehen, welches Personenbild entstehen kann.
Was Profiling ist
Profiling bedeutet, aus mehreren Hinweisen ein Personenbild abzuleiten.
Im Kontext von Anonymität können auch ohne echten Namen Geschlecht, Altersgruppe, Region, Beruf, Lebensrhythmus, Interessen, Zugehörigkeit zu Communities und Verbindungen zu früheren Konten vermutet werden.
| Hinweis | Was vermutet wird | Beispiel |
|---|---|---|
| Beitragsinhalt | Beruf, Region, Erfahrung | Branchenbegriffe, Pendeln, Schulveranstaltungen |
| Posting-Zeit | Lebensrhythmus | Nachtschicht, Mittagspause, Schulweg |
| Wortwahl | Altersgruppe, Region, Community | Dialekt, Fachbegriffe, Netzslang |
| Bilder | Ort, Gegenstände, Gerät | Schilder, Uniformen, Zimmer, Benachrichtigungen |
| Folgebeziehungen | Interessen, Mitstreitende, Zugehörigkeit | Bestimmte Gruppen oder Schulumfeld |
| Frühere IDs | Gleiche Person | Alte soziale Netzwerke, Spiele, Foren |
Die Gefahr von Profiling liegt darin, dass einzeln schwache Informationen zusammenwirken.
Wenn "medizinischer Bereich", "Stadt außerhalb der Metropolen", "Nachtschicht", "bestimmte Prüfung" und "früherer Handle" zusammenkommen, wird der Kreis der Kandidaten schnell klein.
Auch ohne echten Namen entsteht ein Personenbild
Die Vorstellung, ohne echten Namen anonym zu sein, reicht nicht aus.
Angenommen, eine Person postet in sozialen Netzwerken immer wieder Folgendes.
An Werktagen reagiert sie gegen sieben Uhr morgens auf überfüllte Bahnhöfe. Es gibt viele Beiträge nach Nachtschichten. Sie verwendet Fachbegriffe aus Medizin oder Pflege. Sie kennt lokales Wetter und lokale Veranstaltungen gut. Sie nutzt einen Namen, der einer alten Spiele-ID ähnelt.
Bis hierhin wurde kein echter Name genannt.
Trotzdem werden gewohnte Orte, Arbeitsweise, Beruf, Altersgruppe und frühere Aktivitäten sichtbar.
| Ausgegebene Information | Sichtweise einzeln | Sichtweise kombiniert |
|---|---|---|
| Nach Nachtschicht | Teil der Arbeitszeit | Berufsfeld und Lebensrhythmus werden eingegrenzt |
| Branchenbegriffe | Fachgebiet | Beruf oder Zugehörigkeitskandidaten werden sichtbar |
| Lokale Themen | Teil der gewohnten Orte | Verbindet sich mit Pendelbereich und besuchten Veranstaltungen |
| Name ähnlich alter ID | Namensmuster | Führt zur Suche nach früheren Konten |
| Fotohintergrund | Teil eines Ortes | Reale Bewegungsräume werden sichtbar |
Anonymität bricht nicht nur dann, wenn plötzlich der amtliche Name erscheint.
Auch die Eingrenzung von Kandidaten ist bereits ein Zustand geschwächter Anonymität.
Profiling durch Dienste
Websites und Apps verarbeiten verschiedene Informationen, um Nutzerinnen und Nutzer zu unterscheiden.
IP-Adresse, Cookies, Anmeldestatus, User-Agent, Geräteinformationen, Browserverlauf, Klicks, Verweildauer, Kaufverlauf. Diese werden für Anzeigeoptimierung, Werbung, Missbrauchserkennung und Verbesserung des Dienstes genutzt.
| Information | Verwendung | Worauf bei Anonymität zu achten ist |
|---|---|---|
| Cookie | Erkennt erneute Besuche desselben Browsers | Trotz anderer IP wird dieselbe Nutzung gesehen |
| Anmeldestatus | Verbindet Handlungen mit einem Konto | Auch ohne Namensnennung bleibt Verlauf |
| IP-Adresse | Zeigt das Netz der Verbindung | Wird Hinweis auf Region oder Anschluss |
| Geräteinformationen | Anzeigeanpassung und Missbrauchserkennung | Wird zusammen mit anderen Informationen zu Identifizierungsmaterial |
| Verhaltensverlauf | Nutzung für Empfehlungen und Werbung | Interessen und Eigenschaften werden vermutet |
Wichtig ist hier, dass Profiling durch Dienste nicht nur bei böser Absicht entsteht.
Viele Dienste unterscheiden Nutzerinnen und Nutzer als normale Funktion. Im Austausch für Bequemlichkeit wächst das Material zur Identifizierung.
Wer Profiling betreibt
Es gibt nicht nur eine Art von Gegenüber, die Profiling betreibt.
Werbefirmen, Betreiber sozialer Netzwerke, Beteiligte aus Arbeitsplatz oder Schule, belästigende Personen, Ermittlerinnen und Ermittler, staatliche Stellen sehen unterschiedliche Informationen und haben unterschiedliche Fähigkeiten. Wenn man Anonymität beurteilt, trennt man, gegen wen man sich richtet.
| Gegenüber | Sichtbare Informationen | Worauf achten |
|---|---|---|
| Webdienst | Anmeldestatus, Cookies, Browserverlauf | Innerhalb des Dienstes werden Handlungen verbunden |
| Werbung und Analyse | Geräteinformationen, Verhalten über Websites hinweg | Verhalten über mehrere Websites wird verbunden |
| Bekannte und Arbeitsplatz | Beitragsinhalt, Zeiten, sprachliche Eigenheiten | Reagieren leicht auf interne Umstände |
| Rechercheure | Öffentliche Informationen, Suchergebnisse, Bilder | Verbinden frühere Informationen mit aktueller Veröffentlichung |
| Staatliche Stellen | Rechtliche Befugnisse, Kommunikationsdaten, Dienstanfragen | Bei hohem Risiko ist fachliche Beratung nötig |
Je nach Gegenüber ändern sich die Maßnahmen.
Will man sich vor Bekannten schützen, sind Beitragsinhalt und gewohnte Orte wichtig. Will man Identifizierung durch Dienstbetreiber reduzieren, sind Cookies, Anmeldestatus und Geräteinformationen wichtig. Geht man von staatlichen Akteuren aus, reicht ein Artikel als Entscheidungsgrundlage nicht aus.
Profiling aus öffentlichen Informationen
Profiling entsteht nicht nur aus internen Logs von Diensten.
Auch öffentlich sichtbare Beiträge, Profile, Bilder, Suchergebnisse und frühere Konten reichen aus, um ein Personenbild zu erstellen. Das liegt nahe am Denken von OSINT, also Recherche in offenen Informationen.
| Öffentliche Information | Was sichtbar wird | Worauf achten |
|---|---|---|
| Social-Media-Beiträge | Themen, Zeiten, Beteiligte | Langfristige Ansammlung ist stark |
| Profil | Eigenschaften, Links, Selbstbeschreibung | Auch wenig Information verbindet sich mit anderem |
| Bildersuche | Frühere Bilder, Gesicht, Ort | Wiederverwendete Bilder führen leicht zu alten Konten |
| Suchergebnisse | Alte Blogs, Foren | Vergessene Informationen bleiben |
| Externe Links | Andere soziale Netzwerke, Formulare, Unterlagen | Verbindung zu Administratorinformationen oder Logs |
Vor dem Erstellen eines anonymen Kontos prüft man, ob der gewünschte Benutzername oder bereits veröffentlichte Bilder mit früheren Informationen verbunden werden können.
Nicht veröffentlichte Gesichtsfotos, Bilder, die direkt zur Identität führen, oder hochriskante Unterlagen darf man dafür jedoch nicht bei Suchdiensten oder externen KI-Diensten hochladen. Auch bei bereits laufendem Betrieb prüft man, wie Kontoname, charakteristische Wörter in Beiträgen und veröffentlichte Bilder von außen aussehen, und bedenkt dabei Suchlogs sowie Informationen, die beim Dienst verbleiben.
Wie man Profiling abschwächt
Profiling lässt sich nicht vollständig beseitigen.
Wer etwas veröffentlicht, gibt immer irgendeine Information aus. Wichtig ist, unnötige Informationen zu verringern und zu vermeiden, dass mehrere Hinweise in dieselbe Richtung zeigen.
| Maßnahme | Grund | Konkretes Beispiel |
|---|---|---|
| Thema begrenzen | Weniger Alltagsinformationen vermischen | Im Hobbykonto nicht über Ärger am Arbeitsplatz schreiben |
| Region verallgemeinern | Gewohnte Orte nicht eingrenzen lassen | Stations- und Geschäftsnamen nicht nennen |
| Zeit versetzen | Teilnahme vor Ort nicht zeigen | Nicht direkt nach einer Veranstaltung posten |
| Bilder prüfen | Hintergrund und Benachrichtigungen entfernen | Screenshots zuschneiden |
| ID nicht wiederverwenden | Von früheren Konten trennen | Neuen Namen erstellen |
| Logins trennen | Identifizierung innerhalb von Diensten trennen | Klarnamenumgebung und anonyme Umgebung nicht mischen |
Das dient nicht nur dazu, sich selbst zu verstellen.
Bei Beratung, Whistleblowing, Quellenschutz und Absicherung von Aktivität ist es auch nötig, um nicht nur die eigene Person, sondern auch Beteiligte zu schützen.
Zusammenfassung
Profiling bedeutet, aus mehreren Informationen ein Personenbild abzuleiten.
Auch ohne echten Namen werden gewohnte Orte, Beruf und Beteiligte sichtbar, wenn Beitragsinhalt, Zeit, Wortwahl, Bilder, Cookies, Anmeldestatus und frühere Konten zusammenkommen.
Bei Anonymität muss man nicht nur an den Namen denken, sondern auch daran, "als welche Art von Person" man gesehen wird.
Profiling lässt sich nicht vollständig entfernen.
Aber indem man Themen trennt, Regionen verallgemeinert, Zeiten versetzt, Bilder prüft, IDs nicht wiederverwendet und Klarnamenumgebung sowie anonyme Umgebung nicht mischt, kann man verlangsamen, wie schnell Kandidaten eingegrenzt werden.
Anonymität bedeutet nicht, Informationen auf null zu setzen.
Sie ist die Entscheidung, das Personenbild, das andere erstellen können, nicht unnötig dicht werden zu lassen.
Verwandte Werkzeuge
OSINT Framework
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Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
