Wer anonym postet, achtet oft darauf, keinen Namen, kein Gesichtsfoto und keine Adresse zu zeigen.
Das ist wichtig.
Wenn aber im Beitragsinhalt selbst spezifische Hinweise stecken, können die Person oder Beteiligte auch ohne echten Namen eingegrenzt werden.
Spezifische Hinweise sind Informationen, die nur Menschen kennen, die dieser Person, diesem Ort, diesem Ereignis oder dieser Organisation nahestehen. Ungewöhnliche Erlebnisse, genaue zeitliche Abläufe, interne Vorgänge am Arbeitsplatz, Schulveranstaltungen, Familienstruktur, Fachgebiet, besuchte Veranstaltungen, konkrete Fehlergeschichten. Solche Informationen sind für Anonymität starke Hinweise.
Dieser Artikel ordnet, welche spezifischen Hinweise leicht in Texte geraten und wie man sie vor der Veröffentlichung prüft.
Was spezifische Hinweise sind
Spezifische Hinweise sind nicht nur direkte personenbezogene Informationen wie Name oder Adresse.
Dazu gehören auch Informationen, die stark zeigen, "typisch diese Person" oder "typisch dieses Ereignis" zu sein.
Spezifischer Hinweis
Beispiel
Warum gefährlich
Ungewöhnliches Erlebnis
Bestimmter Unfall, Preis, Konflikt
Wer davon weiß, erkennt die Person
Genaue Zeitleiste
Was an welchem Datum geschah
Lässt sich mit anderen Aufzeichnungen abgleichen
Interne Vorgänge
Abteilung, Besprechung, Arbeitsablauf
Die Organisation wird eingegrenzt
Informationen über Beteiligte
Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen, Familie, Lehrkräfte
Andere Personen werden mit hineingezogen
Fachwissen
Branchenbegriffe, spezielle Erfahrung
Beruf oder Rolle wird sichtbar
Bei Anonymität reicht es nicht, nur zu prüfen, ob personenbezogene Informationen entfernt wurden.
Man prüft, ob im Text Informationen zurückbleiben, die nur Menschen verstehen, die die Person kennen.
Erfahrungsberichte machen das Personenbild dichter
Erfahrungsberichte sind eine leicht verständliche Schreibweise.
Beim anonymen Veröffentlichen verdichten gerade Erfahrungsberichte aber das Bild der Person. Alter, Zeitraum, Region, Beruf, Familie, Beteiligte, Gefühle und Reihenfolge der Ereignisse fließen natürlich ein.
Informationen, die in Erfahrungsberichten leicht vorkommen
Beispiel
Worauf bei Anonymität zu achten ist
Zeitpunkt
Letzten Sommer, im dritten Jahr nach Eintritt
Alter oder Berufsverlauf wird eingegrenzt
Ort
Bahnhof im Heimatort, Krankenhaus in der Nähe
Gewohnte Orte werden sichtbar
Zugehörigkeit
Kleines Unternehmen, Fachschule
Der Kreis der Kandidaten wird kleiner
Beteiligte
Vorgesetzte, Lehrkraft, Familie
Auch Menschen im Umfeld werden identifizierbar
Reihenfolge der Ereignisse
Nach der Besprechung wurde ich gerufen
Lässt sich mit internen Aufzeichnungen abgleichen
Das bedeutet nicht, dass man keine Erfahrungsberichte schreiben darf.
Für anonyme Beratung oder Whistleblowing kann ein Erfahrungsbericht nötig sein. Wichtig ist, zwischen Informationen zu unterscheiden, die für den Sinn der Darstellung nötig sind, und Details, die zur Identifizierung genutzt werden können.
Auf Informationen achten, die nur Beteiligte erkennen
Auch Informationen, die Außenstehende nicht verstehen, können Beteiligte erkennen.
Genau das wird bei Anonymität leicht übersehen. Für allgemeine Leserinnen und Leser kann etwas ausreichend verallgemeinert wirken, während Arbeitsplatz, Schule, Familie, Mitstreitende oder Gegenseite es trotzdem verstehen.
Information
Sicht von außen
Sicht von Beteiligten
Atmosphäre in der Abteilung
Wirkt wie eine übliche Arbeitsplatzgeschichte
Die Abteilung wird erkennbar
Lieblingssatz einer Lehrkraft
Wirkt wie normales Gespräch
Eine bestimmte Lehrkraft wird erkennbar
Datum eines Konflikts
Wirkt wie ein Alltagsereignis
Wer an diesem Tag dort war, wird erkennbar
Merkmale eines Dokuments
Wirkt wie gewöhnliche Unterlagen
Der konkrete Vorgang wird erkennbar
Beschreibung eines Veranstaltungsorts
Wirkt wie irgendein Ort
Teilnehmende können ihn identifizieren
Vor der Veröffentlichung fragt man nicht nur: "Würden Fremde das erkennen?"
Man fragt: "Würden Menschen, die es wissen, das erkennen?"
Das Gegenüber bei Anonymität ist nicht immer die allgemeine Leserschaft.
Fachbegriffe und Schreibstil werden ebenfalls zu Hinweisen
Fachbegriffe können die Glaubwürdigkeit eines Beitrags erhöhen.
Je nach Verwendung machen sie aber Beruf, Branche, Rolle oder Erfahrungsjahre sichtbar. Auch Schreibstil und Formulierungen können mit früheren Konten verbunden werden.
Hinweis
Sichtbare Information
Was prüfen
Branchenbegriffe
Tätigkeit oder Branche
Ist es unnötig fachlich
Interne Begriffe
Unternehmen oder Abteilung
Ist das Wort außerhalb selten
Typische Wendungen
Korrelation mit früheren Konten
Ist der Text der Klarnamenseite zu ähnlich
Formulierungen
Altersgruppe oder Community
Ist der Text zu stark an eine bestimmte Szene gebunden
Tippfehler-Muster
Gleiche Person
Taucht derselbe Fehler langfristig auf
Man muss den eigenen Schreibstil nicht vollständig ändern.
Bei riskanten Veröffentlichungen ist es jedoch sicherer, nicht dieselben Wendungen, denselben Aufbau und dieselbe Art der Fachbegriffe wie im Klarnamenkonto zu verwenden.
Zahlen und Daten lassen sich leicht abgleichen
Zahlen machen einen Text überzeugender.
Konkrete Zahlen und Daten werden aber zu Achsen für den Abgleich. Personenzahlen, Alter, Beschäftigungsdauer, Zeitpunkt eines Vorfalls, Beträge, Häufigkeiten, Zahl der Teilnehmenden, Besprechungszeiten. Solche Informationen lassen sich gut mit internen Aufzeichnungen, Nachrichten oder Social-Media-Beiträgen verbinden.
Konkrete Information
Risiko
Art der Verallgemeinerung
Genaues Datum
Wird mit Aufzeichnungen abgeglichen
letzten Monat, kürzlich, vor einigen Wochen
Personenzahl
Organisation oder Klasse wird eingegrenzt
einige Personen, gut zehn Personen, mehrere Personen
Alter
Person oder Familie wird eingegrenzt
in den Zwanzigern, studierend, minderjährig
Betrag
Vorgang oder Geschäft wird identifizierbar
fünfstelliger Betrag, größerer Betrag
Beschäftigungsdauer
Berufsverlauf wird sichtbar
seit einigen Jahren, seit langer Zeit dort
In Situationen, in denen Genauigkeit nötig ist, kann es sinnvoll sein, Zahlen stehen zu lassen.
Wenn Anonymität Vorrang hat, wird jedoch zwischen Konkretheit und Sicherheit abgewogen. Bei Whistleblowing oder rechtlicher Beratung kann man öffentliche Beiträge verallgemeinern und genaue Aufzeichnungen nur über einen vertrauenswürdigen Beratungsweg weitergeben.
Prüfung vor der Veröffentlichung
Spezifische Hinweise im Beitragsinhalt fallen der schreibenden Person selbst oft am wenigsten auf.
Gerade Informationen, die einem selbst selbstverständlich erscheinen, werden für Beteiligte zu starken Hinweisen.
Schritt
Was prüfen
Zweck
1
Namen, Ortsnamen und Organisationsnamen herausziehen
Direkte Informationen prüfen
2
Daten, Personenzahlen, Berufe und Rollen herausziehen
Leicht abgleichbare Informationen sehen
3
Formulierungen suchen, die nur Beteiligte verstehen
Interne Identifizierung vermeiden
4
Zusammen mit Bildern und Links lesen
Mit Hinweisen außerhalb des Textes abgleichen
5
Prüfen, ob der Sinn trotz Verallgemeinerung erhalten bleibt
Lesbarkeit erhalten
Wenn möglich, liest man den Text mit zeitlichem Abstand noch einmal.
Wer hastig postet, übersieht leichter die spezifischen Hinweise, die er oder sie selbst ausgegeben hat. Je stärker die Emotion, desto ausführlicher wird oft die Erklärung.
Beispiele für Umschreibungen
Beim Verringern spezifischer Hinweise entfernt man nicht alles, sondern lässt nur die notwendige Bedeutung stehen.
Wenn man zum Beispiel über ein Problem am Arbeitsplatz beraten werden möchte, kann man die Situation auch ohne Unternehmens- oder Abteilungsnamen erklären: "kleiner Arbeitsplatz", "Druck durch eine Führungskraft", "Aussage vor mehreren Personen".
Ursprüngliche Formulierung
Umschreibung
Erhaltene Bedeutung
Gestern gab es in einem Laden in Shibuya einen Konflikt
Kürzlich gab es in einem Geschäft in einer Großstadt einen Konflikt
Art des Ortes und Zeitraum
Ich bin im dritten Jahr nach Eintritt in der Buchhaltung
Ich arbeite seit einigen Jahren im Verwaltungsbereich
Rolle und Erfahrung
An der Schule meines Sohnes in der achten Klasse
An der Schule meines Kindes
Familienbeziehung und schulischer Kontext
In der Besprechung am 12. Mai sagte der Abteilungsleiter
In einer kürzlichen internen Besprechung sagte eine vorgesetzte Person
Ereignis im Arbeitsplatzkontext
Ich lade das PDF-Original unverändert hoch
Ich bereite die notwendigen Teile für die Prüfung auf
Trennung von Beweiswert und Sicherheit
Nach dem Umschreiben prüft man, ob sich die Bedeutung geändert hat.
Wenn Anonymität so stark priorisiert wird, dass Sachverhalte missverständlich werden, ist das ebenfalls ein Problem. Besonders bei Whistleblowing oder Beratung nach einem Schaden ist es wichtig, zwischen öffentlichen Formulierungen und genauen Informationen für die Beratungsstelle zu unterscheiden.
Zusammenfassung
Spezifische Hinweise im Beitragsinhalt beeinflussen Anonymität stark.
Auch ohne Namen, Adresse oder Gesichtsfoto können ungewöhnliche Erlebnisse, Zeitleisten, interne Vorgänge, Informationen über Beteiligte, Fachbegriffe, Zahlen und Daten zusammen die Person oder Beteiligte eingrenzen.
Wichtig ist nicht nur die Frage, ob allgemeine Leserinnen und Leser etwas erkennen.
Wichtig ist auch die Frage, ob Beteiligte es beim Lesen erkennen.
Bei Erfahrungsberichten und Whistleblowing kann Konkretheit nötig sein.
Auch dann trennt man Informationen für die Öffentlichkeit von Informationen, die an eine vertrauenswürdige Beratungsstelle gehen. In öffentlichen Beiträgen senkt man die Granularität; Informationen mit Beweiswert behandelt man über sichere Wege.
Um Anonymität zu schützen, muss man den Textinhalt kritisch prüfen können.
Man prüft nicht nur, was gesagt wird, sondern welche Details zur Person zurückführen können.
Verwandte Werkzeuge
Anonymous communication
Tor Project
Eine externe Ressource zu diesem Artikel. Öffne sie nur, wenn sie zu deiner Situation und deinem Bedrohungsmodell passt.
Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
Beitragsinhalte können über ungewöhnliche Erlebnisse, Zeitleisten, interne Vorgänge, Beteiligte, Fachbegriffe, Zahlen und Daten Personen oder Beteiligte eingrenzen.