Identitätsrisiken durch Kamera, Mikrofon und Benachrichtigungen
Bei anonymer Aktivität können Informationen über Kamera, Mikrofon und Benachrichtigungen durchsickern, auch wenn man auf Text und IP-Adresse achtet.
„Mein Gesicht ist nicht zu sehen, also ist es sicher.“ „Ich habe meine Stimme etwas verändert, also ist es sicher.“ „Beim Bildschirmteilen ist nur der nötige Bereich sichtbar, also passt es.“ So zu denken ist gefährlich.
Die Kamera zeigt den Hintergrund. Das Mikrofon nimmt Umgebungsgeräusche auf. Benachrichtigungen zeigen Klarnamen, Kontakte, Termine und Authentifizierungscodes. All das kann in einem Augenblick aufgezeichnet und als Screenshot, Aufnahme oder Ausschnitt erhalten bleiben.
Dieser Artikel ordnet, wie Identität und gewohnte Orte über Kamera, Mikrofon und Benachrichtigungen durchsickern, und was vor Veröffentlichung zu prüfen ist.
Was über die Kamera durchsickert
Eine Kamera ist nicht sicher, nur weil kein Gesicht zu sehen ist.
Zimmerhintergrund, Blick aus dem Fenster, Reflexionen, Dokumente, Uniformen, Aushänge, Möbel und Merkmale des gewohnten Umfelds können sichtbar werden. Bei Videoanrufen, Livestreams, Aufnahmen und Fotos können selbst kurz sichtbare Informationen gespeichert, ausgeschnitten und weiterverbreitet werden.
Sichtbar
Was erkennbar wird
Hinweis
Zimmerhintergrund
Lebensumfeld, Familienstruktur
wird bei wiederholtem Auftreten in Fotos oder Videos charakteristisch
Blick aus dem Fenster
Region, Gebäude, Richtung
Landschaft und Schilder engen Orte ein
Reflexion
Gesicht, Bildschirm, andere Raumseite
auf Brillen, Spiegel, Metall und Fenster achten
Dokumente
Name, Firmenname, Schulname
auch Papier auf Tisch und Wand prüfen
Uniform oder Gegenstände
Zugehörigkeit, Beruf, Schule
Logo oder Farbe kann reichen
Wenn man für anonyme Aktivität eine Kamera verwendet, prüft man auch Hintergrund und Reflexionen.
Auch bei virtuellen Hintergründen kann bei Bewegung der eigentliche Hintergrund kurz sichtbar werden. In wichtigen Situationen senkt ein physisch sicherer Hintergrund Risiken oft besser.
Was über das Mikrofon durchsickert
Ein Mikrofon nimmt nicht nur die Stimme auf.
Gespräche in der Umgebung, Stimmen von Familie, Geräusche von Bahnhof oder Geschäft, Arbeitsplatzgeräusche, Benachrichtigungstöne und Alltagsgeräusche werden mit aufgenommen. Auch die Stimme selbst ist für Menschen, die einen kennen, ein starker Hinweis.
Ton
Was erkennbar wird
Hinweis für Anonymität
Eigene Stimme
Bekannte erkennen die Person
Notwendigkeit von Stimme prüfen
Stimmen von Familie oder Mitbewohnenden
Familienstruktur, Lebensumfeld
zieht andere Personen hinein
Bahnhofs- oder Geschäftsgeräusche
Ort, Tageszeit
Hinweis auf gewohnte Orte
Arbeitsplatzgeräusche
Zugehörigkeit, Arbeitsumfeld
interne Informationen treten heraus
Benachrichtigungston
App, Gerät, Kontakt
Vermischung mit Klarnamenumgebung wird sichtbar
Wo Stimme nicht nötig ist, ist Stummschalten die Grundregel.
Vor Aufnahme oder Stream schafft man eine Umgebung ohne Umgebungsgeräusche. Bei Hochrisiko-Veröffentlichungen ist Stimme selbst ein starker Hinweis auf die Person; schriftliche Veröffentlichung oder vertrauenswürdige Vermittlung kann erwogen werden.
Was über Benachrichtigungen durchsickert
Benachrichtigungen werden bei anonymer Aktivität sehr leicht übersehen.
Sie können Klarnamen, Kontonamen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Kontaktpersonen, Termine, Authentifizierungscodes sowie Arbeitsplatz- oder Schulnamen anzeigen.
Beim Bildschirmteilen oder in Screenshots reicht eine Benachrichtigung, die nur kurz erscheint, um aufgezeichnet zu werden.
Art der Benachrichtigung
Durchsickernde Information
Hinweis
Nachricht
Name des Gegenübers, Inhalt
wird beim Bildschirmteilen gespeichert
E-Mail
Klarname, Arbeitsplatz, Schule
schon die Betreffzeile kann Hinweis sein
Kalender
Termin, Ort, Gegenüber
Lebensrhythmus und Zugehörigkeit werden sichtbar
Authentifizierungscode
Dienstname, Teil der Telefonnummer
auch sicherheitlich gefährlich
SNS-Benachrichtigung
Klarnamenkonto, Aliaskonto
Kontokorrelation entsteht
Vor anonymer Aktivität schaltet man Benachrichtigungsvorschauen aus.
Damit Benachrichtigungen von Klarnamenkonten nicht in der anonymen Umgebung erscheinen, trennt man Gerät, OS-Benutzer, Browserprofil und App-Benachrichtigungseinstellungen.
Bildschirmteilen und Screenshots
Risiken durch Kamera, Mikrofon und Benachrichtigungen werden bei Bildschirmteilen und Screenshots stärker.
Wenn der ganze Bildschirm geteilt wird, sind Tabtitel, Lesezeichen, Dateinamen, Desktop, Benachrichtigungen und andere Apps sichtbar. Screenshots können außerdem Uhr, Spracheinstellung, WLAN-Name, Dateipfade und Kontonamen zeigen.
Sichtbar
Risiko
Maßnahme
Browser-Tabs
aktuell besuchte Websites und Klarnamendienste
nur nötige Tabs öffnen
Lesezeichen
Interessen, Arbeitsplatz, Schule
in anonymer Umgebung trennen
Dateinamen
Klarname, Vorgangsname, Organisationsname
vor dem Teilen ordnen
Desktop
gespeicherte Dateien, private Fotos
Vollbildschirmfreigabe vermeiden
OS-Anzeige
Benutzername, Uhrzeit, Sprache
Screenshot-Bereich begrenzen
Bildschirmfreigabe wird auf das nötige Fenster begrenzt, nicht auf den ganzen Bildschirm.
Trotzdem können Benachrichtigungen oder Pop-ups erscheinen. In wichtigen Situationen ist eine separate Umgebung für Freigabe sicherer.
Berechtigungen prüfen
Browser und Apps speichern Kamera-, Mikrofon- und Benachrichtigungsberechtigungen je Website und App.
Wenn früher erteilte Berechtigungen bleiben, können Eingaben oder Benachrichtigungen in unbeabsichtigten Situationen aktiv werden.
Berechtigung
Zu prüfen
Grund
Kamera
ob unnötige Websites erlaubt sind
unbeabsichtigte Videoeingabe vermeiden
Mikrofon
ob dauerhaft erlaubt ist
Umgebungston nicht aufnehmen lassen
Benachrichtigung
ob Klarnamendienste angezeigt werden
Leaks bei Bildschirmteilen oder Aufnahme vermeiden
Bildschirmaufnahme
ob Apps aufnehmen können
Freigabebereich kontrollieren
Dateizugriff
ob persönliche Dateien erreichbar sind
Fehlfreigabe vermeiden
In einer Umgebung für anonyme Aktivität ist es sicherer, Berechtigungen nur bei Bedarf zu erlauben und danach zu entziehen.
Wenn man dasselbe Browserprofil wie in der Klarnamenumgebung verwendet, vermischen sich Benachrichtigungen, s, Anmeldestatus und Verlauf.
Kurzer Prüfablauf vor anonymer Aktivität
Vor Stream, Aufnahme, Anruf, Bildschirmfreigabe oder Screenshot prüft man in einem kurzen Ablauf.
Es ist anstrengend, jedes Mal alles tief zu untersuchen. Gerade darum legt man eine Mindest-Reihenfolge fest.
Reihenfolge
Zu prüfen
Grund
1
Benachrichtigungsvorschau ausschalten
Klarnamen, Kontakte und Termine nicht zeigen
2
Freigabe auf Fenster beschränken
nicht den ganzen Desktop zeigen
3
Hintergrund und Reflexionen prüfen
Zimmer, Gesicht, Dokumente und Fensterblick nicht zeigen
4
Mikrofoneingang prüfen
Stimmen und Geräusche in der Umgebung nicht aufnehmen
5
Aufnahme oder Screenshot erneut prüfen
Leaks vor dem Posten finden
Diese Prüfung wird gerade von geübten Personen leicht übersprungen.
Benachrichtigungen und Reflexionen erscheinen aber in einem Augenblick. Schon ein Augenblick bleibt, wenn er aufgezeichnet wird. Für anonyme Aktivität ist eine kurze Prüfung als Gewohnheit sicherer.
Besonders beim Bildschirmteilen und bei Aufnahmen übersieht man nach dem Start leicht Details.
Vor dem Start einen Halt einzubauen, senkt Leaks, die später nicht mehr löschbar sind.
Zusammenfassung
Kamera, Mikrofon und Benachrichtigungen sind Schwachstellen der Anonymität.
Die Kamera zeigt nicht nur Gesichter, sondern auch Hintergrund und Reflexionen. Das Mikrofon nimmt nicht nur die eigene Stimme, sondern Gespräche und Alltagsgeräusche auf. Benachrichtigungen zeigen Klarnamen, Kontakte, Termine, Authentifizierungscodes und andere Konten.
Vor anonymer Aktivität prüft man Berechtigungen für Kamera, Mikrofon und Benachrichtigungen.
Bildschirmfreigabe wird auf das nötige Fenster beschränkt; Benachrichtigungsvorschauen werden ausgeschaltet; Hintergrund, Reflexionen, Umgebungsgeräusche, Dateinamen, Tabtitel, Lesezeichen und Kontonamen werden geprüft.
Anonymität wird nicht nur durch den Beitragstext geschützt.
Auch Bild, Ton und Benachrichtigung, die ein Gerät in diesem Moment ausgibt, werden Hinweise auf die Person.
Verwandte Werkzeuge
WebRTC Leak Test
BrowserLeaks WebRTC
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Warum es hier aufgeführt ist: Sie kann beim Thema des Artikels helfen, liegt aber außerhalb von Anonymity Sense und sollte vor der Nutzung geprüft werden.
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Identitätsrisiken durch Kamera, Mikrofon und Benachrichtigungen
Kamera, Mikrofon und Benachrichtigungen können Hintergrund, Reflexionen, Stimmen, Kontaktdaten, Termine, Codes und Kontonamen in Aufnahmen oder Screenshots sichtbar machen.