Wenn Aktivitäts-Social-Media und persönliche soziale Netzwerke vermischt werden, wird Anonymität schlagartig schwächer.
Dasselbe Gerät, derselbe Browser, dasselbe Profilbild, dieselben Themen, dieselbe Posting-Zeit. Ein einzelner Punkt mag nur ein kleiner Hinweis sein, doch wenn mehrere zusammenkommen, wird gefragt: "Ist dieses Aktivitätskonto nicht dieselbe Person wie dieses persönliche Konto?"
Aktivitäts-Social-Media wird zum Zentrum von Öffentlichkeitsarbeit und Kontakt.
Gerade deshalb muss es getrennt vom persönlichen Leben und von Klarnamenkonten betrieben werden.
Warum getrennt wird
Kontotrennung bedeutet nicht nur, den Namen zu ändern.
Wenn im Klarnamenkonto und im Aktivitätskonto dieselben Bilder, derselbe Schreibstil, dieselben Zeiten oder dieselben Beziehungen erscheinen, entsteht Korrelation.
Was sich vermischt
Risiko
Profilbild
Verbindet sich über Bildersuche oder frühere Posts
Posting-Zeit
Verbindet sich mit Lebensrhythmus oder teilgenommenen Veranstaltungen
Thema
Persönliche Interessen, Arbeitsplatz oder Region überschneiden sich mit Aktivität
Follow-Beziehungen
Klarnamen-Bekannte oder Mitstreiter werden sichtbar
Browserumgebung
Vermischt sich durch s oder Login-Fehler
Ein Aktivitätskonto ist nicht dazu da, eine andere Persönlichkeit zu spielen.
Es ist eine Praxis, um persönliche Lebensinformationen und Aktivitätsinformationen nicht unnötig zu verbinden.
Aktivitäts-Social-Media wird genutzt, um Menschen zu sammeln, Informationen zu verbreiten und Dokumentation zu hinterlassen. Gerade deshalb wird es auch von Angreifern, Gegenseiten, Arbeitsplatz, Schule und Bekannten gesehen. Wenn es wie persönliche soziale Netzwerke betrieben wird, nähert man sich der Person über gewohnte Orte, Interessen, Beziehungen und Posting-Zeiten.
Kontotrennung ist nicht nur dafür da, die Aktivität zu verbergen. Sie ist auch eine Grundlage, um Teilnehmende und Unterstützende nicht hineinzuziehen. Wenn Aktivitäts-Social-Media zu nah am persönlichen Leben ist, wirkt sich das nicht nur auf die Person selbst, sondern auch auf ihr Umfeld aus.
Was getrennt werden sollte
Zu trennen ist nicht nur der Kontoname.
Man prüft E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Browser, Gerät, Cloud, Bildmaterial und sogar die Schreibweise von Posts.
Zu trennen
Grund
E-Mail-Adresse
Nicht mit Klarnamenkonto oder Wiederherstellungsinformationen verbinden
Telefonnummer
Verbindet über Kontaktsynchronisierung oder Identitätsprüfung
Browser
Cookies, Anmeldestatus und Verlauf nicht vermischen
Bildmaterial
Wiederverwendung von Icon oder Posting-Bildern vermeiden
Posting-Inhalt
Geschichten zu gewohnten Orten, Arbeitsplatz oder Familie nicht vermischen
Auch beim Betrieb auf demselben Smartphone entstehen Fehler, wenn man sich nur auf Login-Wechsel verlässt.
Wenn möglich, trennt man Browser oder Profile.
Auch Registrierungsinformationen der Aktivitäts-Social-Media werden geprüft. Wenn Klarnamen-E-Mail, gewöhnliche Telefonnummer, Wiederherstellungs-E-Mail der Klarnamenseite oder Verknüpfung mit persönlicher Cloud verwendet werden, sind Konten oberflächlich getrennt, aber im Hintergrund verbunden. Wenn Kontaktsynchronisierung aktiviert ist, können Beziehungen auch über Bekanntenvorschläge oder Empfehlungen sichtbar werden.
Profilbild und Headerbild sollten sich nicht mit früheren Konten überschneiden. Dasselbe Icon, dasselbe Foto, dasselbe Werk, dieselben Farben oder dieselbe Komposition werden für Menschen, die es kennen, zu Hinweisen.
Trennung der Posting-Inhalte
Bei Aktivitätskonten ist wichtig, persönliche Themen nicht zu stark zu vermischen.
Gesundheit, Arbeit, Schule, Familie, Bewegung, Hobbys, Einkäufe, Wetter, lokale Themen. Solche Alltagsinformationen verbinden sich mit Klarnamenkonto oder gewohnten Orten.
Posting-Inhalt
Hinweis
Arbeit oder Schule
Zugehörigkeit oder Lebenszeiten werden sichtbar
Familie oder Freunde
Menschen im Umfeld werden hineingezogen
Lokale Themen
Gewohnte Orte werden eingegrenzt
Hobbys
Themen überschneiden sich mit dem Klarnamenkonto
Gesundheit oder Pläne
Verhaltensmuster werden sichtbar
Bei Aktivitätskonten ist es sicherer, auf Informationen zu begrenzen, die für die Aktivität nötig sind.
Aktivitätskommunikation braucht Menschlichkeit. Wenn jedoch zu viele Lebensinformationen hineingeraten, wird das Aktivitätskonto zu einem persönlichen Tagebuch. Gesundheit, Feierabend, Schulpläne, Familiengeschichten, lokales Wetter, Geschäfte in der Nähe oder Beschwerden über den Arbeitsweg sind für Leser nahbar, aber Hinweise auf gewohnte Orte.
Bei Aktivitätskonten legt man den Zweck des Posts fest. Ist es Ankündigung, Bericht, Bitte um Unterstützung, Erklärung oder Dokumentation? Personenbezogene Daten, die mit dem Zweck nichts zu tun haben, werden gestrichen.
Fehler nach der Trennung
Auch bei Trennung können Betriebsfehler Verbindungen schaffen.
Einen Aktivitäts-Post mit persönlichem Konto reposten. Mit dem Aktivitätskonto persönlichen Bekannten antworten. In einem Screenshot erscheinen Benachrichtigungen des persönlichen Kontos. Solche Fehler passieren häufig.
Fehler
Risiko
Mit falschem Login posten
Persönliches Konto und Aktivität werden direkt verbunden
Dasselbe Bild posten
Verbindung über Bildersuche
Screenshot mit Benachrichtigungen
Persönliches Konto oder DMs werden sichtbar
Dieselbe Kurz-URL verwenden
Verwaltung oder Freigabequelle wird vermutet
Denselben Posting-Text wiederverwenden
Verbindet über Schreibstil oder Standardformulierung
Vor dem Posten braucht man die Gewohnheit zu prüfen, mit welchem Konto man postet.
Häufig sind Reaktionen mit einem anderen Konto. Wenn ein Aktivitätskonto kritisiert wird, verteidigt man es mit dem persönlichen Konto. Man verbreitet einen Aktivitäts-Post sofort mit dem persönlichen Konto. Man antwortet vom Aktivitätskonto nur persönlichen Bekannten. Solche Handlungen rücken Konten näher zusammen.
Auch Screenshots brauchen Vorsicht. Selbst wenn man nur den Bildschirm des Aktivitätskontos aufnehmen wollte, können im Benachrichtigungsbereich persönliches Konto, DM, E-Mail oder Standortinformationen erscheinen. Vor dem Posten prüft man den gesamten Bildschirm.
Betriebsregeln festlegen
Aktivitäts-Social-Media wird manchmal von mehreren Personen betrieben. Wenn man in diesem Fall alles individuellen Entscheidungen überlässt, nehmen Fehler zu. Man legt Posting-Verantwortung, Antwort-Verantwortung, Umgang mit DMs, Bildprüfung, Löschkriterien und Reaktion bei massiven Online-Angriffen fest.
Festzulegen
Grund
Posting-Verantwortung
Fehlposts und doppelte Reaktionen verringern
Antwortpolitik
Keine Informationen durch emotionale Reaktionen herausgeben
DM-Politik
Umgang mit Köderversuchen und Belästigung festlegen
Bildprüfung
Gesichter, Hintergründe und Benachrichtigungen nicht übersehen
Löschkriterien
Schnell handeln, wenn personenbezogene Daten erscheinen
Kontotrennung wird nicht nur durch individuelle Aufmerksamkeit geschützt. Sie wird als Betriebsregel der Aktivität aufrechterhalten.
Bei Mehrpersonenbetrieb auch Rechte trennen
Wenn Aktivitäts-Social-Media von mehreren Personen betrieben wird, steigt das Risiko, wenn alle dieselben Rechte erhalten. Man trennt, wer posten, DMs lesen, Einstellungen ändern oder verbundene Apps hinzufügen kann. Denn wenn ein Gerät oder Konto einer Person offengelegt wird, wirkt sich das auf alle aus.
Wichtig ist auch, Rechte ausgeschiedener Mitglieder nicht bestehen zu lassen. Je länger eine Aktivität läuft, desto eher bleiben alte Logins, alte Geräte und alte gemeinsame Passwörter zurück. Man prüft regelmäßig Rechte, angemeldete Geräte, verbundene Apps und geteilte Passwörter.
Zu prüfen
Grund
Administrationsrechte
Schaden durch Übernahme oder Fehlbedienung begrenzen
Angemeldete Geräte
Zugriff von alten Geräten verhindern
Verbundene Apps
Weitergabe an unnötige externe Dienste verringern
Geteilte Passwörter
Zugriff ausgeschiedener Personen nicht behalten
DM-Leserechte
Informationen von Beratenden oder Teilnehmenden schützen
Zusammenfassung
Social-Media-Betrieb und Kontotrennung sind Grundlagen der Anonymität für Aktivistinnen und Aktivisten.
Wenn Klarnamenkonto und Aktivitätskonto Bilder, Posting-Zeiten, Themen, Follow-Beziehungen und Browserumgebung vermischen, entsteht Korrelation.
Zu trennen sind E-Mail, Telefonnummer, Browser, Bildmaterial und Posting-Inhalt.
Bei Aktivitäts-Social-Media ist wichtig, nicht zu viele persönliche Lebensinformationen herauszugeben.
Kontotrennung wird nicht durch Einstellungen beim Erstellen geschützt, sondern durch tägliche Praxis.
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